ite/frères en marche
 

Kinder: staunen - lachen - lernen   

ite – Die Eine-Welt-Zeitschrift – weltoffen – franziskanisch – engagiert

Liebe Leserinnen und Leser

Er war ein aussergewöhnlicher Mensch und ein hervorragender Fotograf: der vor einem Jahr im Alter von 90 Jahren verstorbene Berner Fernand Rausser. In seinem letzten Lebensjahrzehnt waren wir miteinander freundschaftlich verbunden sein. Jede Begegnung mit Sepp – so nannten wir ihn – war eine Freude.

Schon als Kind sah ich in den 1950er-Jahren Bilder von ihm. Er gehörte zu den Fotografen der renommierten katholischen Illustrierten «Die Woche». Allmählich wurde mir «Rausser» ein Begriff. Als ich 1970 die Pressestelle des Kinderhilfswerks «Aktion im Dienste des Bruders» aufbaute, fand ich im Archiv eine Bildreportage von ihm über benachteiligte Pariser Kinder. Sollte ich ihn wieder als Fotografen engagieren? Kam nicht infrage, da er – inzwischen sehr berühmt – wohl Honorare verlangen würde, die unser Werbebudget überstiegen …

Dann, vor 25 Jahren – ich war Redaktor des ageworden –, schlug der Grafiker Karl Rüde vor, eine Nummer mit Cartoons seines Freundes Sepp zu gestalten. Dieser werde uns sicher keinen allzu hohen Preis verlangen. So kam es, dass ich den berühmten Fernand Rausser persönlich kennenlernte.

Wieder vergingen Jahre. Da erzählte mir meine Journalistenkollegin Angelika Boesch, Sepp Rausser möchte in seinem neu gegründeten Verlag «Wegwarte» ein Büchlein über den brasilianischen Befreiungstheologen Leonardo Boff herausgeben. Angelika schlug vor, ich könnte den Text verfassen, da ich doch Leonardo persönliche kennen würde.

Sepp und ich trafen uns zum Mittagessen und wurden uns bald einig. Beim Dessert kam Sepps damalige Freundin Ursula von Allmen dazu. Ich hatte eines meiner Aphorismen-Büchlein als Geschenk mitgebracht. Sogleich blätterte Ursula darin und streckte mehrmals das Büchlein Sepp entgegen: «Schau mal, den Spruch musst du lesen!»

Nachdem in den nächsten Tagen der «Jungverleger» – so nannte ich den fast 80-Jährigen – weitere unveröffentlichte «Aphos» von mir gelesen hatte, entschloss er sich, eine Auswahl in sein Verlagsprogramm aufzunehmen. So wurde ich «Wegwarte»-Autor und ein Freund von Sepp. Ich bewunderte seine Schaffenskraft bis in seine letzten Lebenswochen. Noch kurz vor seinem Tod befasste er sich mit der Veröffentlichung eines Buches mit seinen Kinderfotos aus vielen Jahrzehnten. Eine Auswahl davon finden Sie auf den folgenden Farbseiten. Eine kleine Hommage an Fernand «Sepp» Rausser!

 

Walter Ludin, ite-Chefredaktor

www.franziskanisch-gfs.ch

Weblog (neu): https://www.kath.ch/author/ludinwalter