ite/frères en marche

Nr. 5, 2001/5

Franziskanische Präsenz in Zentralafrika

Im Herzen Afrikas   

Zentralafrikanische Republik

Hätte es nicht einen Verrückten namens Bokassa gegeben, der sich 1977 zum Kaiser der Zentralafrikanischen Republik krönen liess, würden noch weniger Menschen von der Existenz dieses Landes wissen.

Für einige Augenblicke stand damals Zentralafrika im Mittelpunkt des Weltinteresses. General Jean-Bédel Bokassa, der das Land im Stile eines Diktators regierte, ernannte sich zum Kaiser. Reich beschenkt vom damaligen französischen Staatspräsidenten Giscard d`Estaing, liess er sich in einem bombastischen Fest die Krone aufsetzen. Der ganze Spass kostete rund 30 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Zentralafrikaner verdiente weniger als drei Dollar pro Woche.

Sklavenhandel und Kolonisation

Die Wurzeln der Armut reichen in diesem Land im Herzen Afrikas tief. Im 16. Jahrhundert zerstörten arabische und europäische Sklavenhändler die über lange Zeit gewachsenen Gesellschaftsstrukturen.

«Auf die Entvölkerung durch den Sklavenhandel folgte Ende des 19. Jahrhunderts die Inbesitznahme durch Frankreich, welches das Gebiet an Konzessionsgesellschaften vergab und damit den Grundstein für eine ausbeuterische Kolonisation legte. Die Einführung der Monokulturen, Zwangsarbeit, Zwangsumsiedelungen, Hungersnöte und Epidemien bewirkten bis in die 20er Jahre eine weitreichende Dezimierung der Bevölkerung. Jeglicher Widerstand gegen dieses System wurde brutal niedergeschlagen.» (Länderlexikon)

Bokassas Terror

Dann trat der Priester Barthélémy Boganda auf den Plan. Ende der 40er Jahre gründete er die Widerstandsbewegung «Mouvement d`Evolution Social de l`Afrique Noire/MESAN». Zusammen mit dem internationalen Druck wurde Frankreich gezwungen, sein Kolonialgebiet «Ubangi-Chari» 1960 als «Zentralafrikanische Republik» in die Unabhängigkeit zu entlassen. Schon sechs Jahre später stürzte der erwähnte General Bokassa den gewählten Staatspräsidenten. Er regierte das Land diktatorisch. Mit französischer Unterstützung etablierte Bokassa eine Herrschaft des Terrors und der Willkür. Zwei Jahre nach der Kaiserkrönung im Operetten-Stil kam es zu einem Massaker an Schulkindern. Darum leitete Frankreich 1979 einen Machtwechsel ein. Doch auch Bokassas Nachfolger regierte diktatorisch. Die verarmte und hungernde Bevölkerung rebellierte. Die Staatsführung wurde gezwungen, 1991 demokratische Reformen einzuleiten.  Das heutige Staatsoberhaupt ist Ange-Félix Patassé. Der Regierungs-Chef heisst Jean-Claude Ngoupandé.

Bantus, Pygmäen ...

Zentralafrika ist 622 984 Quadratkilometer gross und hat knapp 3,5 Millionen Einwohner. Über eine halbe Million lebt in der Hauptstadt Bangui. (Diese Stadt ist somit grösser als Zürich, aber weitaus weniger bekannt!) Amtssprachen sind Französisch und Sangho. Die Bevölkerung ist ethnisch stark gemischt. Ein Teil zählt zu den Sudan-Völkern, ein anderer Teil zu den Bantus, der hauptsächlichsten Bevölkerung Schwarzafrikas. Im Osten sind nilotische Einflüsse festzustellen. Reste der Ureinwohner, der kleinwüchsigen Pygmäen, leben in den Urwäldern des Südwestens.

Die katholische und die protestantische Kirche sind mit je 25 Prozent der Bevölkerung gleich gross. 24 Prozent praktizieren die traditionellen, örtlichen Religionen. Neben den 15 Prozent Muslimen gibt es 11 Prozent Anhänger kleinerer, meist christlicher Religionsgemeinschaften.

Diamanten und Gorillas

Im Norden herrscht ein wüstennahes Klima, im Süden ein üppiges Äquatorialklima mit einer Regenzeit von März bis Oktober. Der dichte Urwald im Süden ist eine der letzten Heimstätten der Tiefland-Gorillas. Der grösste Teil des Landes besteht aus sanftem Hügelland und einem flachen Plateau mit trockenen Laubwäldern, die teilweise durch Buschfeuer zerstört oder durch Abholzung in Savanne verwandelt worden sind. Zum Tierbestand gehören Elefanten, Hyänen, Antilopen, Büffel. In den Gewässern leben Krokodile und Flusspferde.

Zentralafrika hat reiche Bodenschätze. Davon profitiert das Land nur wenig. Die geförderten Diamanten und das Gold werden grösstenteils ins Ausland geschmuggelt. Auch der Export von Edelhölzern entzieht sich weitgehend der Kontrolle der Regierung. So kommt es, dass eines der Länder mit den reichsten Bodenschätzen eines der ärmsten bleibt.

Walter Ludin
Quellen: Bertelmanns Länderlexikon, Internet

 

Dienstleistungs-Sektor: (in %) 
Industrie: (in %)
Landwirtschaft: (in %) 
BSP/Kopf: (US$)
Inflation: (in %)
Analphabeten: (in %)

Urbanisierung: (in %)
Bev.-Wachstum/Jahr: (in %)
Kindersterblichkeit: (in %)
Lebenserwartung:
Einwohner pro Arzt:

29,7
16,9
53,4
320
0,1
m. 43
w. 68
39
2,02
17,3
45 Jahre
18`660

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tschad

Zentralafrikas Nachbarland Tschad, von dem in dieser ite-Nummer auch die Rede ist, wurde im Heft 4/2000 ausführlich vorgestellt. Gratis-Exemplare sind erhältlich bei:

Missionsprokura der Schweizer Kapuziner
Postfach 1017
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Telefon: 062 212 77 70.