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Nr. 4, 2003/4

Mauritius

Mauritius – eine Paradiesinsel?   

«Sie gewinnen eine traumhaft schöne dreiwöchige Reise nach Mauritius. Erleben Sie dort wunderschöne Meeresstrände am Indischen Ozean, in sanft-warmer Brise wiegende Palmen, eine Natur voller Schönheiten und geniessen im Nobelhotel die kulinarische Vielfalt von indischer, französischer und chinesischer Küche.»

so etwa hört und liest man über die Insel Mauritus. Ich musste mich erst mal kundig machen, wo sie denn genau liegt. Dank Internet bekam ich schnell etliche Informationen und Hinweise über die Vulkaninsel, die etwa so gross wie der Kanton St. Gallen ist.

Bunte Vielfalt

Wenn man die Marktszene in Port Louis beobachtet, sieht man die ganze Geschichte von Mauritius vor sich: Menschen unterschiedlichen Couleurs, ein Sprachengewirr, bunte Trachten und gar eine katholische und protestantische Kirche sowie eine Moschee und einen Hindutempel zeugen von friedlicher Nachbarschaft.

Erste Eroberer

Bis Ende des 16. Jahrhundert war die Insel unbewohnt und diente den Portugiesen als Etappenort, um Trinkwasser aufzunehmen oder sich von der langen Segelfahrt nach Indien zu erholen. 1598 nahmen die Holländer die Insel in Besitz. Sie gaben ihr zu Ehren des Statthalters Prinz Moritz von Nassau den Namen «Mauritius». Das Tropenholz wurde schnell als wertvolle Exportware entdeckt. Die Schildkröten dienten als Nahrung – ebenso der Dodo, ein huhnartiger Vogel (heute ausgerottet und Wahrzeichen der Insel).

«Ile de France»

Die Franzosen übernahmen 1715 die Insel. Zum Aufbau der Zuckerrohrplantagen wurden Tausende von Sklaven aus Madagaskar und dem afrikanischen Festland sowie aus Asien auf die Insel verschleppt. Es wurde die Hauptstadt Port Louis gegründet und es entstand der weltberühmte botanische Garten von Pamplemousses. Es entwickelte sich eine Mischbevölkerung – die Kreolen – die bis heute noch spürbar französische Elemente in sich hat. Der «Code Napoléon» (französisches Gesetzbuch – 1808 eingeführt) gilt heute noch.

Letzte Kolonialmacht

Die Engländer versuchten 1748 vergeblich die Insel zu erobern. Doch 1810 geht die Insel dennoch in englische Hand über. Die Sklaverei wird 1835 abgeschafft und im Gegenzug werden billige hinduistische und muslimische Arbeitskräfte aus Indien und China eingeführt. 1968 wird Mauritius unabhängig.

Sprachen

Englisch ist offizielle Landessprache. Französisch ist, trotz 150-jähriger britischer Herrschaft, weit verbreitet. Daraus entwickelte sich auch eine Verständigungssprache zwischen den französischen Herren und den Sklaven – das Kreol. Es wird aber auch Hindi, Urdu, Hakka, Chinesisch, Tamil und Bojpoori gesprochen.

Religions-Potpourri

Man kann gut nachvollziehen, dass durch die Geschichte der Insel sich auch verschiedene Religionen ausgebreitet haben. Rund 51% sind Hindu, mehr als ein Viertel der Bevölkerung (ca. 26%) sind römisch-katholisch. Die Protestanten machen nur 5% aus. Knapp 17% sind Muslime. Eine verschwindend kleine Gruppe ist buddhistisch (0.3%).

Wirtschaftliches

Mauritius gehört heute zu den am weitesten entwickelten Ländern Afrikas. Sein Wirtschaftswachstum beträgt 6% pro Jahr und steht somit auf der Schwelle zum Industrieland. Mitgeholfen haben der Tourismussektor und eine gute Exportpolitik. Auch ist Mauritius ein assoziiertes EU-Mitglied.

Kleine Schweiz?

Beim Schreiben dieses Artikels wurde ich immer wieder an die Schweiz erinnert – verschiedene Sprachen, Religionen und Mentalitäten. Ich denke aber, dass auf Mauritius das friedliche Zusammenleben immer wieder hart erkämpft werden muss. Es braucht ständig Idealisten und Kämpfer, welche für das soziale Wohl und die Würde des Menschen einstehen.

Stefan Rüde

 

Daten und Fakten

Offizieller Name: Republic Mauritius

Hauptstadt: Port Louisca

Einwohner: 1`200`000

Fläche: 2040 km2

Ausdehnung: N-S 60 km; W-O 55 km

Höchster Punkt: Piton de la Petite Riviere Noire: 826 m

Tiefster Punkt: Meeresspiegel

Gliederung: 9 Distrikte (Black River, Flacq, Grand Port, Moka, Pamplemousses, Plaines Wilhems, Port Louis, Riviere du Rempart, Savanne); 3 Inselgruppen (Agalega Islands, Cargados Carajos Shoals, Rodrigues)

Gelände: kleine Küstenfläche, ansteigend zum zentralen Hochplateau, das von Felsgipfeln umringt ist

Klima: tropisch, milde Passatwinde, warmer, trockener Winter, heiss nasser und schwüler Sommer, Wirbelstürme

Ressourcen: Ackerland (Zuckerrohr, Tabak, Tee, Bananen), Fischereiprodukte

Ethnische Gruppen: Indo-Mauritier: 68%; Kreolen: 27%; Chinesen: 3%; Weisse: 2%

Währung: Mauritius-Rupie

Zeitzone: MEZ + 3 Stunden