ite/frères en marche

Nr. 2, 2006/2

Kirchen(t)räume

Editorial des Redaktors   

Am Anfang dieser Nummer standen Bilder. Mein Freund und Verleger («Pfeilspitzen», «Franz von Assisi für Ungläubige») Fernand «Sepp» Rausser machte mich darauf aufmerksam, dass er im Verlaufe seines langen Fotografenlebens viele Kirchen fotografiert habe. Ob das ite sich dafür interessieren würde?  Ich wusste zwar, dass Sepp ein hervorragender Fotograf ist (einer der besten in der Schweiz!). Dennoch war ich erstaunt, als ich seine Kirchenbilder sah. Vor allem war ich davon fasziniert, wie er Bilder einander gegenüberstellte, um überraschende Parallelen oder ungewohnte Kontraste herauszuarbeiten. Darum lohnt es sich sicher, diesen Fotos im vorliegenden Heft möglichst viel Platz einzuräumen.

Wir haben in unserem Redaktionsteam die Idee entwickelt, die Fotos von Kirchenräumen mit Texten über Kirchenträume zu begleiten. Denn es braucht beides: eine quadratmässige Kirche (Räume) und eine Kirche als geistige/geistliche/gemeinschaftliche Grösse. Oder wie es mein allzu früh verstorbener Studienkollege Georg «Giorgio» Rimann (1947 bis 2004) im Zürcher Pfarrblatt «forum» ausdrückte: «Natürlich lebt Kirche nicht aus Steinen, Tempeln und Zentren, sondern erst aus den Menschen, die in diesen Mauern zusammenkommen, feiern, beten, nachdenken und miteinander Kirche sein und leben wollen. Damit sie das aber einigermassen vernünftig tun können, brauchen sie elementare Voraussetzungen wie beispielsweise eine brauchbare Kirche.»

Wenn man «Kirche» sagt, meint man hierzulande sehr oft bloss die Gebäude. Bevor ich mich an das Schreiben dieses Editorials machte, las ich im Basler Pfarrblatt «Kirche heute» von der folgenden Episode: Ein Priester kommt in Basel in einem Bus mit einer Jugendlichen ins Gespräch. Auf die Frage, wer er sei, antwortet er, nachdem die junge Frau mit dem Wort «Priester» nichts anfangen kann: «Ich arbeite für die Kirche.» Worauf die Jugendliche laut ruft: «Hier ist ein Mann, der baut die Kirchen!» Auch wenn es sich um ein Missverständnis handelt: Der Ausspruch erinnert uns daran, dass wir alle – auch jene, die nicht Architekten sind – den Auftrag und die Befähigung haben, Kirchen zu bauen.

Herzliche Grüsse
Walter Ludin

Fernand Rausser
Der Fotograf unserer Kirchenbilder.

Fernand Rausser besuchte 1942/43 die Kunstgewerbeschule in Zürich und machte danach die Fotografenlehre bei Jakob Bär in Frauenfeld (1943–1946). Seine Gesellenjahre (1946–1949) verbrachte er in Genf, Lausanne und in Bern bei Hans Steiner, danach besuchte er die Fotoklasse bei Hans Finsler an der Kunstgewerbeschule Zürich und seit 1950 ist er freischaffender Fotograf in Bern. In den 1950er Jahren war er ständiger Mitarbeiter bei «DieWoche», «ferment» und «CH-Magazin». 1951 schloss er sich mit Walter Studer, Hans Keusen und Kurt Blum zur «Groupe carré» zusammen und ab 1953 arbeitete er immer wieder mit Hanny Meinhardt zusammen. Seit 1954 publiziert er zahlreiche Bücher, wobei er ebenso als Cartoonist, Zeichner und Maler tätig ist. Für viele grosse Schweizer Firmen, wie SBB, IBM, Caritas, Nestlé und Swissair, fotografierte er ab 1960. Für das Grand-Hotel Victoria-Jungfrau in Interlaken fotografierte er für die Werbeprospekte. 2003gründeteRausser seinen eigenen Verlag Wegwarte. Am 24. August 2006 feiert Fernard Rausser in Bern seinen 80. Geburtstag.

www.wegwarte.ch