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ite/frères en marche

Nr. 5, 2006/5

Christentum

Christentum – ein Steckbrief   

Gemeinsam mit dem Judentum und dem Islam gehört das Christentum zu den drei monotheistischen Religionen. Es bekennt sich mit diesen zu dem einen Gott.

Das Christentum bezieht sich indes im Unterschied zu allen anderen Weltreligionen bereits im Namen auf eine Person: Jesus Christus. Die heute weltweit verbreitete christliche Religion, die in den Ländern des Nordens eher kriselt und stagniert, im Süden aber überaus lebendig ist und wächst, ist als Erneuerungsbewegung innerhalb des Judentums entstanden.

Hauskirchen

Bald nach der Hinrichtung von Jesus als Aufrührer hat sie sich über die Grenzen des jüdischen Volkes hinaus ausgebreitet. (Näheres dazu ist im folgenden Artikel von Nestor Werlen zu lesen.) Im Zuge der urchristlichen Mission sind zunächst rund um das Mittelmeer Gemeinden entstanden, die sich als Teil einer Kirche verstanden.

Bereits in den urchristlichen Hausgemeinden wurde Gottesdienst gefeiert, Armen und Bedürftigen beigestanden, Gemeinschaft untereinander und mit anderen Gemeinden gepflegt. Bald bilde- ten sich Ämter für Aufgaben der Leitung und des Dienstes, der Kommunikation und Koordination der Gemeinden.

«orthodox» – «katholisch»

Im östlichen Mittelmeerraum und von dort ausgehend kam es durch Missionierung der einzelnen Völker zu einer Vielzahl von jeweils unabhängigen Kirchen, die sich als rechtgläubige «orthodoxe» Kirchen begriffen und sich immer noch so nennen.

Im westlichen Europa ging das Christentum eine enge Verbindung mit der lateinischen Kultur ein. Auf dieser Grundlage entstand eine einheitliche Kirche, welche viele Völker umfasst und unter der Leitung des Bischofs von Rom steht. Sie bezeichnet sich bis heute als «katholisch», das heisst «allumfassend». Tatsächlich ist sie, bedingt durch die Kirchenspaltungen besonders im Gefolge der Reformation, zur (freilich grössten) Konfession geworden.

Trotz der Spaltungen gibt es das Bewusstsein der Verbundenheit und das Streben nach Einheit. Beides war Antrieb der ökumenischen Bewegung des 20. Jahrhunderts. Es kam zugleich im Zweiten Vatikanischen Konzil zum Ausdruck. Mit diesem Konzil brach die katholische Kirche aus ihrem römischen Korsett aus und tat einen wichtigen Schritt hin zu einer wirklichen Weltkirche.

Jesus von Nazareth

Das Christentum beruft sich auf Jesus Christus und bekennt sich zu ihm. Für die Kirche sind das Leben und Wirken von Jesus von Nazareth grundlegend. Dieser trat als jüdischer Wanderprediger um das Jahr 30 in Galiläa auf, heilte Kranke, solidarisierte sich mit gesellschaftlichen und religiösen Randgruppen, sammelte Anhängerinnen und Anhänger um sich und verkündete das in seiner Person und Praxis bereits angebrochene Reich Gottes. Anlässlich einer Wallfahrt zum jüdischen Pessachfest wurde er in Jerusalem verhaftet und von der römischen Besatzungsmacht als Staatsfeind gekreuzigt.

Kurze Zeit nach seinem gewaltsamen Tod verkündeten seine engsten Gefolgsleute, dass Gott ihn von den Toten auferweckt habe. Diese Botschaft wurde zum Anstoss einer neuen Sammlungsbewegung. Diese bezeugte, dass Jesus lebt, dass er der Gesalbte (Christus) ist. Sie bekannte sich zu ihm und lud in seinem Namen in seine Nachfolge ein.

Staatsreligion

Aus der jüdischen Erneuerungsbewegung entwickelte sich durch eine Mischung aus missionarischem Erfolg, ethnischer Öffnung, politischer Anpassung und pastoraler Inkulturation eine eigene christliche Religion. Nach Zeiten der Ausgrenzung und Verfolgung wurde sie unter dem römischen Kaiser Konstantin im vierten Jahrhundert zur herrschenden Staatsreligion.

Gegen die Bindung an die politische Macht und die kirchliche Machtausübung haben sich immer wieder prophetische Einzelne und Gruppen gewandt. Im Mönchtum, in den Orden und in anderen Basisbewegungen suchten sie eine gemeinschaftliche Alternative zur staatskonformen bzw. staatsförmigen Kirche.

Dem Christentum ist seit Konstantin die Spannung zwischen Macht und Dienst, privilegierter Stellung und Solidarität mit den Armen und Unterdrückten eingeschrieben. Im Feudalismus und Kolonialismus, Inquisition und Antijudaismus, in der Absegnung von Kriegen und Genoziden haben die Kirchen ihre Machtanfälligkeit und ihr Gewaltpotenzial entfaltet und sich schuldig gemacht.

Befreiender Gott

Doch die christliche Religion war und ist nicht nur ein machtpolitischer Faktor, der auch heute noch für fundamentalistische «Kreuzzüge» in Anspruch genommen wird. Sie hat über viele Generationen den Alltag unzähliger Menschen geprägt, ihrem Leben eine Struktur, eine Richtung und Sinn gegeben.
Durch die Feier des Sonntags und der christlichen Feste im Jahreskreis wie im Lebenslauf, dessen Einschnitte zugleich in Sakramenten begangen werden, wird das Leben in Gemeinschaft geteilt und gestaltet. Dies geschieht in Verbindung mit anderen und in Beziehung zu Gott.
Durch die Erinnerung an die Person und Praxis von Jesus, an Gottes Handeln in und an ihm, durch die Feier der Gegenwart Gottes in der Eucharistie, die Erfahrung der Gegenwart Christi im Geist, die Kommunikation des befreienden Evangeliums kann der Alltag unterbrochen und geheiligt werden. Dadurch wird die Hoffnung geweckt und wach gehalten, dass das jetzige Leben und die gegenwärtigen Verhältnisse nicht alles sind.
Durch die Begegnung mit dem Evangelium wird der Sinn für Gerechtigkeit und Solidarität geschärft und Gott als die schöpferische, befreiende und rettende Wirklichkeit angerufen. Denn in den Schriften der Bibel kommt zum Ausdruck, dass Gott Leben, Heil und Zukunft für alle will und schafft.

Prophetische Kritik

In Erinnerung an die jüdischen Wurzeln des Christentums und die unheilvolle Geschichte des christlichen Antijudaismus, durch Wahrnehmung der Gemeinsamkeiten der drei monotheistischen Religionen, kann das Christentum zu einer befreienden Kraft werden. Es kann so seine Schuldgeschichte erkennen und sich zur gemeinsamen Verantwortung und Hoffnung bekennen.

Orte dafür sind sowohl die gottesdienstliche Feier als auch die prophetische Kritik, das solidarische Einstehen für die Anderen, der diakonische Beistand für die Schwachen und Ausgegrenzten, der Aufstand gegen den Missbrauch von Religion zur Rechtfertigung politischer Macht. Wichtige ökumenische Orte und Erfahrungen sind zudem das Eintreten für weltweite Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, gewaltfreie Konfliktlösung und Frieden aller «Kinder Gottes».

Das Christentum bleibt 2000 Jahre nach seiner Entstehung als Weltreligion mit inzwischen zwei Milliarden Gläubigen gefordert. Selbst zertrennt in mittlerweile 33000 Konfessionen, lebt es in einer globalisierten, religiös vielfältigen, in Arm und Reich gespaltenen Welt. Es hat darin immer neu zu entdecken, was Nachfolge Jesu konkret bedeutet, wie Mitarbeit am Reich Gottes aussieht, was der Geist Gottes den Gemeinschaften und Gemeinden sagt und wohin er sie führt.

Unser Autor

Edmund Arens, 1953 in Westfalen geboren, ist an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern Professor für Fundamentaltheologie. Von 1999 bis 2000 war er am Schweizer Fernsehen Sprecher des «Wortes zum Sonntag». Eine Auswahl dieser Texte erschien in der Edition Exodus, Luzern, unter dem Titel «Widerworte, Gedanken gegen den Zeitgeist».