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Aus dem Editorial   

Liebe ite-Leserinnen und -Leser

«Wenn die Steinzeit nur 70 Jahre zurückliegt» – so überschreibt MISSIO Schweiz die Ankündigung ihres diesjährigen Schwerpunktlandes Papua-Neuguinea (www.missio.ch). Tatsächlich lebte die Bevölkerung im dortigen Hochland bis vor wenigen Jahrzehnten in steinzeitlichen Verhältnissen. Fast legendär geworden ist eine Szene, in der die Menschen zum ersten Mal einem Rad begegnen, an einem Flugzeug!

Man macht sich kaum eine Vorstellung davon, mit welcher Wucht die «Moderne» in diese archaischen Gesellschaften eingebrochen ist. Nicht verwunderlich, dass es zu einem Kulturschock kam – der bis heute anhält. Vieles ist aus den Fugen geraten. Folgen sind beispielsweise zunehmende Gewalt und der Konsum von Drogen.

Zugegeben, Gewalt hat es in Papua-Neuguinea sicher schon vor der Begegnung mit der «westlichen» Zivilisation gegeben. Doch ist ein wesentlicher Unterschied nicht zu übersehen. Bis vor Kurzem gingen die verfeindeten Dörfer bloss mit Pfeil und Bogen aufeinander los. So kam es, dass Kämpfe, die wochen- oder monatelang dauerten, ganz wenige Opfer forderten. Seit auch Stammeskrieger Zugang zu modernen, «effizienten» Waffen haben, stieg die Zahl der Toten massiv.

Wenn viele traditionelle Werte durch den sozialen Wandel hinweggefegt werden, ist es umso dringender, dass neue, zeitgemässe Werte Fuss fassen. Als ich vor zehn Jahren Papua-Neuguinea besuchen durfte, war ich beeindruckt, wie die ©Kirche sich bemüht, solche Werte zu fördern. Ganz besonders beeindruckt war ich von der Arbeit der Baldegger Schwestern. Mein welscher Redaktionskollege, Frère Bernard Maillard, machte die gleiche Erfahrung, als er vor einigen Monaten das Land als Direktor von MISSIO Schweiz besuchte.

Das Beispiel von Papua-Neuguinea zeigt: Christliche ©Mission ist nicht ein verzichtbarer Luxus, den sich einige hundertprozentig Überzeugte leisten. Der verkündete und gelebte christliche Glaube «zeigt den Menschen ihre Würde als Person» (Frère Bernard in seinem Editorial zu unserer welschen Ausgabe «Frères en marche»). Dass die Bergpredigt Jesu mit ihrem Ethos der Gewaltfreiheit ganz konkrete Konsequenzen haben kann, illustriert der Beitrag der Baldegger Schwester Lorena Jenal auf Seite 34 dieser Nummer. Nebenbei: Wo hat bei uns die christliche Botschaft solche «handgreiflichen» Folgen?

Herzliche Grüsse, Walter Ludin, ite-Redaktor