ite/frères en marche

Nr. 2, 2009/2

Wasser

 

Edito des Redaktors   

Liebe ite-Leserinnen und –Leser

1993 suchten wir im Vorstand («Komitee») der Erklärung von Bern einen Arbeitsschwerpunkt für das kommende Jahr. Ich schlug das Thema Wasser vor. Denn ich hatte irgendwo die These gelesen: «Die Kriege des 21. Jahrhunderts entstehen wegen Wasser und nicht mehr wegen Öl.» Ich unterlag mit meinem Vorschlag.

Inzwischen ist die genannte These sozusagen Allgemeingut. Man weiss, dass Wasser sehr bald sehr knapp wird – und dass man darum streiten wird, noch verstärkter als es in einigen Weltgegenden bereits der Fall ist. Peter Brabeck, der Präsident von Nestlé, bemerkt: «Machen wir so weiter, geht uns das Wasser noch vor dem Öl aus.» Und anders als Öl kann es durch nichts ersetzt werden.

Dazu kommt ein ganz neuer Aspekt der Problematik um das Wasser: die Privatisierung der Wasserversorgung. Was vielleicht gut gemeint ist, wirkt sich gerade auch für die Armen katastrophal aus: In Entwicklungsländern ist das Flaschenwasser oft das einzige, gesunde Wasser. Aber die Armen können es nicht bezahlen.

Gerade Nestlé ist auf diesem Gebiet weltweit führend. In Interviews verteidigt die Firma wortreich ihr Geschäftsgebaren. Etwa so: «Wasser ist ein kostbares Gut. Wenn es nichts kostet, trägt man dazu keine Sorge.» So weit, so gut. Aber man bringe dies den Bewohnern eines Slums bei, die für gesundes Wasser die Hälfte oder mehr ihres kargen Einkommens bezahlen müssen. Die vorliegende Nummer entstand auf dem Hintergrund dieser Tatsachen. Aber ausser im Leitartikel gehen wir nicht mehr weiter darauf ein. Wir haben uns für einen andern Weg entschieden: Wir lassen vor allem die grossartigen Bilder von Fernand Rausser sprechen, begleitet von kurzen biblischen und franziskanischen Texten sowie von Exklusiv-Gedichten von Anke Maggauer-Kirsche.

Damit weichen wir der Problematik nicht aus. Unser Ansatz entspricht jenem, den ich während einer Umwelt-Konsultation des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen CCEE kennen gelernt habe: «Wenn wir die Menschen dazu anleiten wollen, Sorge zur Schöpfung zu tragen, müssen wir sie die Schönheiten der Schöpfung Gottes erfahren lassen.» Wir hoffen, mit den folgenden Seiten einen kleinen Beitrag dazu zu leisten.

Herzliche Grüsse:
Walter Ludin, ite-Redaktor