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Franz von Assisi – Der grosse Kommunikator   

Von der Macht der Worte

Franz von Assisi überrascht als Kommunikator. Lieder, Briefe, Szenen und Botschaften, die überraschend und nachhaltig Erfolg haben! Moderne PR-Agenturen würden Franz wohl gleich engagieren.

Franz von Assisi überrascht als Kommunikator.

Franziskus von Assisi fasst sein Lebensprojekt in schlichte Worte und bewegt den mächtigsten Papst, der der Gruppe ein weltweites Wirkungsfeld eröffnet. Er schreibt im Mittelalter Rundbriefe an alle Menschen: nicht einmal Papst und Kaiser kamen auf diese Idee! Er wagt sich zwischen die Fronten eines Kreuzzugs und gewinnt den Sultan von Ägypten zum Freund. Er inszeniert eine Weihnachtsfeier, die heute weltweit in der Tradition der Krippenspiele fortdauert. Er dichtet einen Gesang, der heute in allen Sprachen gesungen und tausendfach dargestellt wird.

Volksnah, nicht populistisch

Ein Student beschreibt den Auftritt des Bruders auf Bolognas Hauptplatz. Der frühere Modefachmann beeindruckt nicht durch sein Outfit, das der junge Zuhörer eher unattraktiv fand, sondern durch seine Botschaft. Franz hat weder studiert noch das Predigen gelernt. Er spricht «wie in der Volksversammlung», die seit seiner Jugend die Geschicke Assisi alljährlich diskutierte und gemeinsam entschied. Da haben jene dauerhaft Erfolg, die Klarsicht zeigen, Weitblick haben, Probleme anpacken, Lösungswege erkennen und sich für breite Kreise verständlich ausdrücken.

Auch als Gottesmann übt sich Franz in dieser Kunst: Seine Rede auf Bolognas voller Piazza nennt Probleme beim Namen, bewegt die Zuhörenden und bringt Schritte in Gang, die zerstrittene Familien und Parteien versöhnen. Franz berührt und stachelt nicht auf, er verbindet und überwindet Polarisierungen, er spricht Erstarrtes an und ermutigt zu guten Schritten.

Das Leben spricht

Als Franz sich in Ägypten vor das christliche Heer stellt und «heilige Kriege» für gottlos erklärt, wird er von den Kreuzrittern verspottet. Da wagt er sich ins Lager der Feinde, deren Sprache er nicht kennt. Er gewinnt die Muslime mit seinem Verhalten und der Sprache seines Tuns: unbewaffnet und schutzlos, doch sichtlich vertrauensvoll und friedfertig. Dass er vor den Herrscher der islamischen Welt gebracht wird und dieser den Dialog sucht, überrascht alle Realisten. Dass der Aufenthalt Tage dauert und der Mystiker aus Assisi Sultan Muhammad al-Kāmil zum Freund gewinnt, ist eine Sensation für die Chronisten beider Religionen. Das Beispiel zeigt, welche Kraft ein authentisches Verhalten entwickelt, was beherztes Tun vermag und welche Brücken das Vertrauen selbst zu vermeintlichen Gegnern schlagen kann.

Szenen, Lieder und Spiele

Franz spricht nicht monologisch von Lehrpulten und Kirchenkanzeln. Er tritt als Strassenkünstler auf – mal verspielt und erheiternd, mal ernst und erschütternd. Spielleute treten in Interaktion, geben Impulse, wecken Reaktionen und lösen eine Dynamik aus, von der sie selbst Teil sind. Als die Feindschaft zwischen Assisis Bürgermeister und dem Bischof eskaliert, erweitert Franz seinen Schöpfungsgesang. Beide Parteien hören das vom Volk geliebte Lied, werden von der neuen Friedensstrophe überrascht und derart bewegt, dass sie den Konflikt zu lösen beschliessen.

Das erste Krippenspiel der Geschichte

Von seiner Reise durch den Nahen Osten kehrt Franz bewegt aus Betlehem zurück, dem Ort, wo Gott auf Augenhöhe zu den Menschen kam. In Italien inszeniert der Bruder, wie verletzlich Gott sich als Kind in menschliche Arme legte. Das erste Krippenspiel der Geschichte zieht von Greccio aus Kreise in alle Welt. Franz spricht dabei alle Sinne an: Menschen sollen hören und sehen, Stroh riechen und spüren, was Gottes Liebe auf Erden leibhaft riskiert.

Als junger Mann war Franz Modeexperte: Er lernte Trends erkennen und setzen, Kunden gewinnen und erfolgreiche Geschäfte machen. Als Bruder erfüllt ihn eine andere Botschaft: alle Menschen sind einander gegeben, alle Geschöpfe leben im gleichen Haus, und alle pilgern demselben Ziel entgehen. Kommunikation soll mit allen Mitteln diese eine grosse Communio fördern, die sich Franz immer faszinierender und universaler zeigt.

Niklaus Kuster