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«Auferstehung ... aus dem ewigen ist kein Ausweg» im Kloster Hegne
«Auferstehung ... aus dem ewigen ist kein Ausweg» im Kloster Hegne

Franziskus und Klara verbinden das Leben mit dem Tod

Es ist Nacht in San Damiano. Klara von Assisi schläft unruhig, wie eine Mutter, die weiss, dass eines ihrer Kinder nicht gesund ist. Auf einmal wird sie wach, in der Krankenstube nebenan herrscht grosse Not. Eine der Schwestern ist am Rande ihrer Kräfte angekommen, Atemnot und Erstickungsängste, eine Folge von Tuberkulose, peinigen sie. Klara ist alarmiert – durch den Heiligen Geist, wie die Quellen sagen. Sie kann nicht aufstehen – ihre eigene Krankheit bindet sie im Moment an ihre Liegestatt –, aber sie ist handlungsfähig. Rasch gibt sie der Schwester, die neben ihr liegt, Anweisungen: «Geh schnell nach unten in den Schlafraum, denn Schwester Andrea ist sehr krank! Erwärme ein Ei für sie und gib es ihr zu trinken … Dann bringe sie zu mir!» (aus dem Heiligsprechungsprozess der heiligen Klara). Die Situation geht glimpflich aus, im bitterarmen Kloster lässt sich die Medizin auftreiben, das Ei ist bald warm und wirkt lindernd. Es ist noch einmal gut gegangen, Schwester Andrea bleibt am Leben.

Ein anders Mal trifft es Schwester Amata. Wieder hören wir von einer nächtlichen Szene: Starke Schmerzen in der Hüfte quälen diese Frau, sie stöhnt und weint. Klara, diesmal mobil, nimmt sie beiseite, an den Ort, wo sie gewöhnlich betet. So können die andern Schwestern ungestört weiterschlafen. Es ist oft die Nacht, die Ängste gross werden lässt. Klara setzt dagegen Nähe, Gebet und Medizin. In diesem Fall wählt sie Wärme, sie legt ihr ganzes Gewicht auf die entzündete Stelle und der Schmerz verschwindet. Damit es so bleibt, überlässt sie der Schwester das Tuch, das sie selber um den Kopf trägt. Es ist noch warm und duftet nach ihr. Auch Schwester Amata kann aufatmen, der Schmerz kommt nie wieder.

Ignoriert Klara ihre Krankheit?

Krankheit ist eine harte Wirklichkeit in der jungen Gemeinschaft von San Damiano. Fast alle Schwestern haben in irgendeiner Weise mit Gebrechen zu kämpfen, auch Klara, wenngleich sie selbst kein Wort darüber verliert. Wir wissen aus ihren Schriften nichts von ihren Krankheitsphasen. Im Gegenteil, Klara rechnet sich zu den Gesunden. An ihre Freundin Agnes von Prag schreibt sie einmal: «Wir Gesunden, aber, wir fasten ….» (aus dem 3. Brief an Agnes von Prag) und führt im Folgenden aus, auf welche Weise.

Hat Klara die Wirklichkeit ihrer Krankheit ignoriert? Gehört sie zu denjenigen, die sich körperliche Schwächen nicht eingestehen oder sich selbst überschätzen? Oder zu denen, die nicht jammern wollen? Auf jeden Fall ist Klaras Selbstverständnis nicht das einer leidenden Frau. Sie hätte auch auf diese Weise ihren Weg in der Nachfolge Christi gestalten können. Viele Heilige – auch und gerade Frauen – haben das vor und nach ihr getan. Für Klara ist und bleibt ein anderes Leitbild wichtig: der arme Christus, der sich auf das Menschsein eingelassen hat. Dazu gehören Schmerz und Leid, aber ebenso heilende Nähe, liebevolle Sorge und kraftvoller Lebenswille. Deshalb kultiviert Klara ihr Leiden nicht – und nicht das ihrer Mitschwestern. Wo leibliche Not überhandnimmt, muss Abhilfe geschaffen werden: «… wenn es besser ist für die Seele» (aus dem Heiligsprechungsprozess der heiligen Klara), meint sie. Oft scheint Klara zu diesem Schluss zu kommen, denn viele Heilungsgeschichten sind uns aus San Damiano überliefert.

Leiden Troubadoure Gottes?

Auch von Franziskus wissen wir, dass er zeitlebens ein kranker Mann gewesen ist. Diesen fröhlichen Bruder, den Troubadour Gottes, der in vielen Darstellungen so leichtfüssig durchs Leben läuft, plagen seit seiner Kriegsgefangenschaft in jungen Jahren eine chronisch gewordene Malaria und ein schweres Augenleiden. Ebenso haben die Entbehrungen der langen Wanderungen und die karge Kost ihre Spuren hinterlassen. Erst gegen Ende seines Lebens kann Franziskus sich seinem Körper, dem «Bruder Esel», liebevoller zuwenden.

Doch Spuren der Sorge um erkrankte Brüder finden sich schon früh in den Regeln eines Franz von Assisi. Unter den Wanderbrüdern spielen Krankheit, Unfälle und Gebrechlichkeit eine nicht zu unterschätzende Rolle. Auch Franziskus setzt auf liebevolle – ausdrücklich mütterliche – Sorge und Geduld. Ihm gelingt es, nicht das Leid zu glorifizieren, sondern im Leiden einen Ausdruck der geliebten Armut zu finden.

Nicht stark zu sein bedeutet, eine menschliche Wirklichkeit zu akzeptieren, wie Christus sie in seiner Menschwerdung ebenfalls akzeptiert hat. In seinen Ermahnungen schreibt Franziskus deshalb: Nicht auf unser Wissen, nicht auf unseren Scharfsinn, nicht auf unsere Schönheit und nicht auf unsere Errungenschaften können wir stolz sein. Nein, nur «in unseren Schwachheiten (auch: Krankheiten) können wir uns rühmen». Sie nämlich erinnern und vergegenwärtigen uns die Nähe zum armen, menschlichen, schwachen Christus.

Leben und Tod verbinden

Die franziskanisch-klarianische Bewegung des Anfangs tragen also zwei Impulse: die vitale Begeisterung für das Leben – in der Nachfolge Christi – und die zerbrechliche Annahme des eigenen Todes – in der Nachfolge Christi. Franziskus kann buchstäblich ein Lied davonsingen. In der achten – eigens und etwas später komponierten Strophe – des Sonnengesanges heisst es: «Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen und Krankheit ertragen und Drangsal. Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.»

Und für die Schwestern von San Damiano fügt Franziskus in einem eigenen Lied dasselbe Bild an: «Jene, die von Krankheit beschwert sind, und die anderen, die sich für sie abmühen: ihr alle harret aus in Frieden! Denn um teuren Preiswerdet ihr verkaufen solche Müh’, da jede im Himmel gekrönt wird als Königin – mit der Jungfrau Maria.» (aus dem Trostlied für Klara und ihre Schwestern, auch Mahnlied genannt).

Stets Gottes Nähe suchen

Die Königinnen- und Königswürde jedes einzelnen Menschen gründet in Gottes Zuneigung. Und deshalb bleibt sie auch immer unversehrt, ob Menschen nun krank oder gesund sind. Auf Erden gibt es nur immer wieder eine Entscheidung zu fällen: Wann ist das Leid zu ertragen und wann ist ihm abzuhelfen? Solche Entscheidungen gelingen nur in enger Abstimmung mit dem geliebten Gott, würden Klara und Franziskus sagen. Wenn der Kontakt sehr nah ist, dann bleibt spürbar, was dem Leben dient: der Schmerz, weil durch ihn hindurch Gottes Nähe scheint – oder die Heilung, weil durch sie Gottes Liebe spürbar wird. Das Leben der beiden Heiligen aus Assisi verrät an dieser Stelle – leider oder Gott sei Dank? – kein Patentrezept. Aber immer wieder die Ermutigung: in jeder Lebenssituation Gottes Nähe zu suchen!

Martina Kreidler-Kos