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Reiche Ernte im Kloster Maua
Reiche Ernte im Kloster Maua

Am Fusse des Kilimanjaros

Was aber machen die Kapuzinerinnen in Tansania? Die Gründung des Klosters in Maua durch die Schwestern aus dem Luzernischen Gerlisberg ist gut bekannt (dazu Literaturhinweis auf das Buch von Nicola Schmucki und Walter Ludin).

Die Besuchsreisen aus der Schweiz bei den Maua-Schwestern zeigen die lebendigen Verbindungen zwischen der Schweiz und Tansania.Die Besuche führen auch an die anderen Orte, an denen sich die Schwestern niedergelassen haben.Aber zu kurz war der Besuch und zu vielfältig sind die Tätigkeiten der Schwestern, um hier einen vollständigen Überblick zu geben.

Erste Eindrücke

Alles wächst, blüht und gedeiht: Mit dieser kurzen Formel könnte man die ersten Eindrücke von Maua und den Kapuzinerinnen zusammenfassen. Dahinter stecken aber viel gemeinschaftliche Arbeit und das regelmässige Gebet.Schwester Yolanda, die  Subpriorin, antwortet deshalb auf die Frage, woher sie die Kraft für ihre Arbeit nimmt, ohne zu zögern: «Wir bekommen unsere Kraft von Gott. Man muss ihn darum bitten.» Die Betonung liegt dabei auf dem «Wir». Denn der Aspekt der Gemeinschaft ist viel zentraler als bei uns in der Schweiz.

Damit die Schwestern diese Kraft von Gott erbitten können, regeln sie ihren Tagesablauf nach den Gebetszeiten, der morgendlichen Messe und den Zeiten der Rekreation. Eine halbe Stunde der stillen Anbetung gehört zu ihrem täglichen «Krafttraining». «Jeden Monat haben wir einen Tag Recollectio », erklärt Schwester Isabella, «einen Tag, den wir für Gott allein reservieren. Wir beten und reflektieren unser Tun. Jeden Monat. Und jedes Jahr haben wir acht Tage für eine Retraite. Jede Schwester macht das und da holen wir uns die Kraft, weil wir wissen, dass wir ohne Gott nichts tun können.»

Sanya Juu

In Sanya Juu, einer weiteren Niederlassung der Maua-Schwestern, gibt es ein weitherum bekanntes katechetisches Zentrum. In einemZweijahreskurs werden Männer und Frauen ausgebildet, als Katechetinnen und Katecheten in ganz Tansania tätig zu sein.

Was zunächst auffällt, ist die Altersbreite, die es im «Catechetical Centre Emmaus» gibt. So sitzt neben der jungen kenianischen Schwester Alice der pensionierte Briefträger Peter. Alice ist von ihrer Kongregation geschickt worden, um sich später auf die Jugendkatechese zu konzentrieren. Peter kann es sich erst jetzt finanziell leisten, als Katechet der Kirche etwas zurückzugeben. Denn der katechetische Dienst, der so bitter nötig ist für die Vertiefung des Glaubens, kann in den meisten Regionen nicht bezahlt werden. Oder die Löhne sind zu gering, um eine Familie zu erhalten.

Weiter fallen das aufmerksame Zuhören auf und das kritische Rückfragen sowie die globale Weitsicht. «Warum interessieren sich so wenige Menschen in Europa für das Ordensleben?», fragt Schwester Alice. «Warum gibt es in Europa fast nur noch alte Menschen in den Kirchen? Wo sind die Jugendlichen?», möchte Peter wissen.

Aspirantin, Kandidatin, Postulantin, Novizin

Sechs Jahre dauert der Ausbildungsweg, um die zeitliche Profess bei den Maua-Schwestern ablegen zu können. Beide Seiten müssen eine Entscheidung treffen. Deshalb beginnen die jungen Frauen als Aspirantinnen. In diesem Jahr lernen sie das Gebets- und Arbeitsleben im Kloster kennen und können entscheiden, ob sie den Weg weitergehen wollen.

Dann folgt ein weiteres Jahr als Kandidatin, zwei Jahre als Postulantin und zwei Jahre als Novizin. Falls eine junge Frau in den Orden eintreten will, erhält sie auch eine ordentliche Ausbildung; sei es die Sekundarstufe oder eine praktische Ausbildung zur Krankenschwester oder Katechetin.

Schwester Yolanda zum Beispiel hat im Kleinen Seminar von Maua, das die Kapuziner in der Nachbarschaft betreiben, die Schule besucht.Neben der Schule gibt es auch die praktische Arbeit. Schwester Yolanda ist verantwortlich für die sechs Kühe des Klosters, die sie selber von Hand melkt. Wenn es zehn Liter Milch pro Kuh gibt, ist das schon viel. Um eine Kuh zu melken, benötigt sie etwa sechsMinuten.

Katechese und Gästehaus

Zum Kloster in Maua gehören 52 Schwestern, wobei nicht alle im Kloster wohnen und dort tätig sind. In Marangu, nicht weit von Maua, betreuen einige Schwestern einen Kindergarten. Überhaupt sind sie in der Katechese eifrig tätig. Der Dienst der Schwestern besteht darin, dass sie in der Primar- und Sekundarschule Religionsunterricht erteilen. Es sind je sieben Schwestern, die zweimal pro Woche die Katechese erteilen. Sie tun dies kostenlos, obwohl der Konvent auf ein Einkommen angewiesen ist.

Ein regelmässiges Einkommen erhalten sie durch das Gästehaus, das sie betreiben. So war im Oktober 2011 eine Gruppe mit 29 Personen aus Luzern im Haus. Und die Schwestern bieten das Haus für Exerzitien und andere Treffen an. Dafür haben sie 44 Zimmer; die meisten sind Einzelzimmer, aber es ist auch Platz für Ehepaare.

Frauen: keine Gleichberechtigung

Wie sieht es nun mit der Gleichberechtigung der Frauen aus? Gerade in der Kirche? Schwester Yolanda stellt dabei den Priestern kein gutes Zeugnis aus: «Der Priester bleibt der Boss. Wenn er etwas entscheidet, dann muss es getan werden, egal, ob es korrekt ist oder nicht. Das ist nicht gut.»

Änderungsmöglichkeiten sieht die Schwester kaum. Denn fast in ganz Afrika werden die Frauen nicht gleichberechtigt behandelt. «Dieser kulturelle Hintergrund wirkt auch in der Kirche», gibt sie zu verstehen. Trotzdem liegt dieZukunft Tansanias in den Händen der Frauen, «weil es die Frauen sind, die arbeiten, die etwas produzieren, besonders für die Familien».

Ein Wort des Lebens

Ich frage Schwester Yolanda nach dem persönlichen Wort des Lebens, das sie für ihre Profess gewählt hat. Sofort kommt die Antwort – natürlichauf Suaheli. Es ist der fünfte Vers aus dem Psalm 16: «Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher; du hältst mein Los in deinen Händen.»

Es ist das Vertrauen in einen Gott, der trägt und sich um die Menschen sorgt. Das geben die Maua-Schwestern einem auf Schritt und Tritt kund, in ihrem Tun und noch mehr in ihrem fröh-Die Schwestern helfen mit, dass sich der Glaube lichen Lachen. Und das ist auch die Antwort auf die Frage, was denn nun die Kapuzinerinnen, die Maua-Schwestern, in Tansania tun: Neben den katechetischen Einsätzen, den Bildungsaufgaben, ihrem sozial-diakonischen Tun bringen sie Gott zu den Menschen und helfen mit, dass sich der Glaube tief verwurzeln kann.

Siegfried Ostermann


 

Buchhinweis

Walter Ludin; Maria Nicola Schmucki: Licht am Kilimanjaro – Luzerner Missionspionierinnen in Tansania, Rex-Verlag 2009, ISBN-13: 978-3-7252-0879-1, 98 Seiten, ca. CHF 21.90