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„Wir sprechen von den vielen Kirchen, welche die eine Kirche bilden“, sagt der maronitische, für Europa verantwortliche Bischof Samir Mazloum. Und ein Mitglied der christlichen Studentenbewegung stellt fest: „Wir alle suchen Gott, aber wir gehen verschiedene Wege, um ihn zu finden.“

„Altehrwürdig“

Die beiden Sätze bezeichnen treffend die Einstellung der Christen angesichts des „Mosaiks der Kirchen“ im Libanon. Mit einem gewissen Stolz unterstreichen alle mit Recht: „Unsere Kirchen sind sehr altehrwürdig. Denn sie gehen auf den Ursprung des Christentums zurück, nämlich auf die Kirche in Antiochien und in Jerusalem.“ Dieses Bewusstsein vom gemeinsamen urchristlichen Ursprung blieb bis heute lebendig. Dennoch gilt, was die Patriarchen und Bischöfe des Mittleren Orients 1999 ausgesprochen haben: „Unsere Kirchen leben oft vielmehr nebeneinander als miteinander, aneinander vorbei anstatt aufeinander zu.“

Kontinuität und Kooperation

Darum hat die Seelsorge zwei Ziele: Die Identität jeder dieser katholischen Kirchen im Orient zu stärken und eine bessere Koordination und Kooperation zu verwirklichen. „Unsere Kirchen hier sind orientalisch. Sie sind es von ihrer Wurzel her und durch ihr patristisches (auf den Kirchenvätern der ersten Jahrhunderte beruhend; Anm. des Übersetzers) wie auch durch ihr liturgisches und spirituelles Erbgut. Einerseits teilen wir dieses Erbe mit den orthodoxen Kirchen. Auf der andern Seite sind unsere Kirchen mit der römisch katholischen Universalkirche verbunden. Darum müssen wir an unserem gemeinsamen Erbgut festhalten, wie an der Verschiedenheit jeder Lokalkirche. Von daher und allein damit können wir Erneuerungen zustande bringen. Dafür müssen wir Strukturen schaffen, die sowohl die Kontinuität wie auch die Kooperation unserer Kirchen im Mittleren Orient garantieren.“ Ein Jesuit bezeichnet die ökumenische Bewegung im Libanon als sehr zaghaft: „Das Kirchenvolk und selbst sehr gebildete Laien kennen die ökumenischen Dokumente nicht und begnügen sich mit einigen geläufigen, oberflächlichen Schlagworten.“

Mehr Mystik

Bischof Georges Khoder meint, die lehrmässige Einheit der verschiedenen Kirchen werde er wohl nicht mehr erleben. Doch: „Wir können unser ganzes Hoffen einzig auf Gott setzen. Denn er allein weiss um die Zukunft und kennt die Zeit, wo dieses Ziel erreicht sein wird, sei es noch im Laufe der Geschichte oder erst an ihrem Ende.“ Von der Westkirche erhofft sich der Bischof, sie werde sich abwenden vom Überbewerten von Recht und Gesetz. Dafür werde sie Platz machen für mehr Mystik.

Ein „Salat“?

Augustin Maradini, der nationale Verantwortliche einer Laienbewegung im Libanon, sagt uns: „Für Euch Europäer, die Ihr ausschliesslich mit einem einzigen Ritus zu tun habt, mag diese Vielfalt der Riten bei uns aussehen wie ein Salat, der nur schwer zu verdauen ist. Aber für uns, die wir mit unserem libanesischen Volk alle Riten leben und erleben, ist die Vielfalt eine heilsame Anregung. Sie ist sowohl spirituell wie auch sozial eine Bereicherung. Maradini erhofft sich, dass die Christen und Christinnen des Libanon „Instrumente für den Aufbau eines beglückenden Friedens und eines harmonischen Zusammenlebens in der weltweiten Christenheit sein werden“.

Bernard Maillard
Übersetzung: Friedrich Frey

Ausgleichskasse
WLu Am Weltmissions-Sonntag wird das Opfer für MISSIO aufgenommen. Dieses weltweite Werk versteht sich als „Ausgleichskasse der Weltkirche“. Über die Bestimmung der gesammelten Gelder entscheiden die MISSIO-Direktoren aus der ganzen Welt (aus der Schweiz der Kapuziner Bernard Maillard, der Haupt-Autor der vorliegenden Nummer). Die Mehrheit der Direktoren stammt aus den armen Ländern des Südens.

 

ite2001/04

Libanon

ite 2001/4

Libanon
Das Mosaik der Kirchen
Die Kapuziner im Libanon