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Kommission «Gerechtigkeit und Frieden»

In Ihrem Bemühen um Gewissensbildung sprechen und schreiben Sie viel über verantwortungsbewusste Demokratie. Welches sind die Hintergründe Ihrer Arbeit

Abbé Benoît: Wir leben in einem Land, in dem viele Konflikte wuchern. Stets entstehen neue auf Grund der Zugehörigkeit zu einem Stamm oder einer politischen Partei. Da gibt es viel zu tun beim Lösen dieser Konflikte. Zunächst muss man Menschen finden, anhören, aufbieten, um allen gerecht zu werden. Dann muss man ihnen wieder Vertrauen schenken, nachdem sie so viel Leid und Enttäuschung ertragen haben und noch ertragen beim Umplatzieren ganzer Bevölkerungsgruppen. Da herrschen ungerechte Entscheidungen, Verhaftungen, Folter, nie aufgeklärte Verbrechen.

Können Sie uns ein konkretes Beispiel Ihrer Arbeit geben?

Ich erinnere mich eines Falls, wo wir kürzlich nach grausamen Morden beim Aufeinanderprallen von sesshaften Viehzüchtern und Wanderhirten einschreiten mussten. Da ging man gewalttätig aufeinander los, ohne sich zuerst Zeit und Mühe zu nehmen, das Problem sachlich anzugehen und zu lösen. Dies hätte geholfen, auch in Zukunft mit diesen Schwierigkeiten umzugehen. Allzu oft überschreitet man hüben und drüben die Grenzen des «Aug um Aug und Zahn um Zahn»-Mottos. Man schmälert oder vereitelt dann auch das Gemeinwohl. Man beharrt stur auf seinem Standpunkt der Rassen oder Parteizugehörigkeit. So kommt man nie zu Gerechtigkeit und Frieden zum Wohle aller. Man denkt und handelt rein lokal und nicht national – selbst auf verbrecherische Weise.

Wie gelingt es Ihnen, auf die Früchte Ihrer Bemühungen zu hoffen, wo die Lage doch so heikel ist?

Frieden baut man bereits, indem man der Lage ins Auge schaut und nicht verblendet ist; indem man unvoreingenommen handelt und sich eines gemässigten Dialoges befleisst. Gewalttätigkeit – auch auf der Ebene der Worte – ist in unserer Gesellschaft überall vorhanden. Und doch keimt da und dort der Wille zur Gewaltfreiheit auf und überwindet Macht- und Rachegelüste.

Gibt es Anzeichen von Verbesserungen der Lage?

Zwar gab es in unserem Bistum erschreckend viele Kleinkriege zwischen den Stämmen der Einheimischen und Fremden. Davon bleiben Narben bestehen, die wieder aufbrechen könnten. Doch im Augenblick scheint mir das Zusammenleben von Zugewanderten – besonders aus dem Norden – und den Ortsansässigen gut. In unseren stark islamisierten Gegenden scheint man Verständnis aufzubringen für unser Vorgehen und es wird freundlich aufgenommen. Die guten Beziehungen unseres Bischofs mit dem spirituellen Chef der Muslime lassen uns von einem lebendigen Miteinander und Füreinander sprechen, von gegenseitigem Verständnis und Wohlwollen. Und man kann uns keines sektenhaften Missionierens bezichtigen, wo jedermann nur seinen eigenen Interessen nachjagt.

Ihre Arbeit ist also weit mehr als ein Zusammenzählen und Aufrechnen der Bürgerklagen. Was tun Sie, um Menschen zu lehren, mit Konflikten richtig umzugehen?

Die nationale Kommission von «Gerechtigkeit und Frieden » stellt juristisch gebildete Helfer ein, die zu den Menschen gehen, nicht um Beschwerden einzusammeln, sondern um sie über ihre Rechte und Pflichten aufzu klären. Man erstellt Kataloge mit Aufzeichnungen der Tatsachen und möglichenLösungen der Probleme. So findet man zum Frieden.

Wie sehen  die Erfolge dieses Vorgehens aus?

Heute dürfen wir feststellen, dass es weniger aggressiv zugeht und mehr Bewusstsein existiert fürs Gemeinwohl. In jeder Pfarrei gibt es ein Team, welches die Direktiven der nationalen Kommission zu verwirklichen trachtet. Das ist ungemein wichtig für den Friedensprozess. 80% der Bevölkerung leben auf dem Land. Dank den Kenntnissen, die wir ihr beibringen, sind sie nicht mehr leichte Beute der Politiker. Der Staatsapparat ermuntert sie sogar, aus der Anonymität herauszutreten, sich registrieren zu lassen und nicht weiterhin als «sans papier» zu vegetieren.

Wie bereiteten Sie die Bürger und Bürgerinnen auf die letzten Präsidentschaftswahlen vor?

Das Wichtigste war, dass die Leute ihre Wahl trafen auf Grund richtiger Informationen und mit vollem Verantwortungsbewusstsein. Priester, Ordenspersonen und geschulte Laien wirkten mit als «para-juristische» Beobachter. Sie alle lebten mitten unter den Menschen, waren präsent vom Aufschliessen der Wahlbüros bis zu deren Schliessung. Dies unparteiliche Mit-dabei-sein und Mitwirken trug dazu bei, dass ein Stimmenergebnis herauskam, das zum Besten des ganzen Landes gereicht.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Die Kirche hat in den politischen Prozessen von Togo eine wichtige Rolle zu spielen.

Wir haben seit der Unabhängigkeitserklärung bis heute allzu viel gelitten. Wenn wir versuchen, sie mit den Kriterien von Gerechtigkeit und Versöhnung aufzuarbeiten, gehen wir zuversichtlich und verantwortungsbewusst einer besseren Zukunft entgegen. Wir arbeiten dafür, dass die Mitwirkung der ganzen Bevölkerung das Fundament einer funktionierenden Demokratie wird. Dabei spielt die Stimme der Kirche eine wichtige Rolle. Es geht darum, dass das Evangelium auch in der Zivilgesellschaft und in der Politik wirksam wird, zum Wohle des ganzen Volkes von Togo.

Interview: Bernard Maillard
Übersetzung: Friedrich Frey

 

«Afrika, steh auf!»

Im letzten Herbst fand die II. Ausserordentliche Bischofssynode zu Afrika in Rom statt. Im Zentrum der Beratungen stand die Kirche mit ihrem Auftrag, für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden einzutreten. Der Schlussappell der 244 Teilnehmer und Teilnehmerinnen lautet deshalb auch unüberhörbar: «Afrika, steh auf!»

MISSIO Schweiz-Liechtenstein hat den Ruf mit dem Slogan «Mit Afrika in die Zukunft» aufgenommen. Auf der Synode wurde deutlich, dass die Kirche in Afrika aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und seine Zukunft stärker in die Hände nehmen will. In vielem ist der afrikanische Kontinent aber von den anderen Ländern abhängig; vor allem ökonomisch und politisch. Deshalb ist der Aufruf an uns ergangen, nicht tatenlos zu sein, sondern Mitzuhelfen, Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung eine reale Chance zu geben.

Quelle: Homepage von MISSIO Schweiz-Liechtenstein

 

ite2010-4

Mit Afrika in die Zukunft

ite 2010/4

Als Gast in Togo
Demokratie heisst Mitverantwortung
Wer ist schuld am Elend Afrikas?