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Gespräch mit Kardinal Polycarp Pengo, Dar es Salaam

Walter Ludin: In Tansania, ganz besonders hier in Dar es Salaam, leben Christen und Muslime eng beisammen. Wie steht es da mit dem interreligiösen Dialog?

Kardinal Polycarp Pengo: Wir diskutieren oft mit den Muslimen, vor allem über Fragen, die mit dem Terrorismus zusammenhängen. Ich bin sehr überrascht, wie sehr die Muslime betonen, sie möchten nicht mit den Terroristen identifiziert werden; wie sie sagen, der Islam sei wie jede andere Religion gegen den Terrorismus. Dies gilt für die Mehrheit. Daneben gibt es im Islam fundamentalistische Gruppen, die mit El-Kaida und Bin Laden verbunden sind. Sie behaupten: «Wer solche Gruppen angreift, greift den Islam an.»

Die Küste, an der wir uns hier befinden, ist seit Jahrhunderten vom Islam geprägt. Ich erinnere mich an einen alten Kapuziner-Missionar, der zuhause gepredigt hat, sie sei vom Islam «verseucht».

Selbstverständlich dürfen wir heute nicht mehr so reden! Tatsächlich wurde die Küste lange Zeit als islamisches Gebiet angesehen. Heute aber gibt es hier Millionen von Christen. Wir als katholische Kirche versuchen, die Küste zu einem Ort zu machen, an dem Katholiken sich zuhause fühlen.

[bild19069w200r]Was haben Sie konkret vor?

Wir sind daran, neue Pfarreien zu errichten. In Dar es Salaam gab es 1992 bloss 20 Pfarreien, heute sind es 42. Ebenso wollen wir neue Diözesen schaffen, zum Beispiel in Bagamoyo, dem Ort, wohin Hunderttausende von Sklaven geschleppt wurden, um von hier aus verschifft zu werden.

Wie reagieren die Muslime auf solche Ausbaupläne?

Unterschiedlich! Ein hoher muslimischer Politiker warnte: «Die Kirche will sich in muslimische Gebiete hinein ausdehnen!» Ein sehr guter Muslim, der die Insel Mafia im Bundesparlament vertritt, meinte hingegen: „Die Zusammenarbeit bringt grössere Fortschritte, als wenn wir einander bekämpfen.“ Auf dieser Insel führt die Kirche eine landwirtschaftliche Schule und eine Krankenstation, von denen auch die muslimische Mehrheit profitiert.

Kommen wir auf innerkirchliche Fragen zu sprechen. Vor zehn Jahren tagte in Rom die Synode für Afrika. Ich war als Journalist dabei und erinnere mich, wie sehr damals das Postulat nach Inkulturation im Vordergrund stand.

Inkulturation, die Verwurzelung des Glaubens, ist wirklich ein zentrales Anliegen. Sie hat letztlich mit der Inkarnation zu tun, mit der Fleischwerdung Gottes in Jesus Christus. Es ist nach wie vor sehr schwierig, sich damit zu befassen. Jede Diözese hat eine liturgische Kommission, zu deren Aufgabe auch die Inkulturation gehört.

Ein weiteres Postulat der Synode war der Gebrauch der Massenmedien für die Verkündigung.

Unmittelbar nach der Synode haben wir in Dar es Salaam Radio Tumaini gegründet, eine sehr beliebte Station. Auch in andern Diözesen gibt es katholische Privatradios. Seit kurzem dürfen sie im ganzen Land und nicht nur in einer bestimmten Region senden.

Auch die Schulen sollen gefördert werden, postulierte die Synode für Afrika.

Wir haben mit den Protestanten ein ökumenisches Schulsekretariat. Auf allen Stufen, angefangen beim Kindergarten – wir haben sehr, sehr viele Kindergärten! – führen wir eigene Schulen. Das Problem ist, dass verhältnismässig wenig Schüler an die Universität kommen, weil das Schulwesen in Tansania schlecht ist. Wir bereiten nun vom Kindergarten an die Kinder darauf vor, dass sie Chancen haben, einst die Uni zu besuchen.

Welche Erwartungen haben Sie an die Mitchristen im Norden der Welt?

Ich denke nicht bloss an finanzielle Unterstützung. Ihr besitzt das christliche Erbe, das ihr für die Welt erhalten müsst. Wenn bei euch der Glaube verschwindet, hat dies Auswirkungen auf uns. Wenn ihr aber den Glauben weiterhin überzeugt lebt, stärkt ihr auch unseren Glauben.

Walter Ludin

 

 Hass im Irak

WLu Kardinal Pengo von Dar es Salaam hatte sich gegen einen Angriff auf den Irak ausgesprochen. Nach dem Krieg sagte er letztes Jahr im Ostergottesdienst: «Der Sieg der USA und ihrer Alliierten garantiert den Weltfrieden nicht: Die Besiegten verbeugen sich nie vor dem Sieger; so wird zwischen beiden Seiten noch mehr Hass gesät.»

Quelle: Internet

ite2004/03

Eine Reise durch Tansania

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