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Neue Toiletten – von Missio finanziert – fu?r die Primarschule in Utembere.
Neue Toiletten – von Missio finanziert – fu?r die Primarschule in Utembere.

Zum Weltmissionssonntag

Behelfsmässige Gestelle werden herbeigetragen und grosse Blätter mit Zeichnungen und Zahlen daran aufgehängt. Auf einem ist von Hand eine Weltkarte gemalt, die mit Farben die Verbreitung des Christentums veranschaulicht. Ein anderes Blatt zeigt Christus mit weit ausgebreiteten Armen.

Aus der Kirche nebenan dringt Gesang. Der erste Gottesdienst ist bald zu Ende. Schnell noch breiten junge Schwestern Schriften und Photographien ihrer Gemeinschaft auf einem Tisch aus. Seminaristen einer kanadischen Missionsgesellschaft hängen ein buntes Tuch zwischen zwei Bäume, auf dem sie mit Papierbuchstaben für alle gut lesbar ein Zitat aus der Bibel geschrieben haben: «Go, therefore, and make disciples of all nations/ Geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern (Mit 28,19).» Es ist Weltmissionssonntag in der Pfarrei Our Lady of Guadalupe in Nairobi.

Einzigartige Solidaritätsaktion

Aber nicht nur in Nairobi, in nahezu allen Pfarreien rund um den Globus wird der zweitletzte Sonntag im Oktober in besonderer Weise gefeiert. Es ist ein Sonntag der Verbundenheit unter den Katholikinnen und Katholiken weltweit. Seit bald hundert Jahren gehört auch eine gemeinsame Kollekte dazu – weltweit. 2012 wurde sie in nicht weniger als 128 Ländern aufgenommen. Das Geld fliesst in eine gemeinsame Kasse, den Solidaritätsfonds.

Es ist eindrucksvoll, dass auch in armen Ländern bedeutende Beiträge zusammenkommen. So hat beispielsweise die katholische Kirche von Burkina Faso 223000 Dollar gesammelt. In Nigeria waren es sogar 387000 Dollar. Die Resultate der Kollekten illustrieren, wie die Kirchen zum Beispiel in Asien in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen haben. So hat Korea 2012 am Weltmissionssonntag sage und schreibe 1,2 Millionen Dollar gesammelt und damit die Schweiz um das Doppelte übertroffen. Mehr noch als die gesammelten Geldbeträge zählt jedoch das Mitwirken und die Beteiligung so vieler Menschen. Auch wenn wir von einem geringen Gottesdienstbesuch wie in Europa ausgehen, beteiligen sich alljährlich mehr als 100 Millionen Katholikinnen und Katholiken am Weltmissionssonntag. Sie machen ihn zur grössten Solidaritätsaktion überhaupt.

Entschärftes Geber-Nehmer-Gefälle

Kürzlich konnten wir bei Missio in Freiburg François-Xavier Maroy, den Erzbischof von Bukova im Osten Kongos, willkommen heissen. Wir kamen auf die Kollekte vom Weltmissionssonntag zu sprechen und ich zeigte ihm die neuesten Zahlen. Schnell glitt sein Blick zu den Zahlen des Kongo und sein Gesicht hellte sich auf. Der arg gebeutelte Kongo konnte im letzten Jahr 177000 US$ an den Solidaritätsfonds beitragen. Natürlich bekommt die Kirche im Kongo ein Vielfaches davon wieder zurück.

Doch weil alle Lokalkirchen beitragen – also auch Geber sind – wird das leidige Geber-Empfänger- Gefälle entschärft. Das ist ein bedeutender Schritt zu mehr Geschwisterlichkeit in der Weltkirche.

Bitter nötiges Geld

Diesem Grundsatz entspricht auch das Prinzip, dass der Ortsbischof sein Einverständnis geben muss, damit ein Projekt beim Solidaritätsfonds überhaupt eingereicht werden kann. Es weiss doch beispielsweise ein Bischof in Indonesien besser, was in seiner Diözese am meisten Not tut, als irgendeine Zentrale in Europa.

Über 1100 arme Diözesen weltweit erhalten aus dem Solidaritätsfonds eine Basisfinanzierung: Geld, das die Bischöfe vor Ort entsprechend ihren Bedürfnissen verwenden können – und das sie bitter nötig haben. Dazu kommen vier bis fünf ausgewählte Projekte. Die Entscheidung, welche von den zahlreichen Projekteingaben verwirklicht werden sollen, treffen jeweils die 107 Nationaldirektorinnen und -direktoren an ihrer jährlichen Versammlung im Mai.

Mission nicht beendet

Auch wenn der bekannte Missiologie und Afrikakenner Al Imfeld die Mission für beendet erklärt, ist sie es für die einheimischen Christen in Lateinamerika, Afrika, Asien und Ozeanien noch längst nicht. Diese Kirchen wachsen weiterhin schnell und die Ansprüche an die pastoralen Mitarbeitenden sind unverändert hoch. Vielleicht auch deshalb, weil die Missionarinnen und Missionare aus dem Norden oft grosse und zu wenig angepasste Projekte und Werke hinterlassen haben?

Zum Glück unterstützen sich die Kirchen des Südens und Ostens gegenseitig. Ich habe in Kenia Missionarinnen und Missionare aus Indien, China, Korea, den Philippinen, aber auch aus Ecuador, Bolivien, Kolumbien und Mexiko getroffen. Das ist ein schönes Zeichen des Austausches.

Wir beten das Vaterunser

Das Gebet, das uns alle verbindet, ist das Vaterunser. Auch wenn wir im stillen Kämmerchen beten, beten wir das Vaterunser und nicht etwa ein Vatermein. Dieser Plural ist in unserem katholischen Glaubensverständnis grundgelegt. Unser Glaube bringt uns zueinander und verbindet uns. Er macht uns zu Geschwistern. Der Weltmissionssonntag im Oktober will uns das immer neu ins Bewusstsein rufen. Wie reich und vielfältig unsere Kirche ist, möchte Missio jeweils an einer Gastkirche aufzeigen. Dieses Mal ist es Malawi. Es steht aber für alle anderen Länder, mit denen wir uns am Weltmissionssonntag besonders verbunden fühlen.

Martin Brunner-Artho, Missio-Direktor