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Die Schweizer Kampagne – Träger sind Brot für alle und Fastenopfer- ist Teil der internationalen Kampagne „Handel für Menschen“. Sie steht unter dem Motto: „Handel für den Menschen, nicht Menschen für den Handel“. Damit erinnert die Kampagne an den Satz Jesu: „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat“ (Mk 2,27). Die hungrigen Jünger waren Jesus wichtiger als religiöse oder wirtschaftliche Regeln. Regeln sind von Menschen gemacht, um den Menschen zu dienen.

Jesuanische Provokation

„Dienen die Regeln nur den Stärkeren und machen andere zu Opfern, müssen sie geändert werden“, schreibt der Zentralsekretär von Brot für alle, Christoph Stückelberger in der Einleitung des informativen Grundlagenberichtes zur internationalen Kampagne „Handel für Menschen“. Jesus liefere zu seinem sprichwörtlich gewordenen Satz auch provokative Begründungen mit weit reichenden Konsequenzen, erklärt Stückelberger. Wenn Jesus sage „Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer“, bedeute dies, dass wir kurzfristige Menschenopfer im Dienst langfristiger Ziele vermeiden sollten. Radikal in Frage stelle Jesus auch den Fatalismus gegenüber so genannten ökonomischen Sachzwängen in der Markt- und Planwirtschaft.

Das Recht auf Entwicklung

Dass der Reichtum auf der Welt ungerecht verteilt ist, ist mittlerweile bei uns und wahrscheinlich auf der ganzen Welt jedem Kind bekannt. Dass der Welthandel alle Menschen dieser Erde betrifft und zu einer Macht wurde, dürften bei uns und anderswo zumindest erwachsene Frauen und Männer wissen. Auch vergleichendes Zahlenmaterial haben wir alle zur Hand: dass beispielsweise 900 Millionen Menschen mit weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen. Vergessen wird jedoch oft, dass alle Handelsabkommen und alle Handelspraktiken zuallererst auf Menschenrechte basieren müssen. Die zivilen und politischen Rechte beinhalten und anderem das Menschenrecht auf Leben, auf Schutz vor der Folter, auf Freiheit des Denkens, der Religion, auf Versammlungsfreiheit und das Stimmrecht. Auch das Recht auf Arbeit ist ein Menschenrecht, das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard, auf Bekleidung und Unterkunft. Die grösste gegenwärtige Herausforderung ist wahrscheinlich das Recht auf Entwicklung.

Gleich ist nicht gleich

1995 trat das Landwirtschaftsabkommen der Welthandelsorganisation (WTO) in Kraft. Es brachte dem weltweiten Agrarhandel einen starken Liberalisierungsschub. Heute sind die Folgen absehbar: Die Entwicklungsländer produzieren immer mehr Güter, die sie nicht selber konsumieren. Sie konsumieren immer mehr Produkte, die sie nicht selber herstellen. Die Verzerrungen im Welthandel haben sich akzentuiert. Sie wirken sich negativ auf die Agrarmärkte aus und verschärfen das Nord/Südgefälle.

Allgemein muss gesagt werden, dass das liberale Konzept von Freihandel und Exportförderung in eine Sackgasse führte, weil die Besonderheiten der Agrarmärkte ausser Acht gelassen wurden. Die gegenwärtigen weltweiten Handelsregeln sind meist ungerecht, weil sie von den Reichen für die Reichen festgelegt wurden. Arme Länder kommen selten in den Genuss der Vorzüge, die der Handel ihnen bringen könnte. Eine „gleiche“ Behandlung aller Nationen ist in der Tat ungerecht, weil die finanziellen und personellen Voraussetzungen nicht „gleich“ sind.

Boykottieren?

Um das globale Handelssystem in ein Gleichgewicht zu bringen, müssen die Institutionen des Handels verändert werden. Die Zeit ist reif für Handelsabkommen, welche die grosse Bedeutung des lokalen und regionalen Handelns sowie die Armutsbekämpfung und das Recht auf Entwicklung anerkennen. Ohne Widerstand wird solch gewaltiges Umdenken nicht zu Stande kommen. Wie eine breit abgestützte Untersuchung in Grossbritannien aufzeigt, fürchten sich sogar die mächtigsten Regierungsleute in aller Welt vor grossen Unternehmen. Noch mehr fürchten die Regierungen jedoch die Wähler. Das bringt uns auf die alt bekannte Frage, ob und wie Konsumentinnen und Konsumenten bestimmte Produkte oder Unternehmen boykottieren sollten.

„Boykotte können ein sehr mächtiges Kampagnen-Instrument sein, aber man muss vorsichtig damit umgehen“, sagt Christian Aid, der die englische Kampagne Handel für Menschen erarbeitet hat. „Erstens kann es die Armen wie die Reichen treffen und daher sollte man nur boykottieren, wenn die Armen dies befürworten. Zweitens muss es im grossen Stil aufgezogen werden, wenn man sich für den Boykott entscheidet. Wenn man das Instrument zu oft einsetzt, verliert es an Stärke.“

Wer ernährt die Welt?

Um die Auswirkungen der Handelsliberalisierung auf die menschliche Entwicklung und die unterschiedlichen Folgen auf Männer und Frauen begreifen zu können, müssen wir die verschiedenen Rollen von Frauen und Männern in der Wirtschaft verstehen. (Vgl. Kasten: Wer arbeitet was?) Weltweit stellen Frauen die Hälfte der Bevölkerung dar, sie sind das Oberhaupt von einem Drittel aller Haushalte. Sie sind zuständig für die Hälfte der Nahrungsmittelproduktion der Welt, erhalten aber bloss 1/10 des Gesamteinkommens und besitzen 1/100 des Weltvermögens. Der grösste Teil der Frauenarbeit ergibt keine handelbaren Produkte, die auf den üblichen Märkten abgesetzt werden können. So wird Frauenarbeit aus der Volkswirtschaftsrechnung eines Landes ausgeschlossen und wird dementsprechend auch nicht staatlich gefördert. Die Entscheidungsträger in der Politik erkennen meist nicht, welche zentrale Rolle die Frauen in der Nahrungsmittelproduktion und in der gesunden Ernährung ihrer Familie und ihrer Gemeinschaft spielen. In Indien versuchen Dalit-Bäuerinnen, das Recht zu beanspruchen, ihre Pflichten und Verantwortlichkeiten neu zu definieren: Sie verkaufen Hirse – ihr traditionelles Grundnahrungsmittel- auf den lokalen Märkten, und nicht etwa Reis, das von der Regierung als Exportnahrungsmittel gefördert wird. Diese Basis-Frauen haben einen Wettbewerbsvorteil gegenüber kommerziell orientierten Grossbauern erstritten.

Lydia Guyer

 

Wer arbeitet was?

LG „Wenn wir die Ungerechtigkeiten der Geschlechter in der Wirtschaft ansehen“, sagt Karin Ulmer, Mitarbeiterin für Gender und Entwicklungspolitik in Brüssel, „müssen wir die Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen beachten sowie der Zugang zu den Ressourcen.“ Grösstenteils sind es Männer, die in der „produktiven Arbeit“ beschäftigt sind. Diese „formelle“ Wirtschaft funktioniert nach dem Prinzip, die geleistete Arbeit zu bezahlen und die Beschäftigung mit staatlich verordneten Vorschriften und Stützmassnahmen zu regeln.

„Reproduktive“ Arbeit, wo es um die Erfüllung der Grundbedürfnisse der Mitglieder eines Haushaltes oder um Gemeinschaftsarbeit geht, wird meist zum Verantwortungsbereich der Frauen gezählt.

Unterschreiben Sie

Mit dem Sammeln von Unterschriften für die Petition der internationalen ökumenischen Kampagne „Handel für Menschen“ will die Aktion 2004 von Fastenopfer und Brot für alle einen Beitrag leisten zum Recht auf Nahrung für alle Menschen und zu einem sichern Zugang zu den Lebensgrundlagen wie Wasser und Gesundheitsdiensten.
Nähere Angaben in den Unterlagen der beiden Hilfswerke und bei: Fastenopfer, Postfach, 6002 Luzern. Telefon: 041 227 59 59. Internet: http://www.fastenopfer.ch

 

ite2004/01

Fastenopfer: Recht auf Nahrung

ite 2004/1

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