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Der selige Kapuziner Anicet Koplin

[bild19947w200l]Als Sohn eines Arbeiters wurde Anicet Koplin 1875 in Preussisch-Friedland geboren, einer Grenzstadt in der damaligen Provinz Westpreussen, in der auch viele Polen wohnten. Er hörte von bekannten Kapuzinern, die als Sozialapostel wirkten, und erlebte solche in seiner Jugend. So trat er 1893 im entfernten Sigolsheim im Elsass (in Preussen waren alle Klöster aufgehoben) bei den Kapuzinern der Rheinisch-Westfälischen Provinz ein.

Grenzgänger und Patriot

Im Jahre 1900 zum Priester geweiht, wurde ihm bald im Ruhrgebiet die Polenseelsorge anvertraut. Er hatte daheim etwas Polnisch gelernt, das er im Laufe der Zeit durch Selbststudium verbesserte. Jetzt kam es ihm sehr zugute, ebenso seine Herkunft aus einer Arbeiterfamilie. Er verstand die Bergleute an der Ruhr, und sie verstanden ihn. Die Nähe zu den Polen minderte seine Liebe zu Deutschland nicht. Er war Grenzgänger und Patriot zugleich.

„Zirkus“ für die Armen

Die Sternstunde im Leben von Pater Anicet schlug, als 1918 an ihn der Ruf erging, sich für die Reorganisation des kirchlichen Lebens und des Ordens in Warschau zur Verfügung zu stellen. Mit Begeisterung nahm er diese Herausforderung an. Polen war nach über hundert Jahren Fremdherrschaft unter den Zaren neu erstanden. Doch die Wirtschaft lag am Boden und mit ihr viele Bettler und ganze Familien. Es gab aber auch einige Superreiche. Anicet machte sich zum Mittler zwischen beiden. Persönlich anspruchslos, im abgetragenen Habit und mit Sandalen an den blossen Füssen unterwegs, sah man ihn in den Strassen Warschaus. Er bettelte für seine Armen. Was er nur bekommen konnte, steckte er in seine tiefen Manteltaschen: Brot, Wurst, Obst, Süssigkeiten für Kinder. Oft lud er schwere Pakete auf seine Schultern oder schleppte Taschen voller Lebensmittel heim. Von Jugend auf hatte er sich im Gewichtheben geübt. Als es vom Noviziat an hiess, um Mitternacht zum Chorgebet aufstehen, trainierte er vor oder nach dem Beten in seiner Zelle mit Gewichten. Die Ausdauer stärkte seine Muskeln, so dass er ausserordentliche Leistungen vollbrachte – zur Freude der Mitbrüder, zugunsten der Armen oder für die Seelsorge. So hob er Tische und Bänke, zeigte auf Festen seine zirkusreifen Kunststücke und ging anschliessend mit seinem Käppchen durch die Reihen, um „Lohn“ für seine Armen bittend.

Kritik am Führer

Anicet Koplin war Deutscher. Er verbarg das auch dann nicht, als ihm die Politik des Führers immer mehr gegen den Strich ging. Im Kreis seiner Mitbrüder konnte er loslegen und mit der Faust auf den Tisch schlagen. Er durchschaute den antichristlichen Geist und spürte das Dämonische der nationalsozialistischen Weltanschauung. Für ihn gab es kein Paktieren. Da er von Jugend an den Glauben und die Herzlichkeit der Polen erfahren hatte, stellte er sich immer mehr auf ihre Seite. Aus Solidarität mit ihnen nannte er sich nun Koplinski. In den ersten Wochen der deutschen Besatzungszeit blieb er zunächst im Kloster. Doch bald sah man ihn im doppelten Einsatz für seine Armen und die neuen Flüchtlinge. Bei den deutschen Behörden forderte er die nötigen Scheine für Lebensmittel, Kleider, Schuhe und Arzneien an, wobei die Kenntnis der deutschen Sprache ihm zugute kam. Koplinski setzte sich auch für evangelische Christen und für Juden ein.

Nazis gegen Kapuziner

Der Gestapo waren die Kapuziner, namentlich Pater Koplinski, ein Dorn im Auge. An Christi Himmelfahrt 1941 fanden die ersten Verhöre statt. Dabei sagte der Westpreusse frank und frei, wie es seine Art war: „Nachdem was Hitler in Polen begangen hat, schäme ich mich, ein Deutscher zu sein.“ Es ist möglich, dass eine Berufung auf die reichsdeutsche Staatsangehörigkeit genügt hätte, um sich zu retten. Aber von solch einem taktisch klugen Rettungsversuch wissen wir nichts. Er würde auch der Geradheit und Opfergesinnung Pater Anicets widersprechen. Jedenfalls wurde er zusammen mit 20 Mitbrüdern am 28. Juni 1941 – ein Tag nach dem Fliegerangriff auf Warschau – festgenommen und ins Gefängnis Pawiak abgeführt.

Grund für die Verhaftung war, dass sie Flugblätter gelesen und sich gegenüber dem Nationalsozialismus negativ geäussert hätten. Sie wurden kahl geschoren und mussten die Ordenskleidung ablegen, durften aber die Breviere behalten. Der Guardian und Anicet wurden misshandelt, um sie zu Geständnissen zu bewegen. Sie blieben aber bei dem Wort, dass sie nicht ausdrücklich zum Widerstand aufgerufen haben.

Nach Auschwitz

Am 3. September wurden alle in einem Viehwagen nach Auschwitz abtransportiert. Dort erhielten sie die gestreifte Lagerkleidung und jeder ein KZ-Nummer. Sie galten nicht mehr als Menschen, sondern waren eine Nummer unter den Tausenden von Mitgefangenen.
Als 66-jähriger kam Anicet in den Block der Behinderten, der neben dem Block für Todeskandidaten lag. Was nun in den nächsten fünf Wochen an Misshandlungen und Beschimpfungen auf ihn einstürmte, wissen wir nicht genau, können es aber aus Berichten Überlebender erahnen. Es gibt nur das direkte Zeugnis seines Provinzials und Leidgenossen Archangelus, der berichtet:

„Anicet wurde beim Gang zum Lager geschlagen, weil er mit den anderen nicht Schritt halten konnte. Ausserdem hatte ihn ein SS-Hund gebissen. Bei der Abzählung wurde P. Anicet mit anderen Älteren und Arbeitsunfähigen von den übrigen getrennt und neben dem Todesblock untergebracht. Man hat ihn auch gebrannt. Er hat viel geschwiegen und gebetet. Er blieb immer ruhig und still.“ Dieses Zeugnis genügt, um anzunehmen, dass Anicet, der zeitlebens gern den Kreuzweg gebetet und anderen im Tragen ihres Kreuzes geholfen hatte, sich nun mit dem leidenden Christus verband und seine letzten Lebenstage als Gang nach Golgotha verstand. Er, der früher so kräftig auftreten und losdonnern konnte, schwieg nun und betete.

Aufstand gegen Kolonialmacht

Am 16. Oktober machten die Schergen mit ihm kurzen Prozess: Sie warfen ihn mit anderen Häftlingen in eine Grube und streuten ungelöschten Kalk über sie; ein grässliches Sterben, denn der Kalk löst eine starke Ätzwirkung aus, die dem Verbrennen bei lebendigem Leibe gleichkommt. Anicet Koplin, der selber arm lebte und sich für die Armen aufrieb, ist auch in letzter Armut gestorben; in der Hoffnung auf die Auferstehung und im Glauben, dass auch sein Leiden und Sterben mithilft, Getrennte zu versöhnen: Deutsche und Polen, Juden und Christen, Arme und Reiche.

Leonhard Lehmann

 

Im 1. Mai-Umzug

Anicet Koplin kam an einem 1. Mai an einer Versammlung der Arbeiter vorbei. Diese luden ihn ein mitzumachen. Als sie sein Zögern bemerkten, setzte ihn kurzerhand ausgerechnet jener Arbeiter auf seine Schulter, der unmittelbar hinter der roten Fahne marschierte. Die Leute an der Strasse jubelten ihrem Pater Koplinski zu. Denn er war sehr beliebt, gerade unter Arbeitern. Als Kardinal Kakowski von den Fenstern seines Palais aus den seltsamen Zug erblickte, soll er gesagt haben: „Ja, Pater Anicet tragen sie auf den Schultern, und uns?“

Der Kardinal und die Kohlen

Pater Anicet hörte jeden Tag stundenlang Beichte. Viele Priester hatten ihn zum Beichtvater, ebenso Bischöfe, Kardinal Kakowski und der Apostolische Nuntius Achille Ratti, der spätere Papst Pius XI. Als Busse legte er meistens ein Almosen für die Armen auf, auch dem Kardinal Kakowski: Im Winter sollte er einen Karren Kohlen stiften.

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