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Br. George Francis Xavier

Br. George Francis Xavier, Indischer Missionar und Luzerner Student

Ein Leben mit Abfall - Hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft   

ite – Die Eine-Welt-Zeitschrift – weltoffen – franziskanisch – engagiert

Liebe Leserinnen und Leser,

wer sich etwas vertiefter mit dem Thema «Abfall» befasst, dem wird schon bald klar: Weltweit basiert unsere ganze wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung auf zwei Prinzipien: Konsum und Verschwendung. Und alle sind, ob sie es wollen oder nicht, an dieser Entwicklung mitbeteiligt: Ich, Sie, Menschen in Industriestaaten wie in den Schwellenländern Asiens und Afrikas, einfach in unterschiedlichem Ausmass. Es ist heute allgemein anerkannt, dass unser «ökologischer Fussabdruck» bei weitem zu hoch ist. Ich habe meinen «Footprint» ehrlich ausgerechnet (www.wwf.ch/de/nachhaltig-leben/footprintrechner) und kam auf 12,29 Tonnen. Würde die ganze Weltbevölkerung auf derart grossem Fuss leben wie ich, bräuchten wir 2,82 Planeten. Nachhaltigkeit ist etwas anderes.

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Klimaerwärmung, der immer schnellere Verlust biologischer Vielfalt, die Zumüllung der Meere mit Plastik (jährlich 7,5 Mio. Tonnen) – um nur drei Beispiele zu nennen – zeigen schonungslos auf, dass unser Ökosystem Erde nicht mehr weit davon entfernt ist, zu kippen. Gerade junge Menschen, etwa vor kurzem die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg am WEF in Davos oder die zahlreichen Schülerstreiks in der Schweiz für den Schutz des Klimas, wissen das und rufen eindringlich zum Handeln auf. Die meisten von uns (Erwachsenen) aber hoffen immer noch, dass wir mit rein technischen Lösungen die Entwicklung stoppen und den Trend umkehren können, mit dem positiven Seiteneffekt, dass solche Lösungen dann noch die Wirtschaft ankurbeln würden.

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Doch das ist Sand in die Augen streuen: Technische Lösungen mögen tatsächlich dazu beitragen, die schlimmsten Entwicklungen zu stoppen. Dazu gehören auch Vorgaben der Politik. Am Schluss aber, davon bin ich überzeugt, braucht es eine radikale Veränderung der Einstellungen und des Verhaltens eines Grossteils der Bevölkerung. Gerade so, wie Papst Franziskus es in seiner bahnbrechenden Enzyklika «Laudato Si» von 2015 beschrieben hat: Er ruft darin die ganze Weltgemeinschaft zu einem fundamentalen Umdenken und jeden Einzelnen von uns zu einem umweltbewussten und nachhaltigen Lebensstil auf. Wichtig aber erscheint mir, dass Franziskus auch den engen Zusammenhang von Ökologie und sozialer Gerechtigkeit betont: Umweltschutz, Armutsbekämpfung und der Einsatz für Menschenwürde gehören für ihn untrennbar zusammen.

Beat Baumgartner