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Berührende Kindergeschichten

[bild 35193|35194|35195rw140]Unter den unbarmherzigen Strahlen der Mittagssonne zeigt mir Bruder John die Gebäulichkeiten des Kinderdorfes. Plötzlich drückt er mir ein kleines Heft in die Hand. Es ist angeschrieben mit «Blossoms in the dust». «Knospen der Hoffnung im grauen Alltag» enthält Berichte von Kindern, die im Kinderdorf Aufnahme gefunden haben. Die Zeugnisse brauchen keinen Kommentar.

Eine Familie gleitet ab ins Elend

Ich heisse Pushparani und bin 12 Jahre alt. Ich habe zwei Brüder und eine Schwester. Ich hatte liebevolle Eltern; sie kümmerten sich um uns. Mein Vater war Zimmermann, die Mutter besorgte den Haushalt. Sie gab uns Kindern immer genug zu essen. Ich hatte das Gesicht meiner Mutter sehr gern, sie strahlte immer und schaute mich mit liebevollen Augen an.

Auf einmal wurde meine Mutter krank, sie kam ins Spital und unser Leben geriet durcheinander. Mein Vater tat sein Bestes, um möglichst oft bei ihr zu sein. Ich besorgte von da an die Küche und kümmerte mich um meine jüngeren Brüder. Der jüngste war 10 Monate alt. Die Tage und Monate schleppten sich dahin, schliesslich brachte man die Mutter tot ins Haus zurück.

Bald wurde auch mein Vater krank. Er verlor den Verstand und ging nicht mehr arbeiten. Was das tägliche Essen anging, wurden wir abhängig von unseren Nachbarn. Am Schluss landeten wir auf der Strasse, wir begannen zu betteln und schliefen unter einer Brücke. Für meinen jüngsten Bruder war ich wie eine Mutter, er klammerte sich an meine Beine und wollte immer auf dem Rücken getragen werden.

Eines Tages drängte ein Unbekannter meinen Vater, sich an die Institution «Reaching to Unreached », «Die Unerreichbaren erreichen », zu wenden. Als man uns Kinder aufgenommen hatte, verschwand mein Vater. Wir wissen gar nichts mehr von ihm, wir wissen nicht einmal, ob er noch lebt oder nicht. Aber jetzt leben wir in Sicherheit und wir haben eine neue Mutter, die sich um uns kümmert.

An der Kette wie Hunde

Ich heisse Dharshini und ich habe eine Schwester, die Poongothai heisst, und einen Bruder mit dem Namen Balan. Mein Vater heisst Mayandi, er war Rikscha-Fahrer. Er verdiente wenig. Das Geld gab er der Schwiegermutter. Sie hat uns nie zu essen gegeben; sie verachtete uns. Die Schwiegermutter duldete nicht, dass wir zu Hause waren. Mein Vater hatte sich angewöhnt, uns Kinder an einer Hundekette festzubinden. Eines Nachts kam er und liess uns frei.

Wir hatten nur wenig zu essen. Wir waren unterernährt. Eines Tages hat Thatha (Kosewort für «Vater») uns ins Kinderdorf mitgenommen. Man hat uns liebevoll aufgenommen und uns zu essen gegeben. Jetzt sind wir glücklich.

Mutter hat meinen Bruder vergiftet

Ich heisse Sangavi und komme von einem kleinen Dorf. Ich habe eine Schwester und einen älteren Bruder. Mein Vater hatte kein Vertrauen in meine Mutter; jeden Tag schlug er sie. Ständig stritten sie. Die Situation war unerträglich. Schliesslich floh meine Mutter mit uns in den Wald, wo wir versteckt in einer Hütte lebten. Eines Tages kam sie ganz erschreckt herbeigerannt und befahl uns, uns ganz still zu verhalten. Unser Vater hielt sich in der Nähe auf und hielt den Kopf eines Menschen, den er getötet hatte, in seiner Hand.

Später kam unsere Mutter auf uns zu und meinte, dass wir ihr gehörten und dass sie uns nicht werde leben lassen. Sie machte Gift bereit und wollte es uns geben. Ich wehrte mich. Aber mein Bruder und meine Schwester mussten davon essen und meine Mutter ass den Rest auf. Alle drei verloren das Bewusstsein und ich rannte ins Dorf, um Hilfe zu holen. Ein Polizeijeep fuhr los und holte die drei. Meine Mutter und mein Bruder waren schon tot. Meine Schwester kam davon; zusammen mit mir, der nur wenig Gift erwischt hatte, wurden wir in ein Spital gebracht. Eine Woche später wurden wir aus dem Spital entlassen. Mein Vater kam ins Gefängnis; er starb wenige Wochen nachdem er nach Hause zurückgekehrt war.

Von Schulden erdrückt

Ich heisse Vishalini. Mein Vater war Stoffverkäufer. Die Familie war glücklich. Da wurde meine Mutter plötzlich krank. Sie musste sofort in ein Spital eintreten. Wir Kinder kamen ins Kinderdorf. Mein Bruder und ich arbeiteten hart, um die Schulden unserer Familie abtragen zu können. In den ersten Tagen waren wir traurig darüber, dass wir von unseren Eltern getrennt waren. Aber dann haben wir uns mit unserem neuen Leben arrangiert.

Einige Zeit später starb meine Mutter. Ich erinnere mich noch gut an die Worte, die sie mir auf ihrem Sterbebett sagte: «Arbeite gut in der Schule, sorge für deinen Bruder und schlage ihn nicht!» Als sie mir das sagte, verliess ich mit meinem Vater das Zimmer, wir beide weinten. Nach einem Jahr, um die Examenszeit, kam unser Grossvater und wollte uns zu sich holen. Als ihn mein Bruder fragte, warum, sagte er, dass der Vater Selbstmord begangen habe. Wir verstanden nicht, weshalb das geschehen war. Als wir im Dorf ankamen, wollten alle wissen, was mit uns passiert sei. Ich antwortete, dass ich die Schule St. Pierre besuchte. Hier im Kinderdorf lieben mich alle. Sie kümmern sich um mich auch dann, wenn es mir nicht gut geht. Ich dankederThatha(derFamilienmutter) und allen meinen Freunden.

In einen Kehrichtsack geworfen

Ich heisse Sadhan und bin Schülerin in der zweiten Klasse. Ich kenne weder meinen Vater noch meine Mutter. Man hat mir erzählt, dass man mich in einem Kehrichtsack gefunden hat. Ein Ehepaar hat mich aufgenommen. Ich betrachte sie als meine Eltern. Leider sind sie unterdessen geschieden.

Mir ist klar, dass ein junges Mädchen neben sich eine Mutter braucht. Unglücklicherweise habe ich jetzt keine Mutter, die mir sagt, was ich tun und was ich lassen soll. Hier im Haus habe ich eine «Mutter », die mich gern hat, und auch Brüder und Schwestern, die mich lieben. Wir alle haben die Kinder unserer «Thatha» gern. Früher konnte ich nicht tanzen, aber jetzt bin ich eine gute Tänzerin. Ich bete immer für Thatha und dass es uns allen gutgeht.

Verantwortung übernehmen

Ich heisse Ponmani, ich bin 15 Jahre alt. Ich komme aus einer armen Familie. Ich habe zwei Brüder und drei Schwestern. Mein Vater hat viel getrunken und kümmerte sich nicht um uns. Manchmal hatten wir nichts zu essen. Dann ist er krank geworden. Er starb, als ich neun Jahre alt war.

Zwei meiner Schwestern wurden hier in diesem Kinderdorf aufgenommen. Meine Verwandten meinten, es sei wichtiger, dass ich der Familie helfe, als dass ich in die Schule ginge. Mein Onkel misshandelte meine Mutter. Sie beging Selbstmord. So habe ich Vater und Mutter verloren.

Mit meiner sechs Monate alten Schwester kam ich mir verloren vor. Meine älteren Brüder kümmerten sich nicht um mich. Ich musste mit meiner kleinen Schwester in einer Weihrauchfabrik zur Arbeit gehen. Meine Tante hatte Mitleid mit mir und nahm mich mit in ihr Dorf. Dort bekam ich genug zu essen und konnte die Schule besuchen.

Nicht mit sechs, sondern erst mit neun Jahren konnte ich mit der Primarschule beginnen. Ich bin froh, dass ich in die Schule gehen darf. Sonst könnte ich euch nicht einmal beschreiben, wie mein Leben ausgesehen hat. Ich will, dass mein Leben gut gelingt. Ich will mein Möglichstes tun, um Kindern zu helfen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden wie ich damals. Es macht auch nichts aus, wenn ich nicht über riesige Mittel verfüge.

Bernhard Maillard

Übersetzung: Thomas M. Huber


Ein Dorf für 400 Kinder

BM: Die Zeugnisse dieser Kinder rütteln uns auf. Vielleicht empfiehlt es sich, auf die gute Nachricht des Evangeliums zurückzugreifen. Jesu sagt uns in aller Klarheit: «Was ihr einem dieser Kleinsten getan habt, das habt ihr mir getan.» Ein Satz Jesu von revolutionärer Tragweite. Zur Zeit Jesu waren Kinder wenig respektiert und man stellte sie zur Seite; Jesus holt sie in die Mitte, umarmt sie und zeigt, wie wichtig sie ihm sind. In diesem Geist arbeiten Br. John Antony Paulsamy und alle seine «Mütter». Ihr Dorf ist nicht das einzige derartige Unternehmen. Vier weitere funktionieren nach dem gleichen System. Im Ganzen werden 1500 Kinder betreut. Für Informationen: http://www.rtuindia.org