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Fruchtbares Land wird zu Spekulationsobjekt

Spätestens seit der Ernährungskrise 2007 ist fruchtbares Land zum Spekulationsobjekt geworden. Westliche Firmen und Hedgefonds sowie staatliche Investitionsgesellschaften

aus China, Ostasien oder dem arabischen Raum reissen sich mit oft fragwürdigen Methoden riesige Ackerflächen unter den Nagel. Sie schliessen Pachtverträge für 50 bis 99 Jahre ab, die ihnen die exklusive Verfügung über das Land und das damit verbundene Wasser zugestehen. Die Regierungen sind meistens nur am Zustandekommen der Verträge beteiligt. Danach treten sie ihre Rechte an private Unternehmen ab.

50-mal die Schweiz

Die kleine internationale Nichtregierungsorganisation Grain beobachtet diese Praktiken seit langem. Weltweit hat sie 416 Fälle von Land Grabbing identifiziert, davon 228 in Afrika. Gemäss Berechnungen der Internationalen Land Coalition ILC wurden zwischen 2000 und 2010 solche Landverträge für eine Fläche von insgesamt 203 Millionen Hektaren verhandelt oder abgeschlossen. Dies ist mehr als 50-mal die Fläche der Schweiz.

In einigen Ländern sind dadurch mehr als die bisher gepflügte Ackerfläche und grosse Anteile der landwirtschaftlichen Nutzfläche an ausländische Investoren verpachtet worden.

Langfristig gesicherte Rechte

In all diesen Fällen verlieren einheimische Bauernfamilien ihre Felder und damit ihren Lebensunterhalt. Studien aus allen Kontinenten belegen aber, dass die bäuerlichen Familienbetriebe weltweit gesehen nicht nur 70% aller Nahrungsmittel produzieren. Sie sind auch produktiver als die Grossbetriebe des Agrobusiness.

Damit Kleinbäuerinnen und -bauern Nahrungsmittel produzieren können, sind sie – neben angepasstem Saatgut und Wasser – vor allem darauf angewiesen, dass ihnen ihre Felder gehören, dass ihr Zugang dazu langfristig gesichert ist. Nur dann können sie in dieses Land investieren und zum Beispiel Bäume pflanzen, die erst nach Jahoder für die nächste Generation ertragreich sind.

Es ist deshalb ein grosses Problem, dass vielerorts – auch in afrikanischen Ländern – die meisten Bauernfamilien keine Landtitel besitzen und deshalb rechtlich nicht vor Vertreibung geschützt sind.

Dramatische Auswirkungen

Durch Landraub kommt es zur widersprüchlichen Situation, dass in einem Land, in dem ausländische Investoren in grossen Mengen Nahrungsmittel und landwirtschaftliche Rohstoffe für den Export anbauen, gleichzeitig Hunger herrscht – unter anderem in Senegal. Die einheimische Bevölkerung profitiert nicht von der Produktion der ausländischen Investoren. Ihre Ernährung wird nicht gesichert. Noch absurder wird die Situation, wenn ein Teil der angebauten Produkte wie Mais der Herstellung von Agro-Treibstoffen für die Tanks europäischer Autos dient.

Land Grabbing hat dramatische Auswirkungen. Die lokale Bevölkerung verliert das Land, das den Familien seit Generationen zu Nahrung und Einkommen verholfen hat und mit dem sie Nahrungsmittel für den lokalen Markt produzieren konnte. Die auf den neuen Plantagen geschaffenen Arbeitsplätze beschäftigen nur einen Bruchteil der betroffenen Menschen; dies meist zu Löhnen, die keine Familie zu ernähren vermögen. Die Anzahl der unterernährten Frauen, Kinder und Männer steigt. Ihr Menschenrecht auf Nahrung wird verletzt.

Monokulturen und Chemie

«Landraub führt dazu, dass die Landwirtschaft sich immer stärker auf riesige Monokulturen, umfangreichen Chemieeinsatz, den Verbrauch von fossilen Energieträgern und unmenschliche Arbeitsbedingungen stützt. Eine solche Landwirtschaft wird nicht dazu taugen, die Welt mit Lebensmitteln zu versorgen. Sie dient im Wesentlichen dazu, Extraprofite für ein paar Auserwählte zu produzieren», sagt Henk Hobbelink, der Koordinator von Grain.

Weil viele Partnerorganisationen von Fastenopfer und Brot für alle von Landraub betroffen sind und sich gegen diese bedrohliche Entwicklung wehren, wählten die beiden Organisationen das Phänomen Landraub und die Bedeutung der Landsicherung für Kleinbauernfamilien zum Thema der Ökumenischen Kampagne 2013: «Ohne Land kein Brot».

Fastenopfer unterstützt

Konkret unterstützt Fastenopfer in betroffenen Ländern Organisationen, die Bauernfamilien helfen, Besitzurkunden für ihre Felder zu erlangen, damit das Land, das sie traditionell bebauen oder bewohnen, nicht verpachtet werden kann. Weiter fördern diese Organisationen den ökologischen Landbau und die Züchtung von besserem Saatgut, damit die Familien langfristig ihre Produktion erhöhen können.

Auch auf internationaler Ebene setzen sich Fastenopfer und Brot für alle für einen Stopp von Land Grabbing ein. Es braucht mehr Transparenz und klare Regelungen für Investitionen im Agrarbereich. Die Menschenrechte müssen überall respektiert werden.

Ernährungssicherheit

«Selbstverständlich brauchen wir Investitionen in die Landwirtschaft, aber nicht Investitionen in wenige Grossbetriebe in der Hand einer kleinen Zahl von Finanzhaien. Wir brauchen Investitionen in die Ernährungssicherheit, die von Millionen lokaler Märkte und von drei Milliarden Bäuerinnen und Bauern sowie von Landarbeitern getragen wird. Denn sie sind es, die bisher den grössten Teil unserer Nahrungsmittel produzieren», sagt Henk Hobbelik.

Blanca Steinmann, Fastenopfer

Weitere Informationen:

http://www.grain.org

http://www.oekumenischekampagne.ch

 

«EinBlick» 02/2012

Obwohl heute Nahrungsmittel für zehn Milliarden Menschen hergestellt werden, leidet eine Milliarde Menschen Hunger. Um Unterernährung erfolgreich zu bekämpfen, braucht es deshalb nicht intensivere Anbaumethoden, sondern ein neues Landwirtschafts- und Ernährungssystem.

Fastenopfer und Brot für alle fordern einen Kurswechsel in der globalen Landwirtschaft, mit dem das Recht auf Nahrung auch tatsächlich durchgesetzt werden kann. Die Broschüre «EinBlick» zeigt auf, was sich bei Bauern und Bäuerinnen, Industrie und Konsumenten ändern muss, damit dieser Richtungswechsel eingeleitet werden kann.

http://www.fastenopfer.ch/einblick

 

Für CHF 5.– erhältlich bei: Fastenopfer, Alpenquai 4, Postfach 2856, 6002 Luzern.

Telefon 041 227 59 59, E-Mail: mail@fastenopfer.ch

 

Zum Beispiel im Kongo

In der Demokratischen Republik Kongo zum Beispiel machen die bereits verpachteten 670’000 Hektar Land 134% der bisher als Ackerland genutzten Landwirtschaftsfläche aus. In Sierra Leone sind über 500000 Hektar vergeben worden, was 46% des Ackerlandes oder 15% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche inklusive Weideland ausmacht.