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Berühmter Tessiner Wallfahrtsort

Unser Autor Friedrich Frey von Wädenswil ZH betreut die Wallfahrer aus der Deutschschweiz.

Das Heiligtum Madonna del Sasso (sasso = Stein) thront auf einer Felsennase. Es schaut weit ins Land: ins Locarnese mit dem Beginn des Langensees, in die fruchtbare Magadino-Ebene und die unwirtlichen Berge wie den Tamaro und ins Sopracenere.

«Heiliger Berg»

Die Kirche ist eingebettet in einen Gebäudekomplex von Kapuzinerkloster und verschiedenen Kapellen. Durch das eine Tälchen führt der Kreuzweg – Via Crucis – und durchs andere der Lichtweg – Via Lucis. Hier meditiert man in den Kapellen den Weg des Lichtes von der Verkündigung, über den Besuch Marias bei Elisabeth bis zu Weihnachten und Dreikönig. Dort verweilt man beschauend vor den 14 Stationen, die in die Kirche zum Auferstandenen münden.

In den Klosterhof integriert lädt die Grablegungskapelle mit menschengrossen Figuren zum Beweinen des am Kreuze Gestorbenen. Über die Weihnachtszeit lockt hier eine besondere Krippe Gross und Klein zum Bestaunen.

Beim Aufstieg innerhalb der Mauern empfängt eine machtvolle Büste von Gottvater alle mit ausgebreiteten Armen. Eine Stufe höher steht man etwas hilflos vor einem übermächtigen, unschönen Kruzifix. Auf gleicher Höhe befinden sich zwei weitere Kapellen mit der Pietà und dem Pfingstgeschehen.

Die letzten der etwa 80 Stufen führen am Konvent vorbei über die breite Freitreppe zur klassizistischen Kirchenfront und zur geräumigen Piazza, zur Wandelhalle mit traumhafter Aussicht. Und dieses Ganze nennt man «sacro monte», heiliger Berg. Solche «heiligen Berge» entstanden im 17. Jahrhundert vor allem in Norditalien.

Die Vision von 1480

Bereits 1224, also zwei Jahre vor dem Tod des Ordensvaters Franz von Assisi, lebten Franziskaner in Locarno. 1480 hatte einer von ihnen, Fra Bartholomeo von Ivrea, eine Vision. Er schaute droben auf diesem Felsen Maria mit ihrem Kind und fühlte sich berufen, in dieser unwirtlichen Gegend Einsiedler zu werden. Er fand hier aber keine Ruhe. Unzählige Leute kamen rat- und hilfesuchend zu ihm.

So berief der Einsiedler mehr und mehr Mitbrüder aus Locarno. Es entstand die «casa del Padre», Haus des Paters; dann ein kleines und schliesslich ein grösseres Kloster für rund ein Dutzend Brüder.

Bis zur Säkularisation und Kulturrevolution von 1848 wirkten hier die schwarzen Franziskaner, Konventualen genannt, da sie als Gemeinschaft Konvente besitzen durften. Der Staat verjagte sie und konfiszierte ihr Eigentum. Dann berief der Kanton Kapuziner, die ohne Eigentum lebten.

Dreimal Franziskus

So ist dieses Marienheiligtum also seit 526 Jahren auch ein Wirkort der Franziskusbrüder unterschiedlicher Farbe. Davon zeugen die drei Franziskusstatuen. Unten beim Einstieg, über einem Brunnen, streckt der Heilige, in Stein gehauen, die Arme zum fliegenden Seraph empor und empfängt die Wundmale Christi. Auf halber Höhe, in Eisen gegossen, zieht der Meditierende die Kapuze über den Kopf, als Schutz gegen Ablenkung von aussen. Oben auf der Freitreppe, grüsst der Sänger aller Kreaturen, in glänzendem Goldmetall, Pilger und Touristen.

Mystisches Halbdunkel

Beim Betreten der Kirche umfängt einen mystisches Halbdunkel. Es drückt einen die niedrige Decke. Hätte man sie auch nur einen Meter höher gebaut, hätte man viele zusätzliche Tonnen Stein den Berg hinaufschleppen müssen. Und im hellen Licht wären die zahlreichen Farbgemälde längst verblichen.

Man setzt sich am besten hin, lässt den ausgewiesenen Kraftort auf sich wirken und fühlt sich geborgen wie im Mutterschoss. Der Blick wird magisch hingezogen zur Statue der königlichen Mutter mit ihrem Kind. Beide wurden im Lauf der Geschichte gekrönt. Doch sind Mutter und Kind auch ohne Krone von hoher Erhabenheit. Jesus greift zart streichelnd zum Kinn der Mutter.

Vielleicht fragt er sie nach all den Anliegen, die man ihr anvertraut hat, im Hoffen auf seine Hilfe. Hunderte von Silberherzen mit einem GR (gratia ricevuta/Hilfe erhalten) und Dutzende von Votivtafeln mit Bildgeschichten von wunderbarer Hilfe stärken das Vertrauen der heutigen Pilgerinnen und Pilger.

Orgel mit 2600 Pfeifen

Wenn die Orgel mit 2600 Pfeifen den Volksgesang unterstützt oder allein konzertiert, steigert sich die Stimmung der Gottesdienste. Es gibt jedes Wochenende sechs italienische Eucharistiefeiern, dazu eine deutsche. An jedem Wochentag wird morgens und abends eine Messe gefeiert.

Daneben gibt es Trauungen, Pilgermessen und Konzerte aller Art. Aber auch stille Anbeterinnen kommen auf ihre Rechnung.

Barock und Rokoko

Den Schmuck in Barock und Rokoko zu beschreiben, führte hier zu weit. Nur soviel sei verraten: Kein Quadratzentimeter ist ohne Farbe oder Stuckatur. Denn von 1620 bis 1680 bauten und verzierten namhafte und namenlose Künstler diese Basilika minore unserer Lieben Hohen Frau auf dem Felsen.

Friedrich Frey

 

Drei Marien-Steine

FF. Wen wunderts, dass die «steinreiche» und vielsprachige Schweiz gerade drei «Marien-Steine» besitzt, je nach Landesgegend und -Sprache benannt:

  • im Kanton Solothurn das Benediktinerkloster «auf dem Stein», so betiteln weitherum die Leute ihre Felsenfrau
  • in der Westschweiz wallfahren die Gläubigen über rund 500 Stufen in senkrechter Felswand zur Kapelle Notre Dame du Scex (vorn lateinischen saxum d.h. Stein, Fels) hoch über St-Maurice im Unterwallis
  • in der italienischsprachigen Schweiz pflegt das Volk seine «Madonna del Sasso» (sasso Fels, Stein).

 

Pilgerlied

Ein Stern auf dem Felsen, der birgt ein Geheimnis:
Maria, die Jungfrau empfängt uns allhier.
Wir singen mit Gabriel ein Ave Maria
und beten mit Freuden den «Engel des Herrn»
Madonna del Sasso, o Mutter voll Gnade,
schenk uns auf dem Wege die Freude: Jesus.

Beim Gang ins Gebirge erklingt das Magnificat
aus hoffendem Herzen, voll Jubel und Dank.
Und mit allen Völkern steh’n wir im Lobpreise,
denn Grosses vollbracht die Allmacht des Herrn.
Madonna del Sasso, du Magd auf dem Berge,
erflehe uns gnädig Erbarmen; Jesus.

In Bethlehems Grotte Maria, die Mutter
des göttlichen Kindes den Heiland uns schenkt.
Die Engel verkünden: Gott sei seine Ehre
und Friede auf Erden den Menschen der Gnad.
Madonna del Sasso, o Mutter des Herren,
gib hier allen Pilgern den Frieden: Jesus.

Text: Leopold Stadelmann, Kapuziner, 1994
Das Pilgerlied von Madonna del Sasso hat insgesamt sechs Strophen.

 

ite2007-2

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