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Im Heim St. Antonius, Hurden bei Rapperswil
Im Heim St. Antonius, Hurden bei Rapperswil

Das Hospiz St. Antonius in Hurden bei Rapperswil

Es ist ein wolkenverhangener und nasser Frühlingstag in Hurden. Trotzdem hat man nicht nur von der Cafeteria im Parterre aus einen traumhaften Blick auf den Zürichsee, sondern auch von den vier schlicht eingerichteten Zimmern des Hospizes im zweiten Stock. Die Atmosphäre ist ruhig und entspannt, auch als ich mich länger mit einem 58-jährigen Vater von zwei Buben unterhalte, der – unheilbar an Darmkrebs erkrankt – hier Aufnahme gefunden hat. Und ich denke unwillkürlich: Doch, hier könnte ich mir vorstellen, meine letzten Tage zu verbringen …

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Seit über vier Jahren leitet die Baldegger Schwester Jolenda Elsener das erste Hospiz im Kanton Schwyz. Sie hat früher 18 Jahre im Kinder- und Jugendheim Mariazell bei Sursee gearbeitet, neun Jahre als Gruppen- und neun Jahre als Heimleiterin. Anschliessend im Bildungshaus in Dulliken und dann leitete sie ein Altersheim in Zürich. 1999 wurde sie nach Hurden gerufen, wo sie zwölf Jahre das Schwerstbehindertenheim leitete. Seit Oktober 2011 «habe ich die schönste und sinnerfüllendste Arbeit der Welt», lacht Schwester Jolenda: «Ich muss niemanden bekehren, nicht predigen und nicht missionieren. Unsere Gäste müssen nichts mehr müssen, sie sind völlig frei. Wir begleiten sie und sind für sie da, um zum Wesentlichen zu kommen. Und wir selber erhalten vieles zurück durch die zahlreichen tiefen, existentiellen Gespräche mit ihnen.» Schwester Jolenda spricht bewusst von Gästen, da eine Heilung der schwerkranken Menschen im Hospiz Hurden weder angestrebt wird noch möglich ist. Es ist ein Ort, so Schwester Jolenda, wo ihre Gäste erfahren, «dass» sie nicht ‹durch› unsere Hand, sondern ‹an› unserer Hand sterben dürfen».

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Sr. Jolenda hat in den viereinhalb Jahren hier in Hurden viele Menschen sterben sehen, 88 Frauen und 85 Männer insgesamt, und sie blieben im Durchschnitt nur gerade 21 Tage im Hospiz. Fast zu jedem Gast kann sie eine Geschichte erzählen. «Wir sind kein Spital und kein Pflegeheim, zu uns kommen einfach Menschen, deren Betreuung zu Hause nicht mehr organisiert werden kann.» Drei Baldegger Schwestern und vier Pflegefachfrauen sorgen sich um sie in einer familiären und entspannten Atmosphäre und vermitteln den Gästen ein Stück «heile Welt» – Sr. Jolenda meint dies im positiven Sinne und ohne Pathos – «als Vorfreude auf das Paradies.»

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Viele Bewohner von Hurden sind konfessionslos, doch gerade mit ihnen, so Sr. Jolenda, entwickeln sich oft ungeahnt tiefe und spirituelle Gespräche. Wie etwa jener Mann – «Sie müssen mich nicht bekehren!» –, der mit Sr. Jolenda stundenlang in schönsten Worten über die Schönheiten der Natur sprach. Weder sie noch er nahmen dabei das Wort «Gott» in den Mund. Später erzählte er seiner Frau mit voller Überzeugung, Sr. Jolenda habe ihm gesagt: «Gott kennt mich.»

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Sr. Jolenda, worin besteht aber denn die christliche Grundhaltung des Hospizes St. Antonius? – «Wir wollen jedem Gast Raum und Zeit geben, dass er zu sich selber findet, dass er loslassen kann und seine Seele den Weg zum Licht findet.» – Sterben sei, wie die Geburt, eine zentrale existentielle Erfahrung, sagt Sr. Jolenda. Heute liessen sich durch eine gute palliative, medizinische Betreuung bei Sterbenden die meisten Beschwerden und Schmerzen mildern, ja gar vermeiden: «Es macht mich darum sehr traurig, wenn jemand diese existentielle Erfahrung abschneidet durch den selbstgewählten Suizid. Das kann ich als Christ nicht gut heissen.»

Beat Baumgartner


Heim Antonius Hurden

1937 kaufte der Dekan Josef Anton Messmer in Hurden am Zürichsee den Gasthof Engel mit der Idee ein Invaliden- und Erholungsheim zu realisieren und gewann 1938 die Baldegger Schwestern dafür, das Heim zu leiten und zu führen. 1985 wurde das baufällige Haus abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt, in dem schwerstbehinderte Frauen und Männer ab 18 Jahren leben und wohnen.

2011 richteten die Baldegger Schwestern im zweiten Stock des St. Antonius-Heimes ein Hospiz mit vier Zimmern ein. Das Hospiz hat den Status eines Pflegeheimes und wird von der St. Antonius-Stiftung, Baldegg-Hochdorf und freiwilligen Helferinnen und Helfern der Organisation Triangel sowie von Spenderinnen und Spendern tatkräftig unterstützt.

 http://www.klosterbaldegg.ch > St. Antonius Hurden