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Ein Zimmer und drei Klassen

Die Schwester verliess ein gut situiertes und wohl ausgerüstetes Kolleg, um in einem armseligen Gebäude einer Pfarrei Kinder aus ärmlichen Verhältnissen zu unterrichten. Diese „Karriere nach unten“ war für sie äusserst schwierig. Sie gesteht, dass ihr nach mehr als 30 Jahren Tätigkeit in einem „luxuriösen“ Milieu die Option für die Armen nicht leicht gefallen sei.

Kein Geld

In einem einzigen Zimmer müssen drei Klassen gleichzeitig unterrichtet werden. Hier stehen Tische, drei Wandtafeln und ein Küchenbuffet. Allzu gern würde Schwester Marie-José diesem rechteckigen Raum noch zwei Flügel anbauen. Das würde jeder Abteilung ungestörtes Arbeiten ermöglichen. Zudem könnten die Lehrerinnen sich besser den Schülerinnen und Schülern widmen. Die Kinder zwischen 8 und 15 Jahren hätten ohne die Schwester überhaupt keine Chance, eine Schule zu besuchen. Ihre Eltern sind sehr arm. Wie viel Geld bleibt für den Besuch einer staatlichen Schule, wenn ein Familienvater umgerechnet 100 Schweizerfranken pro Monat verdient und damit die ganze Familie unterhalten muss? In öffentlichen Schulen müssen ja Hefte und Bücher bezahlt werden.

Gewalt

Die Kinder kommen aus einem Milieu, das durch Gewalt geprägt ist. Viele Eltern versuchen, ihre Probleme im Alkohol zu ertränken. Zuhause sind auf wenigen Quadratmetern Eltern und Kinder, verheiratete Söhne und Töchter mit ihren Kindern zusammengepfercht. Dazu kommt noch das Drogenproblem. Oft sind die Väter im Gefängnis, die Mütter „machen die Strasse“. Man muss leben, wenigstens überleben – wie auch immer. Ängste verfolgen die Mädchen, oft bis in den Schulbetrieb hinein. Schwester Marie-José und ihre Mitarbeiterinnen unternehmen alles, um den ihnen Anvertrauten für die Zukunft eine Chance zu geben, weit über die schulischen Kenntnisse hinaus. Die Kinder müssen fähig werden, den Teufelskreis zu durchbrechen und ihren eigenen, menschenwürdigen Weg zu gehen.

Wenn die Hölle los ist

Die Lehrerinnen müssen mit äusserst wenigen Mitteln auskommen. Es gibt bald einmal grössere Summen, wenn für jedes der 50 Kinder ein Schulbuch 50 Rupien und ein Heft 5 Rupien kostet. Für ein einziges Pult ist ungefähr der Monatslohn eines angelernten Arbeiters aufzubringen, nämlich etwa 2000 Rupien. Einige Kinder blühen auf, andere welken dahin. Das erkennt man auf den ersten Blick. Sie alle hungern nach Liebe und Zuwendung und suchen diese oft ausserhalb ihrer eigenen Familie, wo die Hölle los ist.

Bernard Maillard
Übersetzung: Friedrich Frey

 

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