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Der Krieg in Sri Lanka zeigt Folgen

Vanitha starrt lange auf die Marienstatue. Eine Erwachsene nähert sich und fragt die Zwölfjährige, warum sie so still und bewegungslos dasitze. Vanitha beginnt zu weinen und sagt: «Seit mehr als zwei Jahren habe ich meine Eltern, Brüder und Schwestern nicht mehr gesehen.» Sie könne leider nicht nach Vanni reisen. Die Strasse von der Halbinsel Jaffna nach Vanni sei gesperrt. Tamil Tigers hielten die Stadt besetzt.

Suganthi sitzt am Boden und spielt mit ihrem ungekämmten Haar. Das Kind weint und schluchzt: «Warum ist mein Vater gestorben? » Suganthis Vater starb im Tsunami. Jetzt lebt sie in einem Kinderheim. Kriegsflugzeuge fliegen vorbei. Werden sie Vanni, die entfernte Stadt ihrer Mutter, bombardieren? Suganthi hat Angst.

Rani schaut traurig und deprimiert. Sie lächelt nicht, sie spricht nicht und spielt nicht. Ihre Eltern zeugten drei Kinder, die nun drei, sechs und acht Jahre alt sind. Die Eltern starben bei einem Bombenangriff. Seit zwei Jahren sorgen nun die Grosseltern für die verwaisten Kinder. Das Einkommen reicht nicht aus. Die Grosseltern sind mit der Erziehung überfordert und die Kinder vernachlässigt.

Bedrückende Erfahrungen

Kinder sind bei Naturkatastrophen oder bei menschlichen Konflikten gefährdet. Sie sind verwundbar. Das gilt auch für Kinder in den Provinzen von Sri Lanka, die vom Bürgerkrieg betroffen sind. Die Kinder leiden an bedrückenden und beunruhigenden Erfahrungen – sie sind traumatisiert.

Unterschiedliche Faktoren bewirken bei Kindern Traumen: Verlust von Eltern, Geschwistern oder andern Menschen; Verlust eines Körpergliedes; Verlust der Heimatstadt oder des Dorfes, zu dem sich das Kind zugehörig fühlt. Beobachtungen zeigen, dass viele Kinder mit traumatischen Schocks von Eltern stammen, die auch unter Traumen gelitten haben. Die Erfahrungen der Eltern prägen die Kinder.

Wenn die Eltern fehlen

Wenn Kinder lange Zeit von fremden Menschen betreut werden, verlieren sie ihr Selbstwertgefühl. Noch schlimmer wird die Situation, wenn die Kinder in Lagern leben. Dabei verlieren sie den Halt im Leben. Weitere Erschwernisse ergeben sich aus Zwangsumsiedlungen und der Verachtung in einem fremden Gebiet. Waisen werden oft diskriminiert und wegen ihrer finanziellen Situation an den Rand gedrückt.

Wenn in Sri Lanka ein Vater oder eine Mutter getötet oder entführt wird, verliert das Kind nicht nur materielle Lebensgrundlagen, sondern auch seine primären Bezugspersonen. Es wird abhängig und lebt in Angst und bekommt Depressionen. Die Situation verschlimmert sich zusätzlich, wenn das Kind selber Gewalt oder Brutalität erfahren hat.

Ein weiterer Faktor für Traumen ist die Hoffnungslosigkeit in einer sich verschlechternden Lebenssituation. Betroffene Kinder sehen nicht das geringste Anzeichen für eine schönere Zukunft. Sie leben in ständiger Spannung, die durch nächtliche Ausgehverbote verstärkt wird. Die Kinder dürfen am Abend nicht hinaus und können mit andern Kindern nicht auf einem Spielplatz spielen. Sie können nicht in einen Park oder zu anderen interessanten Orten gehen.

Hilfe für die Kriegswaisen in Sri Lanka

Es gibt Nichtregierungsorganisationen, kirchliche und schulische, die bestrebt sind, den Bedürfnissen traumatisierter Kinder Rechnung zu tragen. Solche Organisationen bieten Beratungen, Workshops, Seminare und Spielgelegenheiten an. Aber auf dem Hintergrund von Bombardierungen, intensivem Beschuss, Hinrichtungen und Verschleppungen sind ihnen die Hände gebunden. Engagierte Erwachsene fehlen, die den Kindern zuhören und mit ihnen arbeiten.

In der Schule zeigen traumatisierte Kinder wenig Interesse am Lernen. Sie lassen sich leicht stören und werden oft beim geringsten Anlass gewalttätig. Zu hohe Erwartungen von Lehrern und Erwachsenen an die Kinder, ihr Verhalten zu ändern, sowie wenig Anerkennung für ihre Anstrengungen machen die Kinder traurig und depressiv.

Beobachtungen bei der Arbeit mit traumatisierten Kindern

In der Arbeit mit traumatisierten Kindern in Schulen und Pfarreien wurden folgende Merkmale festgestellt:

– Früher Entzug der elterlichen Liebe
– Frühe Vernachlässigung wesentlicher Bedürfnisse
– Vernachlässigung oder direkte Verstossung durch die Gesellschaft
– Hürden und ernste Behinderungen im physischen und geistigen Wachstum
– Tiefes Selbstwertgefühl
– Unterernährung
– Tendenz zu Gewalt
– Kleine Körpergrösse
– Launische und depressive Verfassung
– Gefühl der Einsamkeit – Misstrauen
– Schlaflose Nächte und Albträume

N. N. (Name der Redaktion bekannt)

 

ite2008-3

Tamilen

ite 2008/3

Religiöse (Dis-)Harmonie
Traumatisierte Kinder
Tamilenseelsorger im «Alpenparadies»