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Der Kopftuchfrage auf der Spur

So verschieden die Kleidersituation in den verschiedenen islamischen Ländern ist – denken wir an die strengen Vorschriften in Saudiarabien oder an die seit Atatürk staatlich verordnete Verwestlichung in der Türkei – so unterschiedlich werden die religiösen Quellen ausgelegt. Auch der zur Kopftuchfrage am häufigsten zitierte Koranvers (Sure 24:31) lässt verschiedene Auslegungen zu. Wo die einen in ihm nur die Aufforderung zu dezenter Kleidung sehen, betrachten ihn andere als zwingenden Beleg für das Kopftuch.

Symbol der Identität

Erst der Kontakt mit dem Westen hat das Kopftuch zu einer „Frage“ werden lassen. Das Verhüllen des Kopfhaares war bereits in vorislamischer Zeit in südlichen Ländern weit verbreitet, übrigens auch bei Männern. Der vor der gleissenden Sonne schützende Aspekt ist dabei nicht zu übersehen.

Heute symbolisiert der Schleier im Orient zunehmend kulturelle Identität, unabhängig vom Grad der Religiosität oder der Zugehörigkeit zu einem ideologischen Lager. Frauen tragen ihn als Zeichen für eine islamische Gesellschaftsordnung und der Abgrenzung vom Westen.

Clash der Wertesysteme?

Warum erhitzen Kopftuchfrauen hierzulande die Gemüter? Stösst man sich am rigorosen Verdecken der Haare oder liegt die Ursache tiefer? Der Schleier ist das sichtbare Symbol für eine andere Kultur. Eine Kultur, die ein vom Westen völlig unterschiedliches Wertesystem kennt und andere Massstäbe anlegt.

Könnten also die ungleichen Wertvorstellungen der wahre Grund für die heissen Köpfe sein? Auch die sogenannte „Befreiung“ der islamischen Frau ist ein westliches Konzept, nach westlichen Gewichtungen errichtet, das für die Muslimin nicht heilsversprechend sein muss, sondern sie von ihren Wurzeln entfremden kann.

Es gibt gewichtige Unterschiede zwischen den zwei Wertesystemen: Während der Orient die Harmonie zwischen Individuum und Gesellschaft sucht, verkörpert im Okzident das autonome Subjekt das Persönlichkeitsideal. Musliminnen sehen daher ihre Anliegen und Probleme nicht wie westliche Frauen isoliert von denen der Männer, der Familie und der Gesellschaft. Zudem geht das islamische Menschenbild von der Ungleichheit der Geschlechter im Schöpfungsprinzip aus, so dass die westlich geforderte Gleichberechtigung oft als Angleichung der Geschlechter missverstanden wird.

Körperbewusstsein

Auch das Körperbewusstsein ist unterschiedlich. Im islamischen Verständnis stehen Reinigung, Fasten und Gebet im Zentrum, die dem Körper einen bestimmten Rhythmus diktieren. Dagegen orientiert sich der Westen an Fitness und Jugendlichkeit und drückt Autonomie und Freiheit durch Nacktheit aus.

Wenn wir nun das Kopftuch als Symbol der islamischen Werthaltungen betrachten, stellt sich schlussendlich die Frage, ob die Muslime und Musliminnen, die im Westen eine neue Heimat gefunden haben, sich um den Preis ihrer Wurzeln assimilieren müssen oder ob ihnen ihre kulturelle Herkunft und Identität zuerkannt wird.

Martha Vogel

 

 

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