courtesy
Besuchen Sie unseren Shop. Sie finden ein vielfältiges Kartensortiment und gesegenete Kerzen. Vielen Dank für Ihre Bestellung.

Vor sehr langer Zeit, als die Giraffe noch einen kurzen Hals hatte, traf sie sich häufig mit dem Nashorn. Beide grasten gern in den grünen, fruchtbaren Tälern.

Eines Tages beschwerte sich das Nashorn bei seiner Freundin: «Sag mal, liebe Giraffe, wie kommst du mit allem zurecht? Sollten wir uns nicht beim lieben Gott beklagen, weil wir uns beim Grasen so schwertun? Wenn er uns einen längeren Hals wachsen liesse, könnten wir die Blätter von den Bäumen pflücken, ohne uns anstrengen zu müssen – und wir müssten nicht länger das fressen, was andere Tiere übriglassen. Was meinst du?»

Die Giraffe nickte bedächtig: «Keine schlechte Idee. Aber vielleicht sollten wir uns erstmal selber behelfen, etwa wenn du mir erlaubst, auf deinen Rücken zu steigen; dann müsste ich doch die Baumkronen erreichen können.»

«Nein», schnaubte das Nashorn. «Das finde ich gar nicht originell! Jemanden auf meinem Rücken herumklettern lassen, nein, das passt mir nicht!»

«Na gut», sagte jetzt die Giraffe, «dann gehen wir halt mal zum lieben Gott und bitten ihn, unsere Hälse länger wachsen zu lassen.»

Der liebe Gott hörte sich die Klagen der beiden Tiere an und versprach Abhilfe. Nur müssten sie sich ein wenig gedulden, denn momentan sei er mit anderen Tieren beschäftigt. Wenn sie aber am nächsten Tag, genau mittags um zwölf Uhr, wiederkämen, würde er ihnen zur Verfügung stehen.

Giraffe und Nashorn trotteten heim und vereinbarten, zur festgesetzten Zeit sich vor der Haustür des lieben Gottes zu treffen. Das Nashorn schlief aber so tief und lange, dass es sogar die festgesetzte Stunde verschlief. Und als es zwölf Uhr geworden war, stand nur die Giraffe vor der Himmelstür.

«Wo ist denn dein Freund, das Nashorn?» fragte der liebe Gott.
«Ich weiss es nicht; wir trennten uns gestern, und seitdem habe ich es nicht mehr gesehen.»
«Na gut», sagte der liebe Gott, «dann warten wir noch etwas. Wenn es aber bis drei Uhr nicht eintrifft, werde ich nur dich behandeln.»

Als es drei Uhr wurde, war das Nashorn immer noch nicht eingetroffen. Da rief der liebe Gott die Giraffe zu sich und behandelte sie. Er liess sie in tiefen Schlaf sinken – und als sie wieder erwachte, waren ihre Beine und ihr Hals so lang geworden, dass sie jetzt mühelos die Blätter von den Bäumen fressen konnte. Sie bedankte sich beim lieben Gott und fing gleich an, sich satt zu fressen mit Blättern, die sonst kein Tier der Steppe erreichen konnte.

Inzwischen war das Nashorn aufgewacht und erinnerte sich an die Vereinbarung mit der Giraffe. Es lief, so schnell es konnte, zum Haus des lieben Gottes, keuchte vor Atemnot und sagte: «Tschuldigung, ich hab mich verschlafen. Wo ist die Giraffe?»

Der liebe Gott sagte: «Die Giraffe war rechtzeitig hier; ich dachte, du hättest es dir anders überlegt. Drum habe ich die ganze Medizin der Giraffe gegeben. Für dich ist leider nichts mehr übrig geblieben.»

Da wurde das Nashorn zornig und rannte quer über die Steppe; und wer auch immer sich ihm zeigte, den griff es an.Weil es aber ein sehr schwerfälliges Tier ist, kann jeder, der im Zickzack läuft, ihm leicht entkommen.

Seit dieser Zeit ist die Giraffe das einzige Tier, das durch seinen extralangen Hals und seine extralangen Beine die Blätter von den höchsten Bäumen der Steppe holen kann. Das Nashorn aber frisst weiterhin Gras – und ärgert sich jedes Mal, wenn es eine Giraffe sieht.

Tansania/Kenia

 

ite2008-2

Tierisches

ite 2008/2

«Dem Tier gebührt besondere Ehrfurcht»
Tierreichtum in Bedrängnis
Warum Giraffe und Nashorn den lieben Gott besuchten