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© Thorsten Jutzie/pixelio.de
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Wasser in den Religionen

Wasser ist Leben. Ohne Wasser kann kein Leben existieren. Der Mensch selbst besteht überwiegend aus Wasser. Wasser ist materiell gesehen notwendiges Lebensmittel. Wasser ist spirituell verstanden Ausdruck der Sehnsucht nach Leben und Lebendigkeit, nach Heilung und Heil. Als belebendes Element und Ur-Quelle allen Lebens wird es als Ort des Göttlichen verehrt. Es ist daher nur folgerichtig, dass gerade das Wasser in den Religionen eine grosse Rolle spielt.

Die monotheistischen Religionen von Judentum, Christentum und Islam entstammen dem Vorderen Orient mit vielen trockenen Wüstengebieten. Wasser wird zum Zeichen von Leben, Fruchtbarkeit, Heilung und Segen. Alle Paradiesvorstellungen haben daher mit Gärten zu tun, in denen es ausreichend Wasser gibt. Im Islam beispielsweise finden sich im Paradiesgarten neben Flüssen erfrischende Springbrunnen. Wasser steht stets auch für die (innere) Reinigung und die Vergebung von Schuld.

Wasser im Christentum
In den katholischen Kirchen befindet sich im Eingangsbereich das Weihwasserbecken. Es lädt ein, mich mit dem geweihten Wasser zu bekreuzigen und mich an meine Taufe zu erinnern. Bei der Taufe wurde ich mit Wasser übergossen. Es ist Zeichen des neuen Lebens in der Liebe des dreifaltigen Gottes. Heute ist dieses Zeichen meist verkürzt, indem nur der Kopf des Täuflings mit einer Handvoll Wasser übergossen wird. In einigen Freikirchen ist es dagegen üblich, die Taufe nach urchristlichem Ritus durch das Untertauchen der ganzen Person zu vollziehen. Symbolisch stirbt der Mensch in seiner alten Existenz und der neue Mensch wird hineingenommen in die Gemeinde der durch Christus Erlösten. Er erhält Anteil an Jesus Christus, der von sich sagt, dass er die Quelle lebendigen Wassers und somit des Lebens sei. Als Zeichen des Dienens wäscht er beim letzten Abendmahl seinen Jüngern die Füsse (Johannes 13,5). Nach seinem Tod floss Blut und Wasser aus seiner Seite, was die Kirche als Ursprung der Sakramente gedeutet hat. Die heilende Kraft des Wassers wird insbesondere an Wallfahrtsorten wie Lourdes deutlich, wo die Pilger entweder ganz in die heilige Quelle hineinsteigen oder von dem Wasser trinken. Bevor der Priester die Eucharistie feiert, bekommt er seine Hände mit Wasser übergossen und betet dabei in Anlehnung an Psalm 51,4: „Herr, wasche ab meine Schuld und von meiner Sünde mache mich rein.“ Dies erinnert an die Verheißung des Propheten Ezechiel (36,25): „Ich giesse reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein.“

Wasser im Judentum
Für die christlichen Gläubigen haben sich keine rituellen Waschungen entwickelt, wie wir sie im Judentum und im Islam finden. In jüdischen Gemeinden dient die sogenannte „Mikwe“ (= lebendiges Wasser), eine kleine gemauerte Steinwanne, den rituellen Waschungen. Die Mikwe –  oder auch Mikwa genannt – muss sich aus natürlichem, fließendem Wasser (Quell- oder Flusswasser) oder aus Regenwasser speisen. Es geht um Reinheit im kultischen Sinn. Die körperliche Reinigung hat vorher zu erfolgen. Von Frauen wird sie nach der Menstruation und nach der Geburt, von Männern z.B. vor dem Schabbat oder vor Feiertagen wie Jom Kippur genutzt, indem man unbekleidet drei Mal vollständig untertaucht. Laut der Tora macht u.a. Ausfluss, Samenerguss und Blutfluss unrein (vgl. Levitikus 15). Wer einen Toten berührt, muss sich mit Reinigungswasser entsündigen. Eine symbolische Reinigung in der Mikwe erfolgt auch beim Übertritt zum Judentum.

Wasser im Islam
Im Islam wird Wasser als Geschenk Allahs, den die Mystiker als grenzenlosen Ozean beschreiben, angesehen. Vor den täglichen fünfmaligen Gebeten ist es geboten, sich Gesicht, Füsse, Arme und Hände nach genauen Vorgaben mit fliessendem Wasser rituell zu reinigen. Vor jeder Moschee findet sich ein nach Geschlechtern getrennter Reinigungsort. Eine besondere Bedeutung kommt dem Zamzam-Brunnen im Zentrum von Mekka zu. Er symbolisiert die Barmherzigkeit Gottes, da Allah hier Hagar (die Frau Abrahams) und ihren Sohn Ismael vor dem Verdursten rettete. Im Gedenken trinkt jeder Mekkapilger von dem Zamzam-Wasser. In trockenen Gebieten ist das Gebet um Regen („Istiqua“) von grosser Bedeutung. Nach islamischem Verständnis steht Wasser den Gerechten und Rechtgläubigen reichlich zur Verfügung, während Allah den Ungerechten das Wasser entzieht und ihre Gärten vertrocknen lässt.

Wasser im Hinduismus
Die grösste Bedeutung hat Wasser in Hinduismus. Für die Hindus ist der Ganges der heilige Fluss schlechthin. Schon sein Anblick befreit von Sünden, so dass viele das Wasser dieses Flusses in kleinen Gefässen aufbewahren. Durch das rituelle Waschen mit heiligem Wasser oder das Bad an heiligen Stätten werden Sünden abgespült und wird die Seele gereinigt. Da im Hinduismus Wasser als einziges Element als „unsterblich“ angesehen wird, wird die Asche der Toten in den Ganges gestreut. Das Wasser führt die Seele auf ihrer Reise zur Erlösung an den Ort ewigen Lebens. Viele Wasserfeste zeugen von der Verehrung der Götter. Die Hindus schreiben dem Wasser heilende Kraft zu. Es befreit von Krankheiten und kann Jugend und Schönheit zurückbringen. Auch steht es für Wohlstand, da sich tief in der Erde ein Ort befindet, an dem die Wassergeister in einer Welt des Überflusses leben.

Wasser im Buddhismus
Im Gegensatz zum Hinduismus gilt Wasser im Buddhismus als vergänglich. Es ist Sinnbild für den Strom des Lebens. Die Seele fliesst wie in einem Fluss der Erlösung im Nirwana entgegen. Um erlöst zu werden, muss der Mensch ein rechtes Verhältnis zur Natur und ihren Elementen pflegen. Wasser wird häufig bei buddhistischen Festen verwendet. Beim Neujahrsfest Sonkran (etwa vom 13. bis 15. April) wird es in grossen Mengen auf die Umstehenden geschüttet als Zeichen für Glück, verbunden mit guten Wünschen für das neue Jahr. Es wird daher auch Wasserfest genannt. Die Buddha-Statuen werden mit parfümiertem Wasser bespritzt. Dies geschieht ebenso beim Vesakh-Fest, das der Geburt, der Erleuchtung und des Todes Buddhas gewidmet ist. Es wird in der ersten Vollmondnacht im Monat Vesakh (entspricht in etwa unserem Monat Mai) gefeiert.

Wasser verweist somit in allen Religionen auf den tieferen Quellgrund des Lebens. „Gott, mein Gott bist du, dich suche ich, es dürstet nach dir meine Seele. Nach dir schmachtet mein Fleisch wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser“ (Psalm 63,2).

Stefan Federbusch ofm

Erstveröffentlichung in Franziskaner Mission (Dortmund)


Der Autor Stefan Federbusch ist Leiter des Exerzitienhauses – Franziskanisches Zentrum für Stille und Begegnung in Hofheim.