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Begegnung mit tansanischen Jugendlichen

Acht Uhr morgens: Ein Feldweg in einem Dorf, das noch grau in grau getönt ist. Eine Gestalt nähert sich im Morgennebel. Worte in gebrochenem Englisch werden gewechselt. Jakson, 20 Jahre alt, hätte Lust, sich noch länger zu unterhalten. So wird ein Treffen vereinbart: «Um 14 Uhr beim Eingang des Seminars, wo wir wohnen.»

14.15 Uhr: Es ist noch niemand da. Ein Mädchen, Jackline, spricht auf Suaheli mit dem Massai-Wächter. Dank ihr gelingt es mit ihrem Handy, Jakson und seinen Freund Paul zu finden. Die drei schlagen uns vor, einen Spaziergang durch ihr «Dorf» zu machen.

Da ist weit und breit kein Haus zu sehen. Alles wird vom Grün beherrscht. Auf dem Weg treffen wir auf einige Menschengruppen. Kinder und Erwachsene tragen Geäst auf dem Kopf, welches zum Kochen von Mahlzeiten dient. Etwas weiter schneidet eine Frau mit der Sichel Gras und ruft uns etwas zu. Jackline fragt erstaunt: «Warum fotografierst du sie? Sie ist eine Verrückte!»

Jackline

Jackline ist 20 Jahre alt, wie ihre beiden Freunde. Sie studiert Geografie in Arusha, einer Stadt 200 km von hier. Spontan fragt sie uns: «Gibt es in der Schweiz ebenso viele Aids-Kranke wie hier?» Wir geben eine kurze Antwort und stellen ihr dann Fragen.

Aids beschäftigt dich!

Jackline: «Ja, das ist ein grosses Problem in ganz Tansania. Ich habe mehrere gleichaltrige Freunde verloren, die an Aids gestorben sind in Moshi, Arusha, Dar es Salaam und auch hier in Maua. Warum ist Aids so stark verbreitet in Tansania?»

Wenn du Ministerpräsidentin von Tansania wärest, was würdest du auf der Stelle ändern?

Ich würde jede Diskrimination zwischen Mann und Frau ausrotten. Allen würde ich die Möglichkeit zum Studieren geben. Ich würde Gesetze zum Schutz der Umwelt erlassen und die Korruption beseitigen. Dann würde ich mich bemühen, Malaria und Aids zu vermindern.

Welches ist dein Lebenswunsch?

Lehrerin werden.

Würdest du hier unterrichten?

Selbstverständlich. Wissen Sie, Tansania ist ein schönes Land, das in Frieden lebt. Es gibt hier keine Konflikte wie in Somalia, Ruanda oder Burundi. Wir haben so viele wundervolle Gegenden und herrliche Ortschaften.

Stehen die Chancen gut, hier in Maua Arbeit zu finden?

Nein, hier ist es unmöglich. Folglich muss man wegziehen. Nach Moshi oder in eine andere Gegend, von einem Ort zu einem anderen gehen, um eine Aufgabe und um Verbindungen zu den Leuten zu finden.

Welchen Herausforderungen begegnet ein Jugendlicher hier?

Da gibt es viele! Die meisten von uns leben in einer armen Familie. Und in armen Familien fehlen die Mittel, um das Lebensnotwendigste zu sichern: genug Nahrungsmittel

und viel anderes. So sind gewisse Jugendlichegezwungen, sich auf die Prostitution einzulassen, auf Diebstahl und ähnliche Sachen. Das sind für mich Dämonen.

Musst du gegen Dämonen kämpfen?

In meiner kleinen christlichen Gemeinschaft (PPC) habe ich gelernt, die Dämonen zu vertreiben. Aber ich habe auch gelernt, wie man in einer Gemeinschaft und in einer Familie lebt, die Eltern respektiert. Und ich habe beten gelernt.

Machst du schon lange in der PPC mit?

Jackline: Ja, seit meiner Geburt bis heute. Das ist für mich und für meine Familie sehr wichtig.

Jakson

Jakson: Wenn ich mein Leben betrachte, kann ich sagen, dass die PPC mein Leben gerettet hat. Sie kann einfachen Menschen helfen, die persönliche Probleme haben und in ärmlichen Verhältnissen leben. Hier lernt man ein gutes Verhalten im Leben. Auch kann man sehen, wie die Leute – und es sind viele – nach dem Evangelium leben und wie man ein solches Leben erreichen kann. Die PPC hilft auch, mit anderen über Gott zu sprechen, zu verstehen, was der Wille Gottes ist. Ohne Gott kann ich nichts tun.

Paul

Und du, Paul, gehörst du auch zu einer PPC-Gruppe?

Paul: Ja, und ich messe dem eine grosse Bedeutung zu. Die PPC zeigt mir, wie ich andere respektieren und lieben kann, weil doch alle Menschen gleich sind.

Was möchtest du in deinem Leben tun?

Ich möchte Schauspieler werden, im Film.Und dafür besuchst du Kurse?

Ja, ich möchte wegziehen und die Schauspielerei studieren. Aber in meiner Familie sind wir arm. So müsste ich zuerst eine Arbeit finden, um mein Studium bezahlen zu können.

«Er hat getrunken»

Wir sind zum äussersten Ende des Dorfes hinaufgegangen und sind beim Fluss angekommen. Jakson bittet mich, ihn mit seinem Freund Paul zu fotografieren. Es entsteht eine kurze Stille. Jackson lächelt, Paul nicht. Sein Blick erinnert mich an seine Worte: «… weil alle Menschen gleich sind.»

Eingebettet in diese überwältigende Landschaft, irgendwo in diesem wundervollen Tansania kann ich mit drei 20-jährigen Jugendlichen über ihre mageren Zukunftsaussichten sprechen und ich frage mich: «Von welcher Gleichheit sprichst du, Paul?»

Das Tageslicht nimmt ab. Jackline will zu ihrer Familie zurück. «Eine Frau ist hier nicht in Sicherheit, wenn die Nacht hereinbricht», sagt sie. Auf dem Rückweg kommt uns eine Gruppe Männer entgegen. Ein leicht Beschwipster benimmt sich uns Fremden gegenüber

auffallend. Er packt den Arm von Siegfried und stösst einige heftige Worte auf Suaheli aus. Beruhigt durch seine Begleiter lässt er den Arm los und entfernt sich. Wir fragen nach dem Grund seines Verhaltens. Lakonisch sagt ein Jugendlicher: «Er hat getrunken.»

Jacques Michel

Übersetzung: Gebhard Kurmann


 Aids

Tansania ist eines der am meisten von der Pandemie betroffenen Länder der Welt, erschwert durch die Tatsache, dass die Krankheit tabu ist und zumAusschluss aus der  Gemeinschaft führt.


 Kleine Gemeinschaften

Die kleinen christlichen Gemeinschaften (PPC) sind zahlreich. Es gibt mehr als 20000 in ganz Tansania. 1974 haben die tansanischen Bischöfe sie als Struktur der Lokalkirche gewünscht. Sie bilden wie kleine Zellen die Basis einer Pfarrei.

Es sind kleine Gruppen von 10 bis 20 Familien, die sich wöchentlich treffen. Vor allem sind es Orte, wo das Wort Gottes gehört und miteinander gebetet wird. Sie ermöglichen aber auch einengeschwisterlichen Austausch und  stärken den Gemeinschaftssinn. In Tansania existiert die Kirche in erster Linie in dieser Form.


 Weisse haben Geld

Die Sonne geht unter. Unser Fahrzeug hinterlässt Spuren im Sand dieses kleinen Landweges in der Gegend von Rothia. Die Felder sind fruchtbar. Eine Herde Kühe streift durch das strüppige Weideland. Schnell noch ein Foto, dann fahren wir weiter. Ein junger Hirte betrachtet unser Tun von weitem, rennt auf uns zu und schreit: «Money/Geld?» Hinter diesem Allerweltswort verbirgt sich sicher seine Botschaft: «Wenn du, reicher Abendländer, meine Kühe fotografierst, nimmst du mir etwas

weg!»


 Reichtum ohne Glauben

Die junge Ordensfrau Alice ergreift das Wort: «Ich möchte gerne verstehen, warum der Glaube in Europa schwindet und weshalb sich die Europäer nicht für das religiöse Leben interessieren?»

Wir haben einige Vermutungen genannt, namentlich die Überfülle der Güter aller Art – wenn man alles hat, was könnte man dann noch von Gott erbitten? Schwester Alice  entgegnet: «Zur Zeit, als der Glaube in Europa stark war, gab es da keinen Reichtum?»