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Gespräch mit dem Napf-Biobauern Jules Rampini

Ich wandle den Begriff «Fairer Handel» etwas ab und frage Sie: Werden Sie als Kleinbauer und Biobauer fair behandelt?

Jules Rampini: Ich kann mich nicht beklagen. In Europa wächst die Wertschätzung für die gesunden Produkte des fairen Handels. Als Biobauern haben wir darum eine recht hohe Anerkennung. Wir sind einigermassen privilegiert.

Anders ist es etwa in Afrika oder Südamerika. Dort wird die Landwirtschaft vom globalen Freihandel dominiert, von einem internationalen Finanzsystem, das nur das Geld im Blick hat. Es schätzt Werte wie Natur und Gesundheit absolut gering ein. Zwar ist es wichtig, dass wir bei uns fair produzieren. Doch wir müssen auch versuchen, auf globaler Ebene für die Landwirtschaft einen Wandel in Gang zu bringen. Dies ist ja das Ziel der diesjährigen Kampagne von Fastenopfer und Brot für alle.

Welches sind für Sie die Eckpfeiler einer neuen, fairen und globalen Landwirtschaftspolitik?

Die Landwirtschaft soll aus den weltweiten Wirtschaftsabkommen herausgenommen werden. Diese Forderung der internationalen Bauerngewerkschaft Via Campesina unterstütze ich voll und ganz. Als Zweites müssen wir wegkommen vom reinen Produktivitätsdenken. Auch Gesundheit, Klimagerechtigkeit und die Transportkosten müssen in Betracht gezogen werden. Dann ist es nicht mehr billiger, Gemüse aus Spanien zu uns zu transportieren als eigenes Gemüse zu konsumieren.

Sodann sollen wir die Ernährungs-Souveränität anerkennen: Jedes Land und jede Region, jedes Volk entscheidet, wie es sich ernähren will. Voraussetzung dafür ist das Recht, Schutzmassnahmen zu ergreifen. Wir sollten die südlichen Länder dabei unterstützen. Denn wir müssen etwas wieder gut machen, da wir lange Zeit unsere landwirtschaftlichen Exporte in den Süden subventioniert haben.

Wie könnte hier unsere Hilfe konkret aussehen?

Fördern wir die Produkte des fairen Handels aus dem Süden, indem wir etwa Kaffee und Reis der «fairen Linie» konsumieren. Für solche Produkte sollten wir die Zölle senken.

Die industrielle Landwirtschaft darf nicht mehr gefördert werden, da sie nach den neuesten Aussagen der  Welternährungs-Organisation FAO trotz Überproduktion nicht fähig ist, die Weltbevölkerung zu ernähren. Unterstützen wir dafür die Kleinlandwirtschaft, die ja die ursprüngliche Form war und weitgehend von Frauen geprägt wird.

Die Kleinbauern und -bäuerinnen brauchen nicht grosse Traktoren, sondern einfache, angepasste Technologie. Wenn wir die Waffenausfuhrverbots- Initiative angenommen hätten, könnten die Arbeiter, die bislang Kriegsgeräte produzieren, solche Dinge herstellen.

Sie haben über acht Jahre in Peru gearbeitet. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht im Zusammenhang mit (un)fairem Handel?

Besonders schockiert hat mich das Beispiel der Orangen. Wenn es Kleinbauern gelang, ihre Orangen unter grössten Schwierigkeiten in die Stadt zu transportieren, bekamen sie dort im Strassenverkauf für 100 Stück bloss zwei Franken. Hinter dem Strassenmarkt wurde in Tetrapacks Orangensaft aus Israel und Chile verkauft.

Offenbar fördert die Politik Perus nicht die Interessen der kleinen Leute.

Gefördert werden möglichst grosse Monokulturen für den Export. Dafür werden die Menschen vernachlässigt, die auf dem Land bleiben und ihren Lebensunterhalt als Kleinbauern verdienen wollen. Dies hat mich schockiert und motiviert, in die kleinbäuerliche Landwirtschaft zurückzugehen.

Einen weitern Schock erlebt ich im vergangenen Oktober, als wir acht Jahre nach unserer Rückkehr Peru wieder einmal besuchen konnten. Ein Freund zeigte uns Landkarten des Ministeriums für Energie und Bergbau. Das ganze Land ist in Quadrate von 50 zu 50 Kilometern eingeteilt. Und überall sind Vorkommen von Gold, Silber, Kohle usw. eingezeichnet sowie geplante Massnahmen für ihren Abbau. Das ganze Land soll kontrolliert werden von ausländischen Bergbaufirmen, die ihren Profit machen, während die peruanische Bevölkerung weitgehend leer ausgeht und sich nicht mehr  selber ernähren darf.

In einem Ihrer vielen Vorträge sprechen Sie von Hoffnungszeichen, die es auch auf internationaler Ebene gäbe. Können Sie uns ein Beispiel erzählen?

Nachdem Kamerun zu Dumpingpreisen mit Hühnerfleisch aus dem Ausland überschwemmt wurde, gab es dort einen Volksaufstand, an dem sich über 60 Prozent der Bevölkerung beteiligten. Die Landwirtschaftspolitiker haben  bei der Welthandelsorganisation WTO interveniert und erreicht, dass das Land Schutzmassnahmen für einheimisches Fleisch ergreifen darf.

Auf internationaler Ebene gibt es konkrete Überlegungen zu einem «slow trade farming», unterstützt u.a. vom deutschen  Hilfswerk Misereor.

Nochmals zurück zur Frage: Was können wir tun, um den Kleinbauern bei uns und im Süden zu unterstützen?

Wir müssen uns wieder der Subsistenzwirtschaft zuwenden, also der Selbstversorgung, wie ich sie hier auf meinem Hof weitgehend praktiziere. Dann wächst auch der Bezug zu dem, was wächst und was wir essen. Und die Kinder erfahren, wie Tomaten und andere Früchte ursprünglich geschmeckt haben. In der Zentralschweiz gibt es neu die Organisation«Regio Fair», welche Hofläden und kleine Dorfläden mit Bioprodukten aus der Region versorgen. Ich habe hier den Traum, die Vision von «partizipativen Bauernhöfen»: Eine Familie kauft möglichst viele Waren vom gleichen Hof und hilft hier auch bei der Ernte mit. Statt im Winter Lebensmittel zu kaufen, die in dieser Saison bei uns nicht wachsen, sterilisiert sie wieder wie früher einheimische Produkte. Die Losung heisst: Biolandwirtschaft, die nicht vom internationalen Finanzsystem abhängt.

Interview: Walter Ludin

 

8 Franken Stundenlohn

Bei den konservierten Zwetschgen und Birnen habe ich ausgerechnet, dass ich für jedes Kilo konservierter Ware etwa eine halbe Stunde Arbeit habe. Im Vergleich zu dieser halben Stunde Arbeit würde mich das Kilogramm im Supermarkt etwa 4 Franken kosten. Ist also meine Arbeitsstunde für das Konservieren der Früchte und des Gemüses nur etwa 8 Franken pro Stunde wert?

Jules Rampini
In: Zeitschrift Neue Wege

 

Verrückt, aber sinnvoll

WLu. In unserem Gespräch erzählte Jules Rampini von einem Beispiel, das an sich verrückt ist und dennoch innvoll sein kann. Er hatte vor zwei Jahren Besuch von Biobauern aus Costa Rica. Sie erzählten ihm, sie würden Biobeeren für Schweizer Joghurt anbauen. An sich wenig sinnvoll, sie um die halbe Welt zu transportieren. Doch Rampini sagte sich: «Würde ich solche Beeren anbauen, müsste ich einen Preis verlangen, der nicht mehr konkurrenzfähig ist. Oder ich müsste mich und meine landwirtschaftlichen Mitarbeiter ausbeuten.» Und ausserdem verdienten die Biobauern Costa Ricas mit dem Export von Beeren ihren Lebensunterhalt.

 

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Fastenopfer: Fairer Handel

ite 2010/1

Oma Nellie wird schuldenfrei
Preis ist nicht die erste Frage
Werden die Bauern fair behandelt?