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In einer anderen Kultur
In einer anderen Kultur

Alfredo Markovic fühlt sich in der Schweiz zu Hause.

Seit den 1960er-Jahren leben Angehörige der albanischen Minderheit aus dem Westbalkan in der Schweiz. Die ersten Zuwanderer kamen als Saisonarbeiter. Heute sind es rund 55000 albanische Migranten und Migrantinnen in drei Generationen, die in der Schweiz eine zweite Heimat gefunden haben. Die Mehrheit davon sind muslimischen Glaubens, während etwa 20’000 der albanisch-katholischen Kirche angehören.

Vater kam als Saisonnier in die Schweiz

Auch der 18-jährige Alfredo Markovic aus Ebikon, der heute die 5. Klasse der Kantonsschule Alpenquai in Luzern besucht, stammt aus einer Familie mit albanischem Hintergrund. Sein Vater kam vor 25 Jahrenals Saisonnier in die Schweiz und arbeitet auch heute noch als Kellner im Gastgewerbe, während seine Mutter als Putzfrau in einem Spital tätig ist.

Die drei älteren Geschwister – Ardian (28), Leonora (27) und Kristina (22) – lebten in ihrer frühen Kindheit alleine bei ihrer Mutter im Kosovo und bekamen damals ihren Vater nur sporadisch zu sehen. Das war für die drei Kinder nicht immer ganz einfach. Doch einige Jahre später – nach der Abschaffung des Saisonnierstatuts – folgte der Familiennachzug. Ardian, der älteste Bruder, kam in der Schweiz in die erste Klasse und musste dort vorerst die deutscheSprache lernen, um in der Schule den Anschluss zu finden.

Anders war die Situation für Alfredo, der als Jüngster der vier Kinder in der Schweiz zur Welt gekommen ist: «Im Gegensatz zumeinen drei älteren Geschwistern habe ich nie im Kosovo gelebt und kenne das Herkunftsland meiner Eltern nur von den Sommerferien her, die wir jedes Jahr in Kosovo- lbanien verbringen.» Sein Vater habe dort ein Haus gebaut, wo die ganze Familie während der Ferienzeit wohne.

Familiärer Zusammenhalt ist wichtig

Das regelmässige Zusammentreffen mit seinen Verwandten – Onkeln und Tanten, Cousins und Cousinen usw. – sei emotional sehrprägend für ihn, betont Alfredo: «Wir haben in unserer Verwandtschaft einen sehr engen und intensiven Zusammenhalt. Das ist in der albanischen Kultur sehr wichtig und unterscheidet sich wohl von der Art des Zusammenlebens in der Schweiz.» Seine Familie sei in der Schweiz indessen gut integriert  und habe keine Probleme im Umgang mit den Schweizerinnen und Schweizern: «Mein bester Freund ist ebenfalls Schweizer und ich pflege in meiner Freizeit vielfältige

Kontakte mit Kollegen, die ich vom Fussballclub her kenne.»

Er fühle sich in der Schweiz zu Hause und trotzdem sei es ihm sehr wichtig, die Verbindung zum Herkunftsland seiner Eltern und damit auch die albanische Sprache und Kultur zu pflegen. «Diese Tradition ist für mich ein Stück Heimat und Teil meiner Identität.» Aus seiner Sicht wäre es deshalb falsch, die eigene Kultur aufzugeben. Man dürfe Integration nicht mit Assimilation verwechseln, ist Alfredo überzeugt. Er werde deshalb weiterhin «ein Leben zwischen zwei Kulturen» führen: So werde er in der Schweiz aufgrund seines Nachnamensimmer noch als Kosovo-Albaner  wahrgenommen, während er im Heimatland seiner Eltern interessanterweise als «Schweizer» bezeichnet wird.

Katholische Albanermission in der Schweiz

Eine besondere Bedeutung kommt  für albanische Migrantinnen und Migranten in der Schweiz der katholischen Albanermission zu, die insbesondere in den Kantonen Aargau, Luzern und Thurgau starkverankert ist. Der katholische Priester  Agim Qerkini feiert jeden Sonntag in Luzern, Emmenbrücke oder Sursee einen Gottesdienst in albanischer Sprache, an dem zahlreiche Kosovo-Albaner teilnehmen.

Auch die Familie Markovic besucht jeden Sonntag gemeinsam den Gottesdienst in der Kirche St. Michael in Luzern. «Die wöchentliche Teilnahme an diesem Gottesdienst ist für mich ganz selbstverständlich und immer wieder ein schönes Ereignis», betont Alfredo: «So habe ich beschlossen, mich demnächst im Rahmen der katholischen Albanermission firmen zu lassen.»

Neben den Gottesdiensten gebe es auch kulturelle Aktivitäten, einen Tanzverein mit albanischer Folklore und einen Chor, bei demauch seine Eltern beteiligt  seien. Bei grossen Festen wie Weihnachten oder Ostern seien an den Gottesdiensten der Albanermission teilweise über 1000 Personen anwesend, sodass der Platz in der Kirche oft zu knapp werde und deshalb ein grosser Saal in Emmenbrücke gemietet werden müsse.

Toleranz gegenüber Muslimen

Die starke Verankerung in der albanisch- katholischen Tradition bedeutet aber nicht, dass es zwangsläufig Ressentiments gegenüber den Muslimen geben müsste, die in Kosovo-Albanien bekanntlich die Mehrheit bilden. Seine eigene Familie habe eine tolerante Einstellung gegenüber Muslimen, betont Alfredo Markovic: «Meine Eltern hätten überhaupt kein Problem damit, wenn ich einen muslimischen Kollegen nach Hause mitnehmen würde. Ich persönlich habe nichts gegen muslimische Albaner und respektiere ihre Religion. » Natürlich seien in Kosovo- Albanien Mischehen zwischen Muslimen und Christen eher selten, da sonst Probleme bei der religiösen Erziehung der Kinder auftreten  würden: Sollen nun die Kinder getauft werden oder nicht? Man habe aber auch in der Heimatregion gelernt, einander gegenseitig zu respektieren: «Im Herkunftsort meiner Eltern gibt es im gleichen Dorf eine katholische Kirche und eine Moschee; und in der nächstgelegenen Stadt finden wir auch noch eine orthodoxe Kirche. Mit dieser religiösen Vielfalt haben die Menschen dort kein Problem.» So wünsche er sich denn auch in der Schweiz, dass Christen und Muslime in Zukunft etwas toleranter miteinander umgehen, meint Alfredo Markovic. Für ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft sei es aus seiner Sicht letztlich unverzichtbar, dass man Vorurteile gegenüber Minderheiten  eglicher Art abzubauen versuche und lerne, Toleranz gegenüber den verschiedenen Religionen und Kulturen zu üben.

Benno Bühlmann