In den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts haben grosse Umbrüche das Verhalten gegenüber dem Tod geändert und es sogar auf den Kopf gestellt. Viele Beobachter jener Jahre haben sich diese Veränderungen dadurch erklärt, dass die westlichen Gesellschaften den Tod verdrängt oder tabuisiert haben. Das sei das Resultat des – wie man annimmt – Verschwindens von Ritualen und der kollektiven Auseinandersetzung mit dem Tod; ganz im Gegensatz zu anderen, vor allem afrikanischer Gesellschaften, in denen der Tod einen Platz hat, der zum Leben gehört.

Die Verdrängung des Todes hängt zusammen mit den Veränderungen in Demographie, Wirtschaft, Technologie, Medizin und soziologischen Bedingungen. Es sind Veränderungen, die die Zeitlichkeit des Sterbens und dessen Umstände betreffen.

Um das aktuelle Verhältnis zum Tod zu verstehen, muss man sich derzeit weniger mit Verdrängungen und Tabus beschäftigen. Es zeigt sich vielmehr eine Einstellung, die seit der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts immer mehr sich selber definiert: das Ende des Lebens. Die Einzelnen werden sich stärker ihrer besonderen Zeitlichkeit bewusst. Diese Einstellung ist durch mehrere Faktoren bestimmt: Der Fortschritt der Medizin ermöglicht einen besseren Zugriff auf Krankheiten; die Autorität des Arztes verliert mehr an Einfluss auf den Patienten, der selbstbestimmter geworden ist.

Spannungen über Zeitpunkt des Sterbens

In dieser Perspektive werden das Finden und die Vorwegnahme von Entscheidungen immer wichtiger. Die Anweisungen des Arztes und die Therapien, die sich daraus ergeben, werden in einer neuen Zeitlichkeit ausgehandelt. Diese orientieren sich nicht allein an der Agonie und am unmittelbar bevorstehenden Tod. Dabei entsteht bei Patienten und Angehörigen, die ihnen beistehen, nicht selten der Eindruck, der Patient sterbe zu früh oder zu spät.

Dieses Phänomen erklärt sich durch die Spannung, die durch die gleichzeitige Gewissheit und Ungewissheit über den Zeitpunkt des Eintritts des Todes entsteht. Diese Spannung ist charakteristisch für den Zeitpunkt des Sterbens, der sich hinauszögern oder auch manchmal unerwartet beschleunigen kann. Diese Zeitlichkeit wird mit mehr oder weniger Intensität erlebt.

Verschiedene Faktoren haben dazu beigetragen, diese neue Zeitlichkeit entstehen zu lassen. Einer hat mit den neuen Grenzen des Todes zu tun. Seit den Sechzigerjahren hat man eine neue Definition von Tod vorgeschlagen und sie in den meisten Ländern auch gesetzlich verankert. Es handelt sich um den Gehirntod, der auf dem totalen und unwiderruflichen Verlust der Hirntätigkeit beruht.

Diese neue Definition des Todes ist eng verknüpft mit den Techniken der Wiederbelebung und der Transplantation. Der Tod, sein Verständnis und seine Realität führen zu einem Zwischenraum der Unsicherheit; ein Zustand, der dauern kann. Weil der Zeitpunkt des Todes hinausgeschoben wird, entstehen unbewusste Hoffnungen oder die Angst vor therapeutischen Übergriffen; denn aus einem rein technischen Gesichtspunkt wird der Tod wenigstens zum Teil kontrollier- und beherrschbar.

Zwei gegensätzliche Positionen

Zur gleichen Zeit haben sich die medizinischen Diagnostiker und ihre Behandlungsmethoden wesentlich verbessert. Sie machen es schwierig, mit Genauigkeit festzuhalten, wann das Ende des Lebens eintritt. Es gibt seit den Sechzigerjahren Bewegungen und einzelne Bürger, die für den Schutz der Patienten eintreten: Soll man oder soll man nicht reanimieren? Wann muss man die Maschinen abstellen?

Angesichts dieser komplexen Fragen haben sich aufs Ganze gesehen zwei gegensätzliche Positionen herauskristallisiert, wobei beide von derselben Grundüberzeugung ausgehen: Es geht darum, die Würde der Patienten zu wahren. Auf der einen Seite stehen die, die angesichts des Todes an der freien Wahl des Individuums festhalten und bereit sind, bei einem freiwilligen Suizid Beihilfe zu leisten; auf der anderen Seite stehen die, die den Schmerz mit palliativen Mitteln lindern, ohne den Zeitpunkt des Todes zu beschleunigen.

Ein zweiter Faktor, der unser Verhältnis zum Sterben verändert hat, ist die Demographie. Unsere zeitgenössischen Gesellschaften haben einen massiven Rückgang der Kindersterblichkeit erlebt. Auf der anderen Seite stehen wir vor einer beträchtlichen Überalterung der Bevölkerung. Man rechnet in Zukunft mit einer weiteren Zunahme der Menschen, die sehr alt werden.

Zurzeit zählen wir in der Schweiz 60’000 Todesfälle im Jahr; für das Jahr 2050 werden gegen 90’000 erwartet. Das Ende des Lebens wird dadurch auch zu einem Thema des öffentlichen Gesundheitswesens. Mit der Verlängerung der Lebenserwartung stösst eine grössere Zahl von Generationen aufeinander; die ersten Todesfälle von Menschen, die einem nahe stehen, erleben wir bereits heute manchmal erst im Erwachsenenalter. Die Zahl der Todesfälle, die im Schoss einer Familie geschehen, nimmt zu und gleichzeitig erfahren die Strukturen der Familie wichtige Veränderungen, etwa durch die erhöhte Zahl von Ehescheidungen und von Patchworkfamilien.

Ein dritter Faktor betrifft die Orte, wo wir sterben, und die Professionalisierung des Umgangs mit dem Sterben, mit dem Leichnam und nicht zuletzt mit der Trauer. Heutzutage sterben die wenigsten Menschen bei sich zu Hause. Alle Bereiche des Sterbens, des Todes und der Trauer sind heute institutionalisiert, professionalisiert und von der Medizin in Beschlag genommen.

Existentielle Fragen

Welchen Platz nehmen die existentiellen Fragen ein, angesichts dieser neuen Realität, die das Sterben in unseren zeitgenössischen Gesellschaften ausmacht? Was hat die spirituelle Dimension in dieser Realität noch zu sagen? Und wie soll man sich als Individuum in dieser Zeitlichkeit bewegen, die sich hinzieht und in der so viele Professionelle und Freiwillige engagiert sind? Auf diese Fragen gibt es keine fertigen Antworten. Klar ist aber, dass die neue Vorstellung von der Zeitlichkeit des Lebensendes des Lebens uns nötigt, die Modalitäten der Begleitung und der Nähe zu den Kranken unter einem neuen Gesichtspunkt zu überdenken.

Ich habe mich seit bald zwanzig Jahren wissenschaftlich mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Mir persönlich scheint es wenig sinnvoll voraussagen zu wollen, wie ich mich einstellen werde, wenn ich am Sterben bin. Ich weiss aber immerhin, dass die Art und Weisen zu sterben sehr verschieden sind und dass sie starken sozialen, wirtschaftlichen und demographischen Zwängen ausgesetzt sind. Aber das bewahrt einem nicht vor Ängsten, Hoffnungen, Zweifeln, Emotionen und Fassungslosigkeit; diese alle werden meine Existenz bis ganz zum Schluss bestimmen.

Wie verschieden auch die Umstände sind, ich bin überzeugt, dass es für mich wichtig ist, von dieser paradoxen Präsenz der anderen profitieren zu können – seien es Angehörige oder Professionelle je in ihrer Weise –, um diese Zeitlichkeit zu leben. In meinen Augen trägt das dazu bei, im Herzen am Lebensende eine Spiritualität wachsen zu lassen oder zumindest Bedingungen zu schaffen, die dieser Spiritualität Raum geben.

 Marc-Antoine Berthod


 Unser Autor

Marc-Antoine Berthod ist Professor an der Hochschule für soziale Arbeit und Gesundheit EESP in Lausanne. Sein Forschungsgebiet ist die Begleitung in der Trauer und am Ende des Lebens, und das besonders in der Arbeits- und Unternehmenswelt. Er ist Mitglied der Redaktionskommission der Schweizerischen Zeitschrift für Ethnologie und Präsident der Gesellschaft zum Studium des Todes in der französischen Schweiz.

Es ist ein wolkenverhangener und nasser Frühlingstag in Hurden. Trotzdem hat man nicht nur von der Cafeteria im Parterre aus einen traumhaften Blick auf den Zürichsee, sondern auch von den vier schlicht eingerichteten Zimmern des Hospizes im zweiten Stock. Die Atmosphäre ist ruhig und entspannt, auch als ich mich länger mit einem 58-jährigen Vater von zwei Buben unterhalte, der – unheilbar an Darmkrebs erkrankt – hier Aufnahme gefunden hat. Und ich denke unwillkürlich: Doch, hier könnte ich mir vorstellen, meine letzten Tage zu verbringen …

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Seit über vier Jahren leitet die Baldegger Schwester Jolenda Elsener das erste Hospiz im Kanton Schwyz. Sie hat früher 18 Jahre im Kinder- und Jugendheim Mariazell bei Sursee gearbeitet, neun Jahre als Gruppen- und neun Jahre als Heimleiterin. Anschliessend im Bildungshaus in Dulliken und dann leitete sie ein Altersheim in Zürich. 1999 wurde sie nach Hurden gerufen, wo sie zwölf Jahre das Schwerstbehindertenheim leitete. Seit Oktober 2011 «habe ich die schönste und sinnerfüllendste Arbeit der Welt», lacht Schwester Jolenda: «Ich muss niemanden bekehren, nicht predigen und nicht missionieren. Unsere Gäste müssen nichts mehr müssen, sie sind völlig frei. Wir begleiten sie und sind für sie da, um zum Wesentlichen zu kommen. Und wir selber erhalten vieles zurück durch die zahlreichen tiefen, existentiellen Gespräche mit ihnen.» Schwester Jolenda spricht bewusst von Gästen, da eine Heilung der schwerkranken Menschen im Hospiz Hurden weder angestrebt wird noch möglich ist. Es ist ein Ort, so Schwester Jolenda, wo ihre Gäste erfahren, «dass» sie nicht ‹durch› unsere Hand, sondern ‹an› unserer Hand sterben dürfen».

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Sr. Jolenda hat in den viereinhalb Jahren hier in Hurden viele Menschen sterben sehen, 88 Frauen und 85 Männer insgesamt, und sie blieben im Durchschnitt nur gerade 21 Tage im Hospiz. Fast zu jedem Gast kann sie eine Geschichte erzählen. «Wir sind kein Spital und kein Pflegeheim, zu uns kommen einfach Menschen, deren Betreuung zu Hause nicht mehr organisiert werden kann.» Drei Baldegger Schwestern und vier Pflegefachfrauen sorgen sich um sie in einer familiären und entspannten Atmosphäre und vermitteln den Gästen ein Stück «heile Welt» – Sr. Jolenda meint dies im positiven Sinne und ohne Pathos – «als Vorfreude auf das Paradies.»

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Viele Bewohner von Hurden sind konfessionslos, doch gerade mit ihnen, so Sr. Jolenda, entwickeln sich oft ungeahnt tiefe und spirituelle Gespräche. Wie etwa jener Mann – «Sie müssen mich nicht bekehren!» –, der mit Sr. Jolenda stundenlang in schönsten Worten über die Schönheiten der Natur sprach. Weder sie noch er nahmen dabei das Wort «Gott» in den Mund. Später erzählte er seiner Frau mit voller Überzeugung, Sr. Jolenda habe ihm gesagt: «Gott kennt mich.»

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Sr. Jolenda, worin besteht aber denn die christliche Grundhaltung des Hospizes St. Antonius? – «Wir wollen jedem Gast Raum und Zeit geben, dass er zu sich selber findet, dass er loslassen kann und seine Seele den Weg zum Licht findet.» – Sterben sei, wie die Geburt, eine zentrale existentielle Erfahrung, sagt Sr. Jolenda. Heute liessen sich durch eine gute palliative, medizinische Betreuung bei Sterbenden die meisten Beschwerden und Schmerzen mildern, ja gar vermeiden: «Es macht mich darum sehr traurig, wenn jemand diese existentielle Erfahrung abschneidet durch den selbstgewählten Suizid. Das kann ich als Christ nicht gut heissen.»

Beat Baumgartner


Heim Antonius Hurden

1937 kaufte der Dekan Josef Anton Messmer in Hurden am Zürichsee den Gasthof Engel mit der Idee ein Invaliden- und Erholungsheim zu realisieren und gewann 1938 die Baldegger Schwestern dafür, das Heim zu leiten und zu führen. 1985 wurde das baufällige Haus abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt, in dem schwerstbehinderte Frauen und Männer ab 18 Jahren leben und wohnen.

2011 richteten die Baldegger Schwestern im zweiten Stock des St. Antonius-Heimes ein Hospiz mit vier Zimmern ein. Das Hospiz hat den Status eines Pflegeheimes und wird von der St. Antonius-Stiftung, Baldegg-Hochdorf und freiwilligen Helferinnen und Helfern der Organisation Triangel sowie von Spenderinnen und Spendern tatkräftig unterstützt.

 http://www.klosterbaldegg.ch > St. Antonius Hurden

Viele Jugendliche sind heute nicht mehr «religiös sozialisiert», doch das Interesse an Religion(en) ist damit keineswegs verschwunden. Im Gegenteil: Gerade am Gymnasium hat sich das konfessionsneutral ausgerichtete Fach «Religionskunde und Ethik» in den vergangenen Jahren neu etabliert und erfreut sich bei den Schülerinnen und Schülern wachsender Beliebtheit.

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Im Oktober 2014 gab  der Luzerner Regierungsrat bekannt, dass das Fach «Religionskunde und Ethik» am Obergymnasium aus Spargründen abgeschafft werden soll. Die Reaktionen auf dieses Vorhaben waren heftig und führten zu breitem Widerstand im Kanton Luzern, der für die ganze Deutschschweiz Signalwirkung hatte: In einer Zeit des wachsenden Fundamentalismus sei «der Bedarf an ethisch-religiöser Orientierung dringender denn je», wurde von verschiedener Seite moniert.

Grundwissen zu den Religionen                                           

«Zu einer ganzheitlichen Ausbildung in einer pluralistischen Gesellschaft gehören auch Grundkenntnisse über die Weltreligionen und eine vertiefte Kenntnis unserer christlich geprägten Kultur», war im Argumentarium der Kantonalen Fachschaft für Religionskunde und Ethik an den Luzerner Gymnasien zu lesen.

Im Rahmen einer Petition gegen die Streichung des Faches Religionskunde und Ethik kam innerhalb von nur vier Wochen die beachtliche Zahl von 13’177 Unterschriften zusammen. Und das hatte Folgen: In letzter Minute machte der Luzerner Kantonsrat noch die entscheidende Kehrtwende und beschloss mit 89 zu 25 Stimmen, dass die geplante Sparmassnahme nicht umgesetzt werden soll.

Vorausgegangen war eine intensive Phase der öffentlichen Diskussion und Überzeugungsarbeit bei den Verantwortungsträgern der Politik. Mehrere Bildungspolitiker wurden persönlich eingeladen, wieder einmal etwas «Schulzimmerluft» zu schnuppern und sich beim Besuch einer Lektion «Religionskunde und Ethik» selber davon zu überzeugen, dass der konfessionsneutrale Unterricht eine zeitgemässe Antwort auf die gesellschaftlichen Veränderungen darstellt.

Ein bekenntnisneutrales Fach

In einer immer deutlicher durch den religiösen Pluralismus geprägten Gesellschaft ist in den vergangenen Jahren auch in den Mittelschulen der konfessionelle Religionsunterricht zunehmend unter Legitimationsdruck geraten. In den meisten Kantonen der Schweiz ist der herkömmliche Religionsunterricht im Zuge des neuen Maturitätsanerkennungsreglementes weitgehend aus dem Lehrplan gestrichen worden.

Im Kanton Luzern indessen setzte sich die Überzeugung durch, dass der Bedarf nach religiöser Weltdeutung und Ethik in einer ganzheitlich ausgerichteten Gymnasialbildung keineswegs abgenommen hat: Mit einem neuen Modell, bei dem «Religionskunde und Ethik» als bekenntnisneutrales Fach für alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihrer Konfession eingeführt wurde, haben die Luzerner Kantonsschulen eine Pionierarbeit im gesamten deutschsprachigen Raum geleistet, die international Beachtung gefunden hat.

Schüler sind interessiert

Dass ein solches Unterrichtskonzept heute auch bei den Schülerinnen und Schülern auf grosse Akzeptanz stösst, wurde im November 2014 auch durch eine Online-Befragung bestätigt, an der sich über 600 Schülerinnen und Schüler aus fünf Gymnasien beteiligten. Die an der Umfrage Beteiligten füllten den Fragebogen anonym aus und hatten die Möglichkeit, sowohl positive wie auch negative Unterrichtserfahrungen zu thematisieren.

Die Ergebnisse der Befragung fielen dabei überraschend deutlich aus: 74% der befragten Schülerinnen und Schüler sprachen sich gegen eine Abschaffung des Faches Religionskunde und Ethik aus, 17% befürworteten eine Abschaffung und 9% äusserten dazu keine Meinung. Eine deutliche Mehrheit der Befragten zeigte sich zufrieden mit der aktuellen Stundendotation, während 13% der Schülerinnen und Schüler sogar anmerkten, dass die Lektionenzahl im Fach «Religionskunde und Ethik» erhöht werden sollte.

«Das Fach ist in einer multikulturellen Gesellschaft einfach unverzichtbar», schreibt ein Schüler in der Umfrage. Und eine Schülerin meint: «Beim Fach ‚Religionskunde und Ethik’ gefällt mir, dass man über alle Religionen etwas lernt und beginnt, die Menschheit und deren Motive für unterschiedlichste Ereignisse zu verstehen. Dadurch wird man toleranter gegenüber anderen Kulturen und Religionen. Man lernt, weltoffen zu sein.»

Urteilskompetenz fördern

Die Schülerinnen und Schüler schätzen auch, dass mit diesem Fach die eigene Urteilskompetenz gefördert wird: «Hier lerne ich, mir eine eigene Meinung zu bilden und diese mit anderen zu diskutieren.» Die Zeiten sind also vorbei, als im Religionsunterricht den Schülerinnen und Schülern noch der «allein selig machende Glaube» einer bestimmten Konfession eingetrichtert wurde.

Die neue Ausrichtung des Faches hat denn auch wesentlich dazu beigetragen, dass sich Religionskunde und Ethik in den vergangenen zehn Jahren am Gymnasium immer mehr etablieren konnte und sich bei den Studierenden wachsender Beliebtheit erfreut.

Diese Entwicklung zeigt sich gerade bei der Wahl der Ergänzungsfächer sehr deutlich: An der Kantonsschule Alpenquai Luzern beispielsweise können die Schülerinnen und Schüler aus einem Angebot von insgesamt 14 Fächern frei wählen, welches Fach zum Kanon der Maturafächer hinzu kommen soll.

In dieser Ausmarchung belegt das Fach «Religionskunde und Ethik» eine Spitzenposition, wie die jüngsten Ergebnisse (Stand: Ende Februar 2016) zeigen. Mit insgesamt 30 Anmeldungen steht das Ergänzungsfach «Religionskunde und Ethik» im Vergleich zu anderen Fächern aktuell an dritter Stelle vor Geografie und Geschichte und wird deshalb im kommenden Schuljahr (2016/17) sogar doppelt geführt.

Interkulturelle Kommunikation

Dass im Fach Religionskunde und Ethik die Beschäftigung mit aktuellen Fragen aus dem religiösen und ethischen Kontext nicht bloss eine abgehobene, theoretische Angelegenheit darstellt, zeigte ein Projekt, das erst kürzlich unter dem Namen «Swiss-Indian Classroom» realisiert werden konnte.

Insgesamt 22 Schülerinnen und Schüler des Ergänzungsfaches Religionskunde Ethik der Kantonsschule Alpenquai Luzern standen während eines ganzen Jahres in regelmässigem Austausch mit einer Partnerschule in Trivandrum (Südindien) und hatten damit viele Gelegenheiten, sich sehr intensiv in interkultureller Kommunikation zu üben.

Dank der finanziellen Unterstützung durch die ch Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit und die Stiftung Mercator Schweiz war es möglich, mit 17 Jugendlichen zwei Wochen lang im Bundesstaat Kerala die religiöse und gesellschaftliche Lebenswelt von Jugendlichen in Südindien zu erkunden.

Die intensive Begegnung mit Menschen einer ganz anderen Kultur war für die beteiligten Schülerinnen und Schüler eine einmalige, sehr wertvolle Erfahrung, die ihnen ein Leben lang unvergesslich in Erinnerung bleiben wird.

Benno Bühlmann


Angaben zum Autor: Benno Bühlmann unterrichtet seit 1993 an der Kantonsschule Alpenquai Luzern das konfessionsneutrale Fach «Religionskunde und Ethik» und ist Präsident der Kantonalen Fachschaft für «Religionskunde und Ethik» an den Luzerner Gymnasien.


«Das Fach «Religionskunde und Ethik» will nicht in eine bestimmte Religion einführen wie der konfessionelle Religionsunterricht der Kirchen, sondern Informationen über verschiedene Religionen vermitteln und religiöse Konzepte kritisch auf ihre positiven und negativen Seiten hin beleuchten», heisst es im Positionspapier der Religionslehrpersonen an Luzerner Gymnasien.

 

 

Der Modeexperte beginnt einen tieferen Sinn im Leben zu suchen, nachdem er über seinen Ehrgeiz gestolpert und in eine existentielle Krise gestürzt ist. Sein Sinn für «Mehr als alles» (wie Dorothee Sölle Gott nannte) erwacht erst, als der privilegierte Bürger in eine bedrohliche Leere fällt. In Assisi bestens aufgestellt, Mitglied der führenden Zunft und beliebter Eventmanager der jungen Generation, traumatisieren ihn das Debakel einer Schlacht gegen Perugia, zwölf Monate Psychoterror in Kriegsgefangenschaft und eine schwere Krankheit als Folge der Kerkerzeit. Als er sich nach zwei Jahren wieder aufrappelt und auf Assisis Hauptplatz tritt, erschrickt er: die Stadt hat «ihre Farben verloren», Business-Pläne ihren Sinn und die Feste ihren Reiz!

Flucht nach vorn

Wer kennt nicht moderne Menschen, die ähnlich reagieren? Franziskus stürzt sich ins nächste Abenteuer, flieht aus dunklen Erinnerungen, Gefühlen und Gedanken in Aktionismus und will sich einem Feldherrn anschliessen, der in Süditalien die Interessen des Papstes vertritt. Bereits nach einem Tagesritt aber merkt er, dass er vor sich selbst davonläuft. Eine innere Stimme lässt ihn nachts zur Besinnung kommen und erkennen, dass er in seinem Alltag und seiner Stadt auf die Suche gehen muss: ein erster religiöser Schritt – zu sich kommen und dem tieferen Sinn des Lebens in der eigenen Realität nachspüren!

Die folgenden Jahre sehen Franziskus drei grosse Schritte tun: Eine erste Wegetappe führt in die Stille, eine zweite zu Menschen in Not und eine dritte zu einer überraschenden Gotteserfahrung. Schrittweise erkennt Franziskus, wie tiefsinnig Selbstliebe, Nächstenliebe und Gottesliebe zusammenhängen.

Ich und du, Mensch

Den ersten Lernschritt erschliesst San Masseo, ein verlassenes Klösterchen unterhalb Assisi. Der Kaufmann entdeckt dort auf dem Ritt zu einem Markt eine halbdunkle Krypta. Fernab vom Treiben der Stadt findet Franziskus in ihrer Stille zu sich selbst, kann sich seinen dunklen Erfahrungen stellen, atmet Frieden und fasst seine Sehnsucht in Worte: «Gott, lichtvoll über allem, erleuchte die Finsternis meines Herzens… .»

An derselben Via Petrosa, die Assisi mit San Masseo und der Fernstrasse in der Ebene verbindet, erlebt Franziskus nach Monaten unerwartete Lichtstunden: Er begegnet ungewollt Randständigen, kommt einem Aussätzigen nahe und erfährt in dessen Schattenwelt nie gekannte Liebe. «Da ist mein Herz erwacht», wird er später schreiben. Sorge zu sich selbst verbindet sich mit beherzter Offenheit für Menschen.

DU, Gott

Den dritten Durchbruch erlebt der Sinnsuchende kurz darauf in der desolaten Landkapelle San Damiano, die ebenfalls vor den Toren der Stadt liegt: ein Zufluchtsort für Randständige, einzig von einer Ikonentafel geschmückt.

Betete Franziskus bisher zum fernen Gott der Romanik, dem «höchsten, lichtvollen», überrascht ihn in San Damiano der menschliche Gottessohn, halbnackt am Kreuz, mit weit offenen Armen und liebendem Blick: Christus, arm und vergessen vor der Stadt. Franziskus fühlt sich von einem unerwartet nahen Gottessohn empfangen, erleuchtet und umarmt. Giottos Fresko in Assisi hält die Szene symboltief fest.

Ein anderes Leben lernen

Der junge Kaufmann steigt mit 25 – seit zehn Jahren erwachsen – aus seiner Familie, Zunft und Stadt aus. Er sorgt zunächst mit Randständigen dafür, dass der «arme Christus» von San Damiano wieder ein Dach über dem Kopf erhält. Dann erkennt er seine neue Sendung in der Lebensform der Apostel, den Freunden Jesu, die mit ihrem Meister arm durch die Lande ziehen, Frieden in Häuser, Dörfer und Städte bringen, belastete Menschen aufrichten, Verstossene zurückbringen und Gottes Zuwendung erfahrbar machen.

Von Franziskus, dem neuen Jünger Christi tief berührt, stossen Gefährten zu Franziskus. Ulrich Luz, aktuell einer der besten Kenner des Matthäusevangeliums, sieht jene Brüder das Evangelium durch ihr Leben verstehen. Keiner der ersten zwölf war Priester oder Theologe, und doch verstanden sie die Botschaft Jesu besser als Bibelgelehrte: indem sie radikal «den Fussspuren Jesu folgten», wie Franziskus selbst es sagte.

Jesus nachfolgen

Die franziskanische Bewegung folgt der Erfahrung ihres Gründers: Gott ist ein geduldiger Abba (Vater), der warten kann, bis ihn Menschen – getauft oder ungetauft seine Töchter und Söhne – von sich aus suchen. Gottesfreundschaft entsteht und wächst in den «Fussspuren Jesu». Wer Worten und Praxis des Rabbi folgt, entdeckt Lebensfülle und wächst in ein neues Beziehungsnetz: mit unzähligen Schwestern und Brüdern (allen, die «Vater unser» oder «Unser Vater» beten) und mit einem neuem Blick auf die Kirche und Gesellschaft – denn unter Geschwistern und vor Gott gibt es keine Klassen und Hierarchien mehr.

Selbst Papst Innozenz III. lässt sich von dieser Bewegung beeindrucken: den Brüdern öffnet er «Stadt und Erdkreis» und Klaras Schwestern erlaubt er, wie Marta und Maria in Betanien «Christus arm zu umarmen» – mystisch in der Stille von San Damiano und sozial engagiert in der Aufnahme von Menschen in allerlei Nöten.

Von andern Religionen lernen

Als ein neuer Kreuzzug eskaliert, entscheidet sich Franziskus 1219 zur Friedensmission in Ägypten. Die Kreuzritter hören nicht auf ihn und stürzen sich ins nächste Debakel. Den Oberherrscher der Muslime jedoch gewinnt Franziskus zum Freund. Die Begegnung mit dem Islam erweitert die religiösen Horizonte des Mystikers. Tief bewegt entdeckt Franziskus Gott suchende und liebende Menschen ausserhalb der eigenen Religion. Er trägt seinen Brüdern auf, weltweit und in jeder Kultur vom Alltagsgebet der Muslime zu lernen: Menschen sollen «überall auf Erden» mitten im geschäftigen Leben innehalten und zu Gott aufschauen. Das kirchliche Angelusläuten ist eine Frucht dieser Anregung.

Beeindruckt zeigt sich Franziskus auch vom ehrfürchtigen Umgang des Islam mit dem Koran, dem Gottvertrauen im Inshallah und der Weisheit der 99 Gottesnamen. Einige übernimmt Franziskus in den eigenen Lobpreis, doch fügt er all den männlichen Namen für Allah und in der christlichen Tradition dreissig weibliche Gottesnamen hinzu.

Franziskus wird heute von Welt- und Naturreligionen als Mystiker geehrt, der zu einer grossen Freiheit fand: jeden Menschen inspiriert zu sehen und als Tochter oder Sohn Gottes, «wo auch immer auf Erden». In Assisi treffen und ermutigen sich heute alle Religionen, geschwisterlich zum Frieden der einen Menschheit beizutragen. «Ubi Deus, ibi Pax» (wo Gott Raum findet, breitet sich Friede aus) haben die Brüder des Franziskus denn auch über den Eingang ihres stillen Klösterchens am Berg von Assisi geschrieben.

Niklaus Kuster

In Jesu Biographie herrscht eine Lücke, die so markant ist wie gross. Niemand hat notiert, was Jesus gemacht hat, bevor er öffentlich auftrat. Eben noch haben die Engel auf den Feldern gesungen – und schon breitet sich ein Meer des Nichtwissens über die nächsten 30 Jahre.

Was der Biograph nicht erzählt

Kleine, schwimmende Inseln liefern nur wenig Orientierung: Eine Flucht nach Ägypten ist Teil der Überlieferung. Als 12-Jähriger soll der Knabe auf einer Pilgerreise nach Jerusalem im Tempel die erwachsenen Gelehrten verblüfft haben. Knapp 20 Jahre später wird er im Jordan getauft. Hier setzen die Biographen wieder ein. In ihre Erzählung fliessen die theologischen und politischen Agenden ihrer Zeit ein.

Die Geschichte des 12-Jährigen im Tempel lässt vermuten – so sie denn historisch ist – dass der Junge vorher spirituelle oder religiöse Erfahrungen gemacht hat. Nur: Wo oder wie das geschehen ist, lässt sich heute nur schwer nachvollziehen.

Christliche Früherziehung

Als ich ein Kind war, fand der Religionsunterricht an einem freien Nachmittag statt: Geschichten, Gebete, Lieder. Während der Gottesdienste gab es manchmal eine Kinderfeier in der Krypta. Oder man sass während der Messe bei den Eltern, schaute den älteren Kindern beim Ministrieren zu und versuchte in der Wandlung den Heiligen Geist zu erspähen. Vor Erstkommunion und Firmung gab es eine besondere Schulung. Die reformierten Freundinnen ächzten, etwas älter, unter der Gottesdienstpflicht vor der Konfirmation.

So ähnlich wurden wohl die meisten Erwachsenen in der Schweiz an ihre Religion – oder ihren Entscheid dagegen – herangeführt. Das System wird auch heute in mehr oder weniger modernisierter Form so von den Landeskirchen fortgeführt. Auch andere Religionen kennen die spirituelle Früherziehung.

Jüdische Früherziehung

In Zürich gibt es Ganztagesschulen für jene jüdischen Kinder, deren Familien die Kultur des Glaubens bewusst in den Alltag integrieren und ihre Kinder daher nicht in eine staatliche Schule schicken möchten. Es gibt sie für verschiedene Ausrichtungen. Auf dem Stundenplan stehen nebst den üblichen Fächern auch das Studium der Torah, des Talmuds mit der Mischna. Je nach dem, wie die Schule geprägt ist, konservativ oder traditionell-offen, gibt es unterschiedliche Fächerangebote für Jungen und Mädchen.

Und vor 2000 Jahren? Wo lernte Jesus seinen Glauben? Gab es überhaupt einen weltlichen oder religiösen Unterricht in der Form, wie wir ihn heute kennen? Durchlief er die Ausbildung und Rituale, denen jüdische Kinder heute begegnen? Gab es einen Rabbi, der ihn den Talmud lehrte?

Die Bedeutung des Tempels

Ich frage nach im Zürcher Institut für interreligiösen Dialog, ZIID, früher bekannt unter dem Namen Zürcher Lehrhaus. Der jüdische Gelehrte Michel Bollag gehört zur Institutsleitung und betreut die Fachrichtung Judaistik. Auch er kann in dieser Frage nur bedingt auf die Sprünge helfen. Denn die jüdische Religion, wie sie heute in ihren zahlreichen Facetten gelebt wird, entwickelte sich parallel zum Christentum in den letzten 2000 Jahren.

Auch für die Juden ist die Zeit des 1. Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung entscheidend, religions- und damit identitätsstiftend. Mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem (70 n. Chr.) bricht eine neue Ära an. War vorher der Tempel Fixstern und Zentrum der religiösen Praxis, ist die heutige jüdische Kultur geprägt von der Abwesenheit des Tempels. Was vor seiner Zerstörung galt und gelebt wurde, liegt zu einem grossen Teil begraben unter den Trümmern des Heiligtums, von dem nur die Klagemauer den Juden geblieben ist.

Jesu Früherziehung

Erzählt wird in Biographien in der Regel das, was einen Menschen und sein individuelles Leben besonders auszeichnet. Man kann daher vermuten, dass deswegen in den Evangelien nicht näher auf Jesu Kindheit eingegangen wird, weil sie ablief wie die vieler anderer Kinder seiner Zeit und Kultur auch.

Ganz grundsätzlich gibt es für Bollag folgende Anhaltspunkte: «Als jüdisches Kind seiner Zeit hielt auch Jesus bestimmt die religiösen Speisegesetze ein. Er war beschnitten. Und sein Alltag war geprägt vom religiösen Kalender, dessen Feiertagen und Ritualen.»

Jesus und der Schabbat

Somit wird Jesus auch den Schabbat eingehalten haben – doch hier muss Bollag bereits relativieren: «Die heutige Schabbat-Praxis in all ihren Details war auch erst im Begriff zu entstehen. Konsens war: Man arbeitet nicht am Schabbat.

Ebenfalls wichtig zu wissen ist, um die Polemik des Jesus rund um den Schabbat im Markus-Evangelium einordnen zu können, dass das Schabbatgesetz gebrochen werden muss, wenn Lebensgefahr droht.»

Religionen im Entstehen

Ein Hindernis auf der Spurensuche ist also identifiziert: Das Judentum von heute entsteht parallel zum Christentum, seine damalige Gestalt stellt erst die Konturen der heutigen dar. Vor der Zerstörung des Tempels war dieser kultisches und kulturelles Zentrum.

Zwar gab es Synagogen, doch ihre Rolle ist unklar. «Es ist denkbar, dass zeitgleich mit wichtigen Tempelritualen auch in den Synagogen gebetet wurde», sagt Bollag. Die Synagogen, davon geht er aus, waren Versammlungsort, Lehrhäuser, Andachtsräume.

Aber ihre heutige Form und alles, was damit verbunden wird, entstand erst in der Zeit nach der Zerstörung des Tempels. Die Bar-Mizwah bzw. Bat-Mizwah, die Buben und Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden feiern, sind heute eng mit der Synagoge und ihrem Stellenwert in der jüdischen Gemeinde verknüpft. Rabbiner, wie man sie heute kennt, treten so in der Zeit des Knaben Jesus noch nicht auf.

Klein-Jesus im Tempel

Der 12-jährige Junge aus Nazareth, der im Tempel von Jerusalem die Gelehrten mit seinem Wissen und Verständnis in Erstaunen versetzt: Welche Informationen gibt uns die Erzählung? «Die Pilgerreise der Familie nach Jerusalem, die den Hintergrund der Geschichte bildet, gehört zu den Traditionen, die es so sicherlich gab», sagt Bollag.

Die Schilderung des Knaben, der allein im Tempel zurückbleibt, während sich seine Familie ohne ihn nach Hause aufmacht, erinnert ihn an eine andere: die Geschichte des Propheten Samuel. Dieser wird allerdings absichtlich im Tempel zurückgelassen, weil seine zuvor unfruchtbare Mutter ihn Gott versprochen hatte.

Zudem entdeckt Bollag ein weiteres vertrautes Motiv: Ein Mensch, der als Erwachsener herausragt, verblüfft in der biographischen Erzählung oft schon als Kind mit seinem profunden Wissen. Die Geschichte des 12-Jährigen im Tempel enthält für Bollag mindestens so viel Theologie wie Geschichte.

Wie Schichten einer Zwiebel

Zum ersten Hindernis gesellt sich also ein zweites. Das, was an Information zur Verfügung steht, ist nicht unbedingt die Wiedergabe eines Faktums. Ob es sich um singende Engel bei der Geburt, um Weise aus dem Morgenland, einen Kindermassenmord, eine Flucht oder das Auftreten eines Wunderkinds im Heiligtum seines Volkes handelt – die Schichten, aus denen sich die Erzählungen zusammensetzen, sind so zahlreich wie die Lagen einer Zwiebel. Historik, Theologie, Mythologie, Mystik, Politik: alle suchen und finden ihren Platz darin. Jesus war, ganz buchstäblich, ein Kind seiner Zeit. Kind einer Ära, die kurz nach seinem Tod kaum mehr fassbar ist.

Sarah Gaffuri