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Primarschüler schreiben auf Swahili in der St. Gabriel Schule in Arusha. © Siegfried Ostermann
Primarschüler schreiben auf Swahili in der St. Gabriel Schule in Arusha. © Siegfried Ostermann

Die ostafrikanische Bantusprache Kiswahili wird von über 150 Mio. Menschen gesprochen.

Sie ist ein mächtiges Instrument der Förderung und Inkulturation des christlichen Glaubens, schreibt der Bibelwissenschaftlicher Br. William Ngowi, OFMCap vom Jordan University College in Morogoro/Tansania.

Ich habe mich immer gewundert, wenn ich den Auftrag Jesu an seine Jünger lese: «Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe» (Mt 28,19-20), denn diese Jünger waren aus Galiläa, die mit der Welt sicher kaum Kontakt hatten. Wie sollten sie diesen Auftrag ausführen, wenn sie doch ungebildete Menschen waren, die keine Fremdsprachen kannten, noch nicht einmal Griechisch und Latein, die internationalen Verkehrssprachen der damaligen Zeit?

Das Rätsel löste sich, als ich bei diesem Geschehen das Herabkommen des Heiligen Geistes an Pfingsten las, als die Jünger in ihrer Muttersprache, dem galiläischen Aramäisch, allen Menschen, die in Jerusalem versammelt waren, die «Gute Nachricht» verkünden konnten. «Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sassen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf einen jeden von ihnen liess sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber – wir hören sie in unseren Sprachen Gottes grosse Taten verkünden!» (Apg 2: 1-11). Ich verstehe daher, dass die Verkündigung der Frohbotschaft hauptsächlich das Werk des Heiligen Geistes ist, wozu die Jünger seine Werkzeuge sind. Deshalb sagte Jesus zu ihnen, sie sollten warten, bis sie die Gabe des Heiligen Geistes empfangen (Apg 1,4.8; vgl. Joh 14,26; Lk 12,12). So setzte sich das Pfingstwunder in der Missionsarbeit in Afrika fort!

Es ist bekannt, dass in Europa, aus dem die damaligen Missionare kamen, keine afrikanische Sprache geschult wurde. Dennoch waren diese Missionare bereit, die anstrengende Seereise auf den damals so genannten dunklen Kontinent zu wagen, um den nicht-christlichen Afrikanern mit ihren über 2000 Muttersprachen, die Frohe Botschaft zu verkünden. Wahrscheinlich gab es zwei Gründe für ihre unerschütterliche Zuversicht: Erstens glaubten sie, dass Pfingsten auch in Afrika noch stattfinden wird, denn der auferstandene Herr versprach seinen Jüngern, bei ihnen zu sein bis zum Ende der Zeiten (Mt 28,20). Zweitens wurden die mageren Berichte europäischer Forschungsreisenden, ihrer Vorläufer, die bereits einzelne Teile des Kontinents besucht hatten, nicht zu missionarischen Zwecken erstellt, sondern aus Gründen der Schatzsuche und des Handels. Die Schilderungen der Forscher über ihre Erfahrungen regten die Missionare an, auch wenn diese meist mit vorgefassten Meinungen verziert waren.

Frühe arabische, persische und mediterrane Handelsleute
Es ist bekannt, dass es in der Antike Handelsbeziehungen zwischen der Ostküste Afrikas und den Händlern im mediterranen und Mittleren Osten gab. Historiker stellen sogar die Hypothese auf, dass Griechen und Römer bereits mit den Menschen an der ostafrikanischen Küste Handel trieben (siehe das Buch «Periplous des Erythraeischen Meeres», das auf ca. 100-70 v. Chr. zurückgeht). Das Buch, das ein Bericht über die Seereise des Autors über das Indische Meer ist, besagt, dass Araber und Perser bereits um 800 v. Chr. mit den Einheimischen an der ostafrikanischen Küste Handel trieben. Und er erwähnt die Existenz einer grossen Stadt im südlichsten bekannten Teil an der Küste von Azania namens Raphta. Man nimmt an, dass Raphta entweder irgendwo im Rufiji-Flussdelta in der zentralen Küstengegend des heutigen Tansania lag, ein paar Kilometer südlich der Stadt Dar-es-Salaam.[1]

Es ist dokumentiert, dass die Einheimischen, die von den einreisenden arabischen Handelsleuten Zenj oder Zanj genannt wurden, ihre eigene Sprache sprachen. Alle ausländischen Handelsleute sollten zumindest die Geschäftssprache lernen, um sich unterhalten zu können. Die Europäer nannten das Land an der ostafrikanischen Küste «Azania», und die Araber nannten es «das Land der Zenj oder Zanj». Und die Araber nannten die einheimische Sprache der Zenj «Sahil», welches «Küste» bedeutet, woraus sich der Name Swahili ableitet. Swahili war im Grunde eine Bantu-Sprache, der eine Reihe von arabischen Wörtern hinzugefügt wurden.[2]

Es gibt die Theorie, dass einige arabische Seeleute und Handelsleute, die lange Zeit an der ostafrikanischen Küste blieben und auf die Rückkehr der südlichen Monsunwinde warteten, einheimische Frauen heirateten, die ihnen ihre Muttersprache beibrachten. Auf diese Weise entwickelte sich eine Art Taubensprache. Aber die Theorie ist nicht belegbar und scheint übertrieben, denn es kann sich nicht um einen einseitigen Prozess handeln. Warum sprechen die Küstenbewohner nicht Arabisch, wenn es die Hauptsprache war?[3] Die Situation änderte sich allmählich nach dem Einzug des Islam (ca. 632 n. Chr.), denn die Araber kamen nicht mehr nur für den Handel, sondern auch um ihren neuen Glauben zu verbreiten.

Es ist bekannt, dass der Islam ab ca. 700 n. Chr. zur dominierenden Religion an der ostafrikanischen Küste wurde und Moscheen von Lamu, Malindi und Mombasa in Kenia bis Sansibar und Kilwa in Tansania und Sofala im südlichen Mosambik entstanden. Die Ruinen einer ihrer grössten Moscheen, die auf das Jahr 900 n. Chr. zurückgeht, kann man heute noch in Kilwa an der südlichen Küste von Tansania sehen. Von 970 bis 1050 n. Chr. gab es einen erneuten Aufschwung für die ostafrikanische Küste, weil mehr arabische Handelsleute kamen, um den Islam zu verbreiten. Um ihre Mission zu erfüllen, mussten sie Arabisch, die Sprache des Korans, lehren und eröffneten Madrasas (religiöse Schulen), um die Bekehrten das Heilige Buch rezitieren zu lassen. Auf diese Weise wurde von 1000 bis 1500 n. Chr. das arabische Alphabet eingeführt, und die Einheimischen lernten allmählich nicht nur Arabisch zu schreiben und zu lesen, sondern sie begannen auch, das Alphabet zu benutzen, um ihre eigene einheimische Sprache zu schreiben. Kiswahili, das bereits im Handelsverkehr verwendet wurde, nahm viele arabische Wörter auf, ein Phänomen, das bei allen lebenden Sprachen zu beobachten ist. Daher kam die Verwendung des lateinischen Alphabets mit den europäischen Missionaren, welche die Wörter aus den damals existierenden arabischen Schriften transkribierten.

Kiswahili Sprache
Es ist bedauerlich, dass Kiswahili von Ausländern als ein Pidgin aus dem Arabischen und den afrikanischen Muttersprachen der ostafrikanischen Küstenbewohner verstanden wurde. Heute haben afrikanische Sprachwissenschaftler diese Hypothese in Frage gestellt, weil keine ernsthaften etymologischen, morphologischen und syntaktischen Studien von jenen durchgeführt wurden, die sich auf solche unbedachten Aussagen stürzen. Kiswahili-Wissenschaftler haben gezeigt, dass der Hauptwortschatz und die Syntax des Kiswahili nicht auf einen arabischen Ursprung reduziert werden können. Vielmehr hat es seinen Ursprung bei den Bantu-Völkern, die vom afrikanischen Festland kamen, um an der Ostküste zu leben, zu fischen und um Handel mit Menschen aus anderen Ländern zu treiben.[4] Auch die Anzahl der Wörter im Kiswahili mit afrikanischer Wurzel ist unverhältnismässig höher als die, welche aus dem Arabischen stammen, denn Kiswahili enthält 80% Bantu- und 20% arabische Wörter. Daher ist die Hypothese, dass die Muttersprache des Kiswahili das Arabische ist, unhaltbar.[5]

Frühe Forschungsreisende und erste christliche Missionare
Die frühesten europäischen christlichen Forschungsreisenden, welche die ostafrikanische Küste besuchten, kamen aus Portugal (ca. 1490er -1600 n. Chr.), zum Beispiel Vasco da Gama, der 1497 n. Chr. als erster das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika umschiffte. Sie nutzten die ostafrikanische Küste als Zwischenstation auf ihrem Weg in den Fernen Osten (Indien und China), wo sie auf der Suche nach Gewürzen und Handelspartnern waren. Die Portugiesen errichteten mehrere Häfen und bauten dauerhafte Strukturen, darunter Lamu, Malindi, die 1599 n. Chr. erbaute Burg Forte Jesus in Mombasa, Sansibar und die Pemba-Inseln, Kilwa und Sofala im südlichen Mosambik. Die Portugiesen wurden von den Arabern und den Einheimischen aus Mombasa vertrieben (ca. 1700 n. Chr.). Von Bedeutung ist, dass die Menschen an der nördlichen und zentralen ostafrikanischen Küste Kiswahili sprachen, das in arabischem Buchstaben geschrieben wurde.

Inspiriert von den portugiesischen Forschungsreisenden begannen andere europäische Forschungsreisende und Missionare, darunter Deutsche und Briten, an die ostafrikanische Küste zu kommen. Die berühmtesten waren der deutsche Lutheraner Johann Ludwig Krapf (1810-1881 n. Chr.) von der anglikanischen Church Missionary Society (C.M.S), der 1846 n. Chr. in Sansibar ankam und sich in Mombasa ansiedelte. Er schrieb 1848 das erste Kiswahili – Englisch Wörterbuch, das 1882 nach seinem Tod veröffentlicht wurde.[6] Der andere war Johannes Rebmann (1820-1876 n. Chr.), der zur Universities Mission to Central Africa (U.M.C.A.) gehörte, die von 1857 bis 1965 n. Chr. tätig war. Er arbeitete intensiv an der Kiswahili-Grammatik und schrieb ein Englisch-Kinyasa Wörterbuch.[7] Beide begannen, einige Teile der Bibel ins Kiswahili zu übersetzen.

Die ersten katholischen Missionare in Tanganjika waren die Heilig-Geist-Patres und die Marientöchter des Heiligen Denis, eine Kongregation, die 1849 n. Chr. auf Réunion hauptsächlich für befreite Sklavenmädchen gegründet wurde. Sie kamen von den Réunion-Inseln und Mauritius von 1858-1863 n. Chr. an. Allerdings wurde die Evangelisierung unter der mehrheitlich muslimischen Bevölkerung Sansibars sehr schwierig. Daher zogen die Heilig-Geist-Patres, obwohl sie ihr Hauptquartier in Sansibar hatten, 1868 n. Chr. nach Bagamoyo. Dies war der erste Präsenz der katholischen Kirche auf dem Festland Tanganjikas. Viele ihrer Gläubigen waren freigelassene Sklaven, die von Sklavenhändlern losgekauft worden waren. Über ihre Verpflichtung zur Evangelisation hinaus boten die Patres und Schwestern in Bagamoyo verschiedene Dienste an, wie Bildung (Schulen) und Gesundheit (Spital). Im Jahr 1876 n. Chr. unterstützten die Heilig-Geist-Patres auch die anglikanischen Missionare (CMS), die auf dem Weg nach Uganda unterwegs waren. Die neu gegründete Missionskongregation der Weissen Väter kam 1878 n. Chr. an und wurde mit der Evangelisation der westlichen Zone von Tanganyika (Tabora, Mwanza und Ujiji) beauftragt.

Die Berliner Afrika-Konferenz von 1884 n. Chr. war ein Meilenstein in der Aufteilung Afrikas unter den damaligen europäischen Grossmächten, d. h. Grossbritannien, Deutschland, Frankreich, Belgien und Portugal. Dies bezeichnete den Beginn eines Zustroms von Europäern nach Ostafrika, das zwischen Grossbritannien (Kenia und Uganda) und Deutschland aufgeteilt wurde, das Tanganjika, bekannt als Deutsch Ost Afrika, übernahm. Die Deutschen gründeten eine autoritative Behörde, bekannt als die Deutsch Ostafrikanische Gesellschaft (DOAG), die die ordnungsgemässe Verwaltung der Kolonie überwachte. Zu den wichtigsten Auswirkungen gehörte die Ankunft christlicher Missionare, insbesondere der Benediktiner aus St. Ottilien in Deutschland (1887 n. Chr.), die den südlichen Teil von Tanganjika betreuten.

Die Teile der Kiswahili-Bibel, die früher von Johann Ludwig Krapf übersetzt wurden, waren nicht leicht zu lesen, da sie in einer veralteten Sprache geschrieben waren. Daher begann der anglikanische Bischof Edward Steere von Sansibar (UMCA) mit der Übersetzung des Alten und Neuen Testaments und veröffentlichte 1891 n. Chr. die erste Kiswahili-Bibel. Das Werk wurde von P. Charles Sacleaux, der die Kiswahili-Grammatik sehr gut beherrschte, nochmals überarbeitet und aktualisiert. Mit seinen Fähigkeiten half er auch bei der Übersetzung von anderer katholischer Literatur, sowohl geistlicher als auch säkularer. Diese Übersetzungen erleichterten die Evangelisation stark. Es sollte angemerkt werden, dass die katholische Kirche ihre heiligen Bücher nur langsam in die lokalen Sprachen übersetzte, weil sie ihre Liturgie in Latein feierte. Während die Protestanten in dieser Hinsicht voraus waren, da sie die lokale Sprache in ihren liturgischen Feiern verwendeten.

Es gab zwei Hauptdialekte des Kiswahili: Kimvita, das von den nördlichen Swahilis von Mombasa bis Somalia gesprochen wurde; und der zweite Dialekt war Kiunguja, der von den südlichen Swahilis von Sansibar bis Nord-Mosambik gesprochen wurde. Nach einer langen Auseinandersetzung zwischen denen in Kenia und denen in Sansibar, wurde Kiunguja schliesslich von den britischen Kolonisten in den 1930er Jahren n. Chr. ausgewählt, die es standardisierten und so zum Standard-Kiswahili machten. Es war dieses standardisierte Kiswahili, das zum geschriebenen Kiswahili wurde. Da Kiswahili begann, das lateinische Alphabet zu verwenden, könnte es leicht mit britischen Missionaren in Verbindung gebracht werden, die es schliesslich ermöglichten, das frühe Kiswahili in lateinischem Buchstaben schriftlich zugänglich zu machen.

Vorteile von Kiswahili für die Erstevangelisation
Kiswahili war ein sehr wichtiges Mittel der Erstevangelisation in der ostafrikanischen Region. Die Missionare mussten nicht die einheimischen Sprachen lernen, sondern nur Kiswahili, weil Übersetzer leicht verfügbar waren. Die deutsche Kolonialverwaltung machte es jedoch schwierig, weil sie sich aus Angst vor Aufständen, wie dem Maji-Maji-Aufstand 1905 n. Chr., nicht für die Ausbildung der Einheimischen einsetzte. Die meisten von jenen, die unterrichtet wurden, waren Küstenmuslime, die mit ihrem religiösen Leben zufrieden waren und sich nicht darum kümmerten, was auf dem Festland vor sich ging. Alle Lehrer der Regierung, die auf das Festland geschickt wurden, waren Muslime, die sich für die Verbreitung des Islam einsetzten. Schlimmer noch, als der Erste Weltkrieg ausbrach, erklärten sich die Deutschen 1915 n. Chr. zu «Verbündeten der Muslime». Im Gegenzug erklärten die Muslime in ihren Moscheen eine «Fatwa» gegen jeden Muslim, der sich den Deutschen widersetzen würde. Diese Kollaboration irritierte die Christen, insbesondere den katholischen Bischof Vogt, weil sie die Christen entfremdete. Diese Situation wurde zu einem Rückschlag in ihren Evangelisationsbestrebungen.[8]

1907 beschloss das Vikariat Nyanza im Westen Tanganjikas (die heutige Kagera-Region), den Katechismus in Kihaya, der Sprache der Einheimischen, zu unterrichten. Sie waren nicht dafür, Kiswahili-Lehrer zu beschäftigen, die meist Muslime aus der Küstenregion waren, damit sie nicht begannen, ihre christlichen Neophyten zu islamisieren. In der Tat übersetzten sie alle religiösen Bücher in die Kihaya-Sprache; und in diesem Bemühen bereitete Pater Samson (1880-1960 n. Chr.) ein Kihaya – Französisch-Wörterbuch vor. Dennoch bestand Bischof John Joseph Hirth (1892) darauf, dass alle Getauften lesen und schreiben lernen sollten.[9]

Die Ankunft der Kapuziner-Missionare
Die ersten Kapuzinermissionare kamen 1921 n. Chr. aus der Schweizer Kapuzinerprovinz in Tanganjika an. Sie wurden geschickt, um die Benediktiner zu ersetzen, die nach der Niederlage der Deutschen im Ersten Weltkrieg (1914-1918 n. Chr) aus Tanganjika vertrieben wurden. Ihre Aufgabe war es, die von den Benediktinern begonnene Erstevangelisation fortzusetzen. Im Gegensatz zu anderen Missionaren, die in Tanganjika arbeiteten und die Heilige Schrift in die einheimischen Sprachen übersetzen mussten, blieb das den frühen Kapuzinermissionaren erspart, weil sie ihre Missionsarbeit hauptsächlich in den Küstengebieten durchführten, wo Kiswahili bekannt war und von der einheimischen Bevölkerung gut gesprochen wurde. Das Gebiet umfasste Dar-es-Salam, die Küstenregion und das südliche Morogoro, d.h. Mahenge, Ulanga und Kilombero. Diese Gebiete wurden von den Wamatumbi, Wamachinga, Wazaramo, Wakwere, Wandengereko, Wamwera, Wazigua, Wapogoro, Wandamba, Wandendeule, Wabena, Wangindo, Wamakua, usw. bewohnt. Es war also einfacher für die Kapuziner, die nur Kisuaheli-Bücher verwenden mussten, die bereits von ihren Vorgängern, den Heilig-Geist-Patres, Benediktinern und Weissen Vätern (Afrikamissionaren) übersetzt worden waren. Ebenso waren die Kapuziner nicht verpflichtet, andere einheimische Sprachen zu lernen, sondern sie sollten nur Kiswahili lernen und die Schulen für katechetische Ausbildung bauen, um Katechisten auszubilden, die notwendige Hilfskräfte wurden.

Abgesehen vom sprachlichen Vorteil, den die Kapuzinermissionare gegenüber den früheren Missionaren hatten, beschäftigten sie sich vor allem mit dem Aufbau der Ortskirche.[10] Unabhängig davon, welche Station sie gründeten, bauten sie dauerhaft grosse Kirchen, Häuser für Priester und Schwestern, Primar- und Sekundarschulen, Berufsschulen (Hauswirtschaft, Technik, Handel, Katechese) und Gesundheitseinrichtungen (Ambulatorien und Spitäler). In der Tat können die Bistümer, die von den Kapuzinermissionaren aus der Schweiz gegründet und betreut wurden (Dar-es-Salam, Mahenge und Ifakara), auf diese hinterlassenen Infrastrukturen stolz sein.

Pastorale Besonderheit der Kapuzinermissionare: Stärke und Schwäche
Die Kapuzinermissionare waren bekannt für ihre Merkmale (oder Charismen) der Armut (manuelle Arbeit mit den Einheimischen) und Einfachheit (pastorale Hausbesuche und Teilhabe am Leben der Einheimischen, einschliesslich Gebet).

Ihr Gemeinschaftsleben und die Zusammenarbeit zwischen den Priestern und Brüdern, ohne Eigenbesitz, war eine grosse Lehre für die Menschen vor Ort. Durch Einladungen an die Menschen, mit ihnen zu beten, schufen die Kapuziner eine sehr enge Beziehung zu ihnen. Zum Beispiel pflegte Br. Gerald Küster jedes Haus zu besuchen und mit den Einheimischen zu essen, selbst als er blind wurde. Sie waren beeindruckt von der Art und Weise, wie die Brüder sich gegenseitig achteten und zusammenarbeiteten, auch bei der handwerklichen Arbeit, als ein Team. Zum Beispiel wurde uns erzählt, dass sogar Erzbischof Edgar Aristides Maranta von Dar-es-Salam (1953-1968) ein Experte im Dachdecken war!

Die Kapuziner predigten nicht den triumphierenden Christus, sondern Christus, den Gekreuzigten (1Kor 1,23; 2,2). Zum Beispiel gab ein Missionar den Menschen das Kreuz und sagte ihnen, sie sollten es als das Wertvollste aufbewahren. Sie waren glücklich, weil sie ihre Verarmung und ihr Leiden mit dem gekreuzigten Christus identifizieren konnten. Im Gegensatz zu den modernen Predigern in Tansania, welche die Menschen zu einem eigenartigen Glauben verleiten, der ihnen wundertätigen Reichtum verspricht,[11] waren die Kapuziner darauf bedacht, die Menschen durch harte Arbeit auf die Realität vorzubereiten. Ihre seelsorgerische Methode erleichterte ihre apostolische Arbeit sehr und brachte eine Fülle von positiven Erfolgen.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Missionaren, die den Einheimischen ihre Muttersprache, ihr Essen, ihre Kultur usw. beibringen wollten, vor allem den Franzosen und Italienern, ein Umstand, der heute noch bezeugt werden kann lehrten die Kapuziner weder ihre Schweizer-Deutsch-Sprache noch brachten sie ihr eigenes Essen und ihre Kultur mit. Stattdessen förderten sie den Gebrauch von Kiswahili und assen, was die Einheimischen anbieten konnten. Andererseits wirkte sich der kapuzinische Geist des Teilens mit den Armen und ihr Mitgefühl für deren Leiden negativ auf ihren Selbstverantwortungssinn aus. Sie entwickelten eine Abhängigkeit von den Vorräten, die von den Missionaren gespendet wurden. Die Armen kamen an die Türen der Missionen und bettelten um Kleidung, Essen, Geld usw. Leider vergassen sie, wie hart die Missionare für ihre Bedürfnisse selbst gearbeitet hatten, und entwickelten eine Abhängigkeitsmentalität, die später die Bemühungen der Regierung um Selbstständigkeit untergrub, ein Leitmotiv, das vom Tag der Unabhängigkeit an stark propagiert wurde.

Ein weiteres Versagen der Kapuzinermissionare (vielleicht aller ausländischen Missionare) war, dass sie ihren Gläubigen weismachten, die Missionierung sei nichts für Afrikaner. Dass die Afrikaner nur die Begünstigten seien! Erstens vermittelten sie in ihren Predigten selten die Idee, dass die Gläubigen die Aufgabe haben, ihre Geistlichen materiell und geistlich zu unterstützen. Sie informierten ihre Adressaten nicht darüber, wo und wie sie ihre Spenden bekamen. Zweitens, der Gedanke, dass Afrikaner nicht berufen sind, Missionare zu sein, weil sie materiell reich sein müssen, wie die Europäer! Sie vergassen, dass Jesus, als er seine Apostel aussandte, ihnen verbot, etwas mitzunehmen (vgl. Mt 10,9-10). Und die Apostel Petrus und Johannes sagten dem Lahmen, der am Tempeltor, welches ‚das Schöne‘ genannt wurde, bettelte, dass sie kein Silber oder Gold hätten, um ihm etwas zu geben, aber sie würden ihm geben, was sie hätten, nämlich die Kraft der Heilung von Christus: «Silber oder Gold habe ich nicht, aber was ich habe, das gebe ich dir. Im Namen Jesu Christi von Nazareth, steh auf und geh!» (vgl. Apg 3,6)

Tatsächlich wurde die Situation durch die Vernachlässigung der traditionellen Werte der Einheimischen durch die Missionare noch verschlimmert. Ihre Vorurteile liessen sie glauben, dass die Afrikaner nichts zu bieten hatten, obwohl sie ihre Kiswahili-Sprache verwendeten. Sie gaben sich keine Mühe, ihre Kultur, Bräuche und Traditionen zu verstehen. Sie hielten alles Afrikanische für primitiv und wertlos. Sie unternahmen alle Bemühungen, sie zu beseitigen, darunter ihre Gebete (Verehrung oder Ehrfurcht vor dem Ahnengeist), Initiationsrituale, Lieder, Tänze, Kleidung, Kunst, usw.; sie betrachteten sie als teuflisch.[12] Sie wollten, dass sie zu Europäern in schwarzer Haut werden. In der Folge wurde der christliche Glaube zu etwas völlig Fremdartigem und von der einheimischen Bevölkerung entfremdet. Diese Gegensätzlichkeit hat sich bis heute gehalten. Man hört Theologen über westliche Theologie gegenüber afrikanischer oder Dritte-Welt-Theologie reden! Wenn Theologie «Gotteserkenntnis» bedeutet, heisst das dann, dass es einen Gott für Europäer und einen anderen für Afrikaner gibt? Zwar wurde die Inkulturation vernachlässigt und entmutigt, ein Missgeschick, das zu einem noch gefährlicheren Synkretismus führte. Bis heute kann man beobachten, dass Menschen christliche Zeremonien in der Kirche feiern und dann zu Hause ihre eigenen traditionellen Zeremonien abhalten, wie zum Beispiel Hochzeiten und Beerdigungen. Dies ist ein Bereich, an dem die afrikanische Kirche im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils zu arbeiten versucht, auch wenn der Weg schwierig ist.

Erst in jüngster Zeit, seit etwa dreissig Jahren, hat sich diese irregeleitete Mentalität zu ändern begonnen. Jetzt haben die Gläubigen begonnen, den christlichen Glauben als ihren eigenen anzunehmen. Sie haben begonnen, die Ortskirche und ihre Seelsorger zu unterstützen, und einige von ihnen wurden als einheimische Missionare in ihre eigenen Länder sowie nach Übersee gesandt. Zum Beispiel hat die Kapuzinerprovinz von Tansania in den letzten fünfzehn Jahren bereits ihre Brüder in fünf andere Länder gesandt: Südafrika, Malawi, Papua-Neuguinea, die Vereinigten Staaten von Amerika und Italien. Es wird jedoch noch einige Zeit dauern, bis sich die alte Mentalität bei einem Grossteil der Gläubigen ändert und sie dazu bringt, ihre eigenen Missionare zu unterstützen.

Da die Kapuzinerprovinz von Tansania in diesem Jahr das hundertjährige Jubiläum der Kapuzinerpräsenz in Tansania (1921-2021) feiert, wird es eine ihrer Prioritäten sein, diese Missstände anzugehen: die Einstellung zur Selbstständigkeit, die Unterstützung der Kirche und die Förderung des missionarischen Geistes und der Inkulturation, nicht nur unter den Brüdern, sondern vor allem in der ganzen Ortskirche.

Fazit
Es ist unbestritten, dass Kiswahili eine der bekanntesten und am meisten genformten afrikanischen Sprachen ist. Sie spielt daher eine grosse Rolle bei der Förderung von religiösen, sozialen, politischen, kommerziellen und kulturellen Bereichen. In Bezug auf die Religion hat die Kirche in Tansania und Ostafrika im Allgemeinen die meisten wichtigen Dokumente der Kirche in Kiswahili übersetzt und sie so den Menschen zugänglich gemacht. Es gibt sogar Ausgaben der Bibel für Kinder in Kiswahili (siehe einige Umschlagmuster dieser Ausgaben im Anhang). Ausserdem werden alle liturgischen und religiösen Veranstaltungen in Kiswahili gefeiert. Wie jede andere Sprache ist Kiswahili das Medium der Kommunikation; daher dient es als Medium für Gottes Botschaft und Information. Solange Kiswahili für über 90% der Tansanier die Hauptsprache ist, wird es automatisch einfacher, das Wort Gottes zu verkünden, indem man es benutzt. Die zahlreichen kleinen Christlichen Gemeinschaften (SCC) in Tansania, die recht effizient und effektiv in der Evangelisation arbeiten, sind auf den Gebrauch von Kiswahili zurückzuführen, das jedem Teilnehmer bekannt ist. Sie benutzen Kiswahili beim Teilen des Evangeliums, beim Beten, beim Singen und bei allen Diskussionen.

Heute ist Kiswahili die offizielle Landessprache der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC), die sich aus Tansania, Kenia und Uganda mit 150 Millionen Menschen zusammensetzt; und es wird von etwa 250 Millionen Menschen weltweit gesprochen. Tatsächlich kann man die Frohe Botschaft in Kiswahili überall in Tansania, Kenia, Uganda, Ruanda, Burundi, im Osten der Demokratischen Republik Kongo, im Südsudan, in Südsomalia, im Norden Mosambiks, auf den Komoren, im Norden von Malawi und in einigen nördlichen Teilen Sambias verkünden. Darüber hinaus ist Kiswahili der mächtigste Auslöser für die Förderung der Einheit und Integration des afrikanischen Kontinents in politischer, sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht geworden. Derzeit ist Kiswahili eine der offiziellen Sprachen, die von der Afrikanischen Union (AU), der Southern African Development Community (SADC) und der East African Community (EAC) verwendet werden.

Der einzige Rückschlag ist, dass viele akademische Studiengänge im Sekundar- und Hochschulbereich, einschliesslich philosophischer und theologischer Studiengänge, noch nicht in Kiswahili übersetzt wurden; ein Prozess, der derzeit in Tansania umgesetzt wird. Aus diesem Grund werden in diesem Bereich immer noch die Kolonialsprachen verwendet. Dennoch war der Prozess der Anwendung von Kiswahili in der zweiten und dritten Stufe der Bildung nicht ohne Hindernisse. Einige Menschen, die bisher Fremdsprachen wie Englisch und Französisch gebraucht haben, betrachten Kiswahili als eine unzivilisierte einheimische Sprache, die in formalen und beruflichen Bereichen nicht verwendet werden kann. Infolgedessen wurden einige Lösungen entwickelt, um diesen Problemen zu begegnen: Auf allen Ebenen müssen Bemühungen unternommen werden, die Menschen zu erziehen, um solche negativen Vorurteile abzubauen, indem die Wahrheit vermittelt und gezeigt wird, dass Kiswahili eine ebenso glaubwürdige Sprache ist wie jede andere Sprache der Welt.

William Ngowi, OFMCap


[1] Vgl. KEVIN SHILLINGTON, (2005), Geschichte von Afrika, 2. Auflage, NY: Palgrave Macmillan, 120.

[2] Periplous vom Erythraeischen Meer (ca. 100-70 v. Chr.) schreibt über seine Reise an die ostafrikanische Küste und die Präsenz von Arabern, die bereits mit den Einheimischen Geschäfte machten. Er erklärt, dass die Einheimischen keine Araber waren und dass sie ihre eigene Sprache sprachen, die nicht arabisch war. Und dass die arabischen Handelsleute kaum die Sprache der Einheimischen sprechen konnten, um Geschäfte zu machen. Vgl. DAVID, P.B. MASAMBA, (2002), Historia ya Kiswahili, 50 BK hadi 1500 BK, The Jomo Kenyatta Foundation, Nairobi: The Jomo Kenyatta Foundation Enterprise, 27-28; KEVIN SHILLINGTON, (2005), Geschichte von Afrika, 122-126.

[3] Vgl. DAVID, P.B. MASAMBA, (2002), Historia ya Kiswahili, 50 BK hadi 1500 BK, 21-22.

[4] Vgl. DAVID, P.B. MASAMBA, (2002), Historia ya Kiswahili, 50 BK hadi 1500 BK, 4-7, 11-12.

[5] Vgl. DAVID, P.B. MASAMBA, (2002), Historia ya Kiswahili, 50 BK hadi 1500 BK, 35-50.

[6] JOHANN, LUDWIG KRAPF, Ein Wörterbuch der Suahili-Sprache, 1882 CE.

[7] Kinyasa ist die Hauptsprache der Menschen im östlichen südlichen Tanganjika-Hochland und im nördlichen Malawi.

[8] TANZANIA EPISCOPAL CONFERENCE, (2018), Jubilei ya Miaka 150 ya Uinjilishaji Tanzania: Furaha ya Injili, Dar es Salaam: TEC, 5.

[9] Vgl. TANZANIA EPISCOPAL CONFERENCE, (2018), Jubilei ya Miaka 150 ya Uinjilishaji Tanzania: Furaha ya Injili, 28-32.

[10] Es ist bemerkenswert, dass die Schweizer Kapuzinermissionare erst 1957 mit der Einpflanzung des Ordens in Tansania begannen, als sie zufrieden waren, dass sie genug getan hatten, um die örtliche Kirche zu etablieren, darunter die Ernennung von Bischof Elias Mchonde zum Weihbischof des Erzbischofs von Dar-es-Salam im Jahr 1956, der später im Jahr 1964 zum ordentlichen Bischof von Mahenge wurde.

[11] Einige dieser Pfingstkirchen in Tansania werden von der verstorbenen Pfingstbischöfin Gertrude Rwakatare von der Assemblies of God – Church of Mountain of Fire, Bischof Zacharia Kakobe von der Church of Full Gospel Bible Fellowship und Anthony Lisekela ( auch bekannt als Mzee wa Upako) von der Church of New Jerusalem Ministry geleitet.

[12] Ahnenverehrung oder Ahnenkult wurde als «Anbetung der Ahnen», verstanden, was in Frage gestellt werden kann. Ehrfurcht oder Verehrung ist nicht dasselbe wie Anbetung. Tatsächlich beteten diese Menschen ihre Ahnengeister nicht an, sondern sie ehrten sie, weil viele von ihnen an einen absoluten Gott glaubten. Die Ahnengeister waren nur die Vermittler oder Medien der Kommunikation mit dem Absoluten Gott, der sie erschaffen und für sie gesorgt hat. Die christlichen Missionare hätten sich die Zeit nehmen können, ihren Glauben zu verstehen und von dort aus den Elementen tiefer zu erklären, die gegen die Botschaft des Evangeliums und die christliche Theologie waren. Ich glaube, das wäre vielleicht der richtige Ansatzpunkt im Prozess der Inkulturation gewesen.