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Ist es in der reichen Schweiz noch möglich, seine eigene Existenz in einer Art und Weise zu gestalten und so ähnlich zu leben wie diejenigen Menschen, die in sozialer und wirtschaftlicher Unsicherheit und auch oft auf der Strasse leben? Der Tessiner Kapuziner Martino Dotta, der seit Jahren mit den bedürftigsten Menschen in unserem Land zusammenarbeitet, macht sich dazu Gedanken.
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Warum können wir uns nicht einfach so annehmen, wie wir sind, sondern suchen heute vermehrt die Hilfe von Schönheitschirurgen und -chirurginnen, «um der Natur etwas auf die Sprünge zu helfen?» Das erfragen wir im Gespräch mit Dr. Eva Neuenschwander von Zürich.

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Ein längeres Gespräch mit Paul Hinder, Bischof von Arabien.

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Wir fuhren von der Hauptstadt Nairobi in den Norden des Landes. Nach mehreren Stunden Fahrt verliess unser Fahrer die geteerte Strasse und sagte: «Jetzt betreten wir Kenia B.» Ich erinnerte mich an das, was uns Daniel Wang’ombe von der Kommission Gerechtigkeit und Frieden der Kirche in Kenia ein paar Tage zuvor gesagt hatte: «In diesem Land gibt es Menschen, die während vieler Jahre derart vernachlässigt wurden, dass sie ihr Leben lang nie eine geteerte Strasse gesehen haben. Sie haben keine Schulen, Spitäler und keine Märkte, wo sie ihre Kühe und anderen Tiere handeln könnten. Das sind die Quellen für Konflikte.» Und dazu sind in diesem Kenia B riesige Erdölvorkommen, das schwarze Gold, entdeckt worden; mit der Hoffnung auf riesige Gewinne. Aber von diesen Ressourcen wird die lokale Bevölkerung so gut wie nie profitieren.

Wegen eines defekten Kühlers an unserem Fahrzeug mussten wir die Nacht in einem kleinen Dorf verbringen. Bei Tagesanbruch nahmen wir an der Wochenmesse teil. Die Kirche war fast leer: Vier Erwachsene und zwei Kinder. Das Mädchen mit vielleicht 14 Jahren füllte mit ihrem Gesang den ganzen Kirchenraum, sang das Eingangslied mit einer klaren und dynamischen Stimme und begleitete die Lieder mit ihrer Trommel. Ihr kleiner Bruder hielt pflichtbewusst das Buch mit den Texten. Auf diesem Mädchen ruhte eindeutig die ganze Feier der Liturgie.

Bilder von einem Treffen mit Animatorinnen und Animatoren in Nairobi kamen mir in den Sinn. Es waren in der Mehrheit Frauen, wie so oft in der Kirche. Am Ende des Vormittags wurde Eucharistie gefeiert. Der Priester kam von ausserhalb der Gruppe, wenige Minuten vor Beginn. Es war wie ein kleines Wunder: Schöne Lieder wurden gesungen, begleitet von zwei Schlaginstrumenten. Ich hatte den Eindruck, als wäre mit einem Zauberstab ein langweiliger, schwarz-weisser Tagungsraum bunt geworden oder als ob man mit einem Augenzwinkern ein leuchtend gelbes Rapsfeld hergezaubert hätte.

Was in beiden Fällen auffällt, ist die Stärke der Laien, die mit dem Dienst des Priesters in perfekter Harmonie steht. Überraschend war für mich auch, wie sich die Körper sehr harmonisch mit den afrikanischen Klängen und Impulsen des Herzens bewegen.

Echte und geteilte Freude

Wir fuhren weiter durch Kenia B, ohne geteerte Strassen. Herden von Kühen oder Ziegen, endlos und chaotisch, geführt von den nomadischen Hirten – die Menschen leben hier hauptsächlich von Viehzucht –  kreuzten unseren Weg.

Am nächsten Tag erlebten wir eine weitere spannende Begegnung in Suguta Marmar, einem kleinen Dorf, verloren in der Halbwüste Nordkenias. Es war ein Treffen der katholischen Kinder- und Jugendorganisation. Auch dieses Treffen mit rund 150 Kindern leiteten vor allem Frauen. Es war nicht die überbordende Lebendigkeit der Kinder, die so sehr berührte, sondern die fast greifbare Freude, die die Kinder und die Animatorinnen beseelte. Echte und geteilte Freude, die die ausserordentliche Vitalität der lokalen Kirche und etwas von der Schönheit des Lebens in Gott ausdrückte.

Nach dem Treffen interviewten wir fünf dieser Animatorinnen. Viele sind Mütter von Familien. Sie gehören vier verschiedenen ethnischen Gruppen an. In diesem Interview kam zum Ausdruck, wie sehr die Schulbildung, die Mädchen bis vor kurzem versagt war, den Status der Frauen in allen ethnischen Gruppen aufwertet. Diese Frauen akzeptieren nicht mehr wie zuvor Verhalten und Handlungsweisen, die in ihrer traditionellen Kultur verwurzelt sind, wie zum Beispiel die Polygamie oder die Beschneidung von Frauen. Diese Änderungen scheinen sehr behutsam vonstatten zu gehen, ohne die Regeln des Clans direkt anzugreifen. Diese Frauen haben ihren Platz gefunden und sind zweifellos wegweisende Akteurinnen der fortschreitenden Veränderung der kenianischen Gesellschaft.

Bildung durch die Kirche

Ganz offensichtlich spielt die Kirche eine wichtige Rolle bei der Bildung. «Die meisten Schulen und Krankenhäuser des Landes werden von der katholischen Kirche getragen», sagt Daniel Wang’ombe. Aber diese fünf Frauen in Suguta Marmar sind besonders dankbar, dass ihnen die Kirche echte Verantwortung überträgt – sie leiten Gruppen aller Art und beleben die Liturgien – und dass sie sich durch diese ihrer wahren Würde bewusst werden.

Durch ihren gemeinsamen Glauben verstehen sich diese Frauen aus den verschiedenen Ethnien als Schwestern in Christus. Während manchmal heftige Auseinandersetzungen zwischen ihren ethnischen Gruppen tödlich enden, stellen sie fest: «Wir sind viele aus unterschiedlichen Gemeinschaften, doch im Moment, wenn wir zur Kirche kommen, werden wir eins. Wir lassen unsere Unterschiede zuhause. Wenn wir in die Kirche kommen, sind wir ein Leib, ein Leib Christi.»

Auch wenn – aus europäischer Sicht – der Status der Frau in Kenia wenig beneidenswert erscheint, stellen diese Frauen die Dominanz der Männer nicht in Frage: «In der afrikanischen Kultur ist der Mann immer das Haupt der Familie!» Allerdings nimmt die Stärke der Frauen in Kenia zu und sucht seinen Platz, gewinnt an Status, ohne offene Konfrontation, sondern mit Anmut, Entschlossenheit und Offenheit. Ruth Soo Oloko, eine Frau aus Nairobi, bringt es auf den Punkt: «Gemeinsam, zusammen mit den Männern, bauen wir an unserem Glauben, damit wir gemeinsam unsere Wirtschaft und unser Land aufbauen und unsere Kirche tragen können.»

 Jacques Michel, Missio

Übersetzung: Siegfried Ostermann, Missio


Weltmissionssonntag

SO. Der vorletzte Sonntag im Oktober ist der Weltmissionssonntag. Er wird weltweit gefeiert. In allen Gottesdiensten wird eine gemeinsame Kollekte aufgenommen. Mit dieser Kollekte wird ein Ausgleich zwischen den finanziell begüterten und den weniger begüterten Ortskirchen hergestellt: Alle tragen dazu bei, alle geben in die Kollekte. Auch die, die aus diesem gemeinsamen Topf erhalten. Der Weltmissionssonntag möchte aber über das materielle Teilen hinausgehen. Deshalb stellt Missio jedes Jahr eine Gastkirche ins Zentrum ihrer Kampagne. In diesem Jahr ist es Kenia. Mit den Katholikinnen und Katholiken dort sind wir besonders im Gebet verbunden.

Mit der Kollekte vom Weltmissionssonntag im letzten Jahr konnte die Schweizer Kirche über 650000 Franken an den Solidaritätsfonds der Weltkirche leisten.

 

In den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts haben grosse Umbrüche das Verhalten gegenüber dem Tod geändert und es sogar auf den Kopf gestellt. Viele Beobachter jener Jahre haben sich diese Veränderungen dadurch erklärt, dass die westlichen Gesellschaften den Tod verdrängt oder tabuisiert haben. Das sei das Resultat des – wie man annimmt – Verschwindens von Ritualen und der kollektiven Auseinandersetzung mit dem Tod; ganz im Gegensatz zu anderen, vor allem afrikanischer Gesellschaften, in denen der Tod einen Platz hat, der zum Leben gehört.

Die Verdrängung des Todes hängt zusammen mit den Veränderungen in Demographie, Wirtschaft, Technologie, Medizin und soziologischen Bedingungen. Es sind Veränderungen, die die Zeitlichkeit des Sterbens und dessen Umstände betreffen.

Um das aktuelle Verhältnis zum Tod zu verstehen, muss man sich derzeit weniger mit Verdrängungen und Tabus beschäftigen. Es zeigt sich vielmehr eine Einstellung, die seit der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts immer mehr sich selber definiert: das Ende des Lebens. Die Einzelnen werden sich stärker ihrer besonderen Zeitlichkeit bewusst. Diese Einstellung ist durch mehrere Faktoren bestimmt: Der Fortschritt der Medizin ermöglicht einen besseren Zugriff auf Krankheiten; die Autorität des Arztes verliert mehr an Einfluss auf den Patienten, der selbstbestimmter geworden ist.

Spannungen über Zeitpunkt des Sterbens

In dieser Perspektive werden das Finden und die Vorwegnahme von Entscheidungen immer wichtiger. Die Anweisungen des Arztes und die Therapien, die sich daraus ergeben, werden in einer neuen Zeitlichkeit ausgehandelt. Diese orientieren sich nicht allein an der Agonie und am unmittelbar bevorstehenden Tod. Dabei entsteht bei Patienten und Angehörigen, die ihnen beistehen, nicht selten der Eindruck, der Patient sterbe zu früh oder zu spät.

Dieses Phänomen erklärt sich durch die Spannung, die durch die gleichzeitige Gewissheit und Ungewissheit über den Zeitpunkt des Eintritts des Todes entsteht. Diese Spannung ist charakteristisch für den Zeitpunkt des Sterbens, der sich hinauszögern oder auch manchmal unerwartet beschleunigen kann. Diese Zeitlichkeit wird mit mehr oder weniger Intensität erlebt.

Verschiedene Faktoren haben dazu beigetragen, diese neue Zeitlichkeit entstehen zu lassen. Einer hat mit den neuen Grenzen des Todes zu tun. Seit den Sechzigerjahren hat man eine neue Definition von Tod vorgeschlagen und sie in den meisten Ländern auch gesetzlich verankert. Es handelt sich um den Gehirntod, der auf dem totalen und unwiderruflichen Verlust der Hirntätigkeit beruht.

Diese neue Definition des Todes ist eng verknüpft mit den Techniken der Wiederbelebung und der Transplantation. Der Tod, sein Verständnis und seine Realität führen zu einem Zwischenraum der Unsicherheit; ein Zustand, der dauern kann. Weil der Zeitpunkt des Todes hinausgeschoben wird, entstehen unbewusste Hoffnungen oder die Angst vor therapeutischen Übergriffen; denn aus einem rein technischen Gesichtspunkt wird der Tod wenigstens zum Teil kontrollier- und beherrschbar.

Zwei gegensätzliche Positionen

Zur gleichen Zeit haben sich die medizinischen Diagnostiker und ihre Behandlungsmethoden wesentlich verbessert. Sie machen es schwierig, mit Genauigkeit festzuhalten, wann das Ende des Lebens eintritt. Es gibt seit den Sechzigerjahren Bewegungen und einzelne Bürger, die für den Schutz der Patienten eintreten: Soll man oder soll man nicht reanimieren? Wann muss man die Maschinen abstellen?

Angesichts dieser komplexen Fragen haben sich aufs Ganze gesehen zwei gegensätzliche Positionen herauskristallisiert, wobei beide von derselben Grundüberzeugung ausgehen: Es geht darum, die Würde der Patienten zu wahren. Auf der einen Seite stehen die, die angesichts des Todes an der freien Wahl des Individuums festhalten und bereit sind, bei einem freiwilligen Suizid Beihilfe zu leisten; auf der anderen Seite stehen die, die den Schmerz mit palliativen Mitteln lindern, ohne den Zeitpunkt des Todes zu beschleunigen.

Ein zweiter Faktor, der unser Verhältnis zum Sterben verändert hat, ist die Demographie. Unsere zeitgenössischen Gesellschaften haben einen massiven Rückgang der Kindersterblichkeit erlebt. Auf der anderen Seite stehen wir vor einer beträchtlichen Überalterung der Bevölkerung. Man rechnet in Zukunft mit einer weiteren Zunahme der Menschen, die sehr alt werden.

Zurzeit zählen wir in der Schweiz 60’000 Todesfälle im Jahr; für das Jahr 2050 werden gegen 90’000 erwartet. Das Ende des Lebens wird dadurch auch zu einem Thema des öffentlichen Gesundheitswesens. Mit der Verlängerung der Lebenserwartung stösst eine grössere Zahl von Generationen aufeinander; die ersten Todesfälle von Menschen, die einem nahe stehen, erleben wir bereits heute manchmal erst im Erwachsenenalter. Die Zahl der Todesfälle, die im Schoss einer Familie geschehen, nimmt zu und gleichzeitig erfahren die Strukturen der Familie wichtige Veränderungen, etwa durch die erhöhte Zahl von Ehescheidungen und von Patchworkfamilien.

Ein dritter Faktor betrifft die Orte, wo wir sterben, und die Professionalisierung des Umgangs mit dem Sterben, mit dem Leichnam und nicht zuletzt mit der Trauer. Heutzutage sterben die wenigsten Menschen bei sich zu Hause. Alle Bereiche des Sterbens, des Todes und der Trauer sind heute institutionalisiert, professionalisiert und von der Medizin in Beschlag genommen.

Existentielle Fragen

Welchen Platz nehmen die existentiellen Fragen ein, angesichts dieser neuen Realität, die das Sterben in unseren zeitgenössischen Gesellschaften ausmacht? Was hat die spirituelle Dimension in dieser Realität noch zu sagen? Und wie soll man sich als Individuum in dieser Zeitlichkeit bewegen, die sich hinzieht und in der so viele Professionelle und Freiwillige engagiert sind? Auf diese Fragen gibt es keine fertigen Antworten. Klar ist aber, dass die neue Vorstellung von der Zeitlichkeit des Lebensendes des Lebens uns nötigt, die Modalitäten der Begleitung und der Nähe zu den Kranken unter einem neuen Gesichtspunkt zu überdenken.

Ich habe mich seit bald zwanzig Jahren wissenschaftlich mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Mir persönlich scheint es wenig sinnvoll voraussagen zu wollen, wie ich mich einstellen werde, wenn ich am Sterben bin. Ich weiss aber immerhin, dass die Art und Weisen zu sterben sehr verschieden sind und dass sie starken sozialen, wirtschaftlichen und demographischen Zwängen ausgesetzt sind. Aber das bewahrt einem nicht vor Ängsten, Hoffnungen, Zweifeln, Emotionen und Fassungslosigkeit; diese alle werden meine Existenz bis ganz zum Schluss bestimmen.

Wie verschieden auch die Umstände sind, ich bin überzeugt, dass es für mich wichtig ist, von dieser paradoxen Präsenz der anderen profitieren zu können – seien es Angehörige oder Professionelle je in ihrer Weise –, um diese Zeitlichkeit zu leben. In meinen Augen trägt das dazu bei, im Herzen am Lebensende eine Spiritualität wachsen zu lassen oder zumindest Bedingungen zu schaffen, die dieser Spiritualität Raum geben.

 Marc-Antoine Berthod


 Unser Autor

Marc-Antoine Berthod ist Professor an der Hochschule für soziale Arbeit und Gesundheit EESP in Lausanne. Sein Forschungsgebiet ist die Begleitung in der Trauer und am Ende des Lebens, und das besonders in der Arbeits- und Unternehmenswelt. Er ist Mitglied der Redaktionskommission der Schweizerischen Zeitschrift für Ethnologie und Präsident der Gesellschaft zum Studium des Todes in der französischen Schweiz.

Es ist ein wolkenverhangener und nasser Frühlingstag in Hurden. Trotzdem hat man nicht nur von der Cafeteria im Parterre aus einen traumhaften Blick auf den Zürichsee, sondern auch von den vier schlicht eingerichteten Zimmern des Hospizes im zweiten Stock. Die Atmosphäre ist ruhig und entspannt, auch als ich mich länger mit einem 58-jährigen Vater von zwei Buben unterhalte, der – unheilbar an Darmkrebs erkrankt – hier Aufnahme gefunden hat. Und ich denke unwillkürlich: Doch, hier könnte ich mir vorstellen, meine letzten Tage zu verbringen …

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Seit über vier Jahren leitet die Baldegger Schwester Jolenda Elsener das erste Hospiz im Kanton Schwyz. Sie hat früher 18 Jahre im Kinder- und Jugendheim Mariazell bei Sursee gearbeitet, neun Jahre als Gruppen- und neun Jahre als Heimleiterin. Anschliessend im Bildungshaus in Dulliken und dann leitete sie ein Altersheim in Zürich. 1999 wurde sie nach Hurden gerufen, wo sie zwölf Jahre das Schwerstbehindertenheim leitete. Seit Oktober 2011 «habe ich die schönste und sinnerfüllendste Arbeit der Welt», lacht Schwester Jolenda: «Ich muss niemanden bekehren, nicht predigen und nicht missionieren. Unsere Gäste müssen nichts mehr müssen, sie sind völlig frei. Wir begleiten sie und sind für sie da, um zum Wesentlichen zu kommen. Und wir selber erhalten vieles zurück durch die zahlreichen tiefen, existentiellen Gespräche mit ihnen.» Schwester Jolenda spricht bewusst von Gästen, da eine Heilung der schwerkranken Menschen im Hospiz Hurden weder angestrebt wird noch möglich ist. Es ist ein Ort, so Schwester Jolenda, wo ihre Gäste erfahren, «dass» sie nicht ‹durch› unsere Hand, sondern ‹an› unserer Hand sterben dürfen».

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Sr. Jolenda hat in den viereinhalb Jahren hier in Hurden viele Menschen sterben sehen, 88 Frauen und 85 Männer insgesamt, und sie blieben im Durchschnitt nur gerade 21 Tage im Hospiz. Fast zu jedem Gast kann sie eine Geschichte erzählen. «Wir sind kein Spital und kein Pflegeheim, zu uns kommen einfach Menschen, deren Betreuung zu Hause nicht mehr organisiert werden kann.» Drei Baldegger Schwestern und vier Pflegefachfrauen sorgen sich um sie in einer familiären und entspannten Atmosphäre und vermitteln den Gästen ein Stück «heile Welt» – Sr. Jolenda meint dies im positiven Sinne und ohne Pathos – «als Vorfreude auf das Paradies.»

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Viele Bewohner von Hurden sind konfessionslos, doch gerade mit ihnen, so Sr. Jolenda, entwickeln sich oft ungeahnt tiefe und spirituelle Gespräche. Wie etwa jener Mann – «Sie müssen mich nicht bekehren!» –, der mit Sr. Jolenda stundenlang in schönsten Worten über die Schönheiten der Natur sprach. Weder sie noch er nahmen dabei das Wort «Gott» in den Mund. Später erzählte er seiner Frau mit voller Überzeugung, Sr. Jolenda habe ihm gesagt: «Gott kennt mich.»

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Sr. Jolenda, worin besteht aber denn die christliche Grundhaltung des Hospizes St. Antonius? – «Wir wollen jedem Gast Raum und Zeit geben, dass er zu sich selber findet, dass er loslassen kann und seine Seele den Weg zum Licht findet.» – Sterben sei, wie die Geburt, eine zentrale existentielle Erfahrung, sagt Sr. Jolenda. Heute liessen sich durch eine gute palliative, medizinische Betreuung bei Sterbenden die meisten Beschwerden und Schmerzen mildern, ja gar vermeiden: «Es macht mich darum sehr traurig, wenn jemand diese existentielle Erfahrung abschneidet durch den selbstgewählten Suizid. Das kann ich als Christ nicht gut heissen.»

Beat Baumgartner


Heim Antonius Hurden

1937 kaufte der Dekan Josef Anton Messmer in Hurden am Zürichsee den Gasthof Engel mit der Idee ein Invaliden- und Erholungsheim zu realisieren und gewann 1938 die Baldegger Schwestern dafür, das Heim zu leiten und zu führen. 1985 wurde das baufällige Haus abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt, in dem schwerstbehinderte Frauen und Männer ab 18 Jahren leben und wohnen.

2011 richteten die Baldegger Schwestern im zweiten Stock des St. Antonius-Heimes ein Hospiz mit vier Zimmern ein. Das Hospiz hat den Status eines Pflegeheimes und wird von der St. Antonius-Stiftung, Baldegg-Hochdorf und freiwilligen Helferinnen und Helfern der Organisation Triangel sowie von Spenderinnen und Spendern tatkräftig unterstützt.

 http://www.klosterbaldegg.ch > St. Antonius Hurden

Kurznachrichten

jumi – smart & smile

Donnerstag, 24. September 2020

Was machen Kinder mit dem Smartphon?

Glaubenssache: online

Mittwoch, 19. August 2020

Online-Magazin zum Glauben neu in drei Sprachen

jumi – Plastik

Dienstag, 11. August 2020

Ein Leben ohne Plastik ist heute kaum mehr vorstellbar.

jumi – Rekord

Dienstag, 23. Juni 2020

Es dreht sich alles um Rekorde.

St. Martin – Die «Weisse Arche»

Mittwoch, 6. Mai 2020

Der renovierten Kirche St. Martin des Klosters Disentis ist ein neuer, spannender Bildband gewidmet, der die Sanierung des berühmten Barockbauwerks nachzeichnet.