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Aids im Busch

Nachdem in der Mitte der 90-er Jahre die ersten Aidsfälle auch im Hochland von Papua Neuguinea/PNG auftraten, begann Schwester Gaudentia Meier mit einem Team von Mitarbeitenden eine Aufklärungsarbeit im Busch.

Beziehungsnetz

Ihr weites Beziehungsnetz, das sie sich im Verlauf der gut dreissigjährigen Arbeit im Gesundheitsbereich aufbaute, ist ihr dabei von grossem Nutzen. Sie kennt unzählige Menschen in den Buschdörfern, Tausenden hat sie auf die Welt geholfen. Um die Aidskranken zu finden, nimmt sie tagelange beschwerliche Wanderungen in den Busch auf sich. Sie schläft in den Buschhütten und erkundigt sich bei dieser Gelegenheit nach den Kranken in der Gegend.

[bild19203w150l]Nähe und Zuwendung

Sie sucht die Hütten auf, oft in der Morgenfrühe. Im Rucksack trägt sie das Material für den Aidstest. Ihre Erfahrung hat sie gelehrt, dass Aidsbefallene selber meist sehr klar wissen, an welcher Krankheit sie leiden. So wirkt ihr Kommen erlösend. Viele Aidspatienten werden oft ausgestossen. Die Angst angesteckt zu werden, ist sehr gross. So kann es vorkommen, dass ein Aidspatient zum Waschen nicht mehr an den Fluss gehen darf und nur noch in der Hütte liegt. Schwester Gaudentia legt dann den Arm um den Patienten, schenkt ihm Nähe und Zuwendung, um der Sippe zu zeigen, dass Ansteckung nicht so geschieht. Dann ist auch der Zeitpunkt gekommen, den Patienten oder die Patientin zu fragen, mit wem sie oder er zusammen gewesen ist. Anschliessend geht sie diesen Spuren nach und beginnt von neuem mit Blutproben. Inzwischen kennt sie alle Aidskranken des Südlichen Hochlandes persönlich. Jeder erhält von ihr in eine Art Hausapotheke mit Medikamenten gegen Durchfall, gegen Schmerzen usw. Dazu ein kleines fotokopiertes Bilderbüchlein, das der Familie des Erkrankten Anleitung gibt, welches Medikament in welchem Fall und in welcher Menge anzuwenden ist, um ein bisschen Erleichterung zu verschaffen. Ist die Erkrankung ausgebrochen, ist der Tod nicht mehr fern.

Ungestüme Entwicklung

Für Schwester Gaudentia sind die Wochen im Busch immer gute Gelegenheit, über Aids zu informieren, falsche Vorstellungen zu korrigieren, Verhütungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Schwester Gaudentia hat im Busch sehr viel über die Art der Verbreitung der Immunschwäche gelernt, auch über die rasante Veränderung der kulturellen Gegebenheiten. Der gesellschaftliche Umwälzungsprozess scheint sich in dieser jungen Nation noch ungestümer und unkontrollierter zu vollziehen als anderswo. Deshalb befürchtet sie, dass die Folgen dieser PNG-spezifischen Ansteckung von viel grösserem Ausmass sind als bis anhin angenommen.

Marie-Ruth Ziegler, Baldegg

ite2002/05

Aids

ite 2002/5

28 Millionen Infizierte
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Virus bedroht die Südsee