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Treffpunkt Campingwagen

Nachdem Jean-Charles Mouttet, der Verantwortliche von Rencar, von Beruf geistlicher Begleiter, sich mehrere Jahre im Bereich von psychischen Erkrankungen, von Suchtverhalten und Einschränkungen für die Freiheit  einer Person eingesetzt hatte, fühlte er sich gedrängt, einen Raum für Begegnungen zu schaffen, der allen zugänglich ist, nahe den entsprechenden Institutionen und zugleich für die Leute im öffentlichen Raum leicht erreichbar.

Der Rencar war eine Frucht längeren Nachdenkens und einer Vertiefung in Theologie, Pastoral und therapeutische Verfahren. All dies floss in die Bachelor-Arbeit ein, die Jean-Charles Mouttet im Juni 2011 an der theologischen Fakultät Fribourg einreichte.

Geistliche Begleitung für alle

Verschiedene Institutionen sind von den Ursprüngen her mit dem Rencar verbunden, gleichwohl soll jedermann und jedefrau von einer Unterstützung oder einer geistlichen Begleitung profitieren können. Der Rencar ist ein Ort, wo man ohne Vorbedingungen zuhört und sich vom Atem des Evangeliums inspirieren lässt. Es geht aber nicht um direktes, ausdrückliches Evangelisieren betont Jean Jacques Theurillat, Bischofsvikar.

Wie schon Jesus Galiläa und Judäa durchwanderte und aufmerksam auf das Unglück der Menschen einging, genau so bewegt sich der Rencar nahe bei den Menschen von heute. Ihnen wird im Namen der christlichen Hoffnung besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Leben ist nicht immer einfach

Schwierige Lebenssituationen gibt es zu Hauf. Der Rencar ist bereit, sich auf alle Situationen einzulassen, auch wenn er nicht beansprucht, alle Probleme lösen zu können. Bei einem ersten Gespräch können die Menschen ihre persönliche Lebensgeschichte erzählen; die professionellen und die freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen mit tiefem Respekt auf ihre Gesprächspartner ein. Sie verfügen über das nötige Fachwissen, um die verschiedenen Problemsituationen einordnen zu können und die Ratsuchenden an die zuständigen sozialen und therapeutischen Einrichtungen weiterzuleiten. Gute Nachrichten sind immer willkommen.

Der Rencar bietet seine Hilfe gratis an. Man kann vorbeigehen und über seine Situation reden. Man kann die Dienste von Rencar immer wieder in Anspruch nehmen, so oft man will, denn Rencar ist ein Ort, der Schutz bietet und aufatmen lässt.

Ein Ort, der unterwegs ist

Finanziert wird der Rencar von der katholischen Kirche des Jura. Für sie ist der Rencar zeichenhafte Präsenz Gottes in unserer Welt, zeichenhaft für einen Gott, der sein Leben für alle hingegeben hat. Der Kirche des Juras geht es nicht um Bekehrungen zum Glauben; sie setzt ihr Vertrauen auf ein Netz von Menschen, die hören und zuhören können. Mit dem Angebot von Rencar öffnet sie sich für ganz unterschiedliche Menschen.

Das Besondere liegt darin, dass in der Begleitung Spiritualität und Religiosität der Menschen einen wichtigen Platz einnehmen. So wird der Rencar oft zu einem Ort des Gebetes, wo Gott alle Hoffnungslosigkeit übergeben werden darf. Auf diese Weise finden Menschen zu sich selber.

Ein Vorteil des Rencar liegt darin, dass er auf die Menschen zugeht und ihnen begegnen will, sei das nun in den jurassischen Städten wie Delémont, Moutier, Porrentruy und St-Imier oder auch auf dem Land, in den Freibergen.

Hilfe, Übergänge zu gestalten

In einer existentiellen Krise kommt es darauf an, die Spiritualität des Anderen ernst zu nehmen. Psychische Erkrankungen führen den Betroffenen in die Isolation. Psychisch kranke Menschen leiden oft unter der Missachtung von Seiten der Gesunden. Dabei wünschen doch viele nichts anderes, als dass sie in ihrer menschlichen Würde anerkannt werden. Heutzutage räumen viele Therapeuten der Spiritualität einen wichtigen Platz im Heilungsprozess ein. In dieser Perspektive versteht sich der Rencar als Verlängerung der klinischen Massnahmen. Er gibt dem Patienten, seiner Umgebung und den Pflegenden die Chance, die spirituelle Dimension neu zu entdecken.

Menschen, die unter Abhängigkeiten leiden, suchen oft in ihrer Tiefe Sinn und Hoffnung. Die spirituelle Begleitung trägt dazu bei, die inneren Quellen wieder sprudeln zu lassen. Nahe bei den Orten, wo solche Menschen festgehalten sind, oder auch während der Besuchszeiten der Angehörigen ist der Rencar für sie bereit und gibt ihnen in diesen Augenblicken der Schwäche Stütze und Halt.

Ökumenische Gemeinschaft

Der Rencar begann mit der Reflexion eines Einzelnen, aber bald entstand eine ökumenische Gemeinschaft von Begleitenden. Jean-Charles Mouttet ist nun von einem Leitungsteam umgeben, das sich zusammensetzt aus Isabelle Wermelinger und der Ordensschwester Ancilla Anderrüthi. Noch vor dem Start von Rencar hatten sich gut zehn freiwillige Chauffeure und ein Dutzend Begleiter und Begleiterinnen zusammengetan und waren bereit, sich für den Rencar zur Verfügung zu stellen.

Hinzu kommen ein gutes Dutzend Pfarreimitarbeiterinnen und -mitarbeiter; auch sie wollen sich auf das Abenteuer einlassen. Sie kommen sowohl aus der römisch-katholischen wie der evangelischen Kirche. In kaum zwei Jahren hat Rencar sich als eigener Dienst der Seelsorge etabliert; es sind fast vierzig Begleiter und Begleiterinnen, die sich engagieren.

Man mag im Augenblick den Eindruck haben, Rencar hätte die Grenzen seiner Möglichkeiten erreicht. Aber es gibt immer noch Freiwillige, die sich melden, um bei Rencar eine «Schnupperlehre» zu machen, weil sie sich darüber klar werden möchten, dass dieser Dienst etwas ist, das zu ihnen passt. Wenn die Leser und Leserinnen Kontakt aufnehmen möchten, dann können Sie dies über http://www.rencar.ch / info@rencar.ch / +41 79 775 33 88 tun.

Nadine Crausaz

Übersetzung: Thomas Morus Huber


Rencar zirkuliert auf den Strassen des Kantons Jura und im Berner Jura. Er versteht sich als ein Strohhalm der Hoffnung für jeden, der sich aussprechen möchte, der eine Zeit des Aufatmens braucht, der seine Vorstellungen hinterfragt, Hilfe braucht, Solidarität sucht, sich selber in Frage stellt oder ganz einfach glauben und hoffen möchte. Der Raum für Gespräche unterwegs ist etwas ganz Neues, er ist allen zugänglich. Er versteht sich als ein Ort, «wo das Verlangen nach Leben und Lebendigkeit sich am Blick des anderen entzündet».


Jean-Charles Mouttet ist der Verantwortliche vom Rencar. Er wurde im Jahr 2011 zum ständigen Diakon geweiht. Als spiritueller Begleiter und als Seelsorger in psychiatrischen Kliniken, in Entziehungshäusern und Gefängnissen ist er einer der ersten Absolventen des Westschweizerischen Instituts für die Ausbildung von Laien im Dienst der Kirche. Das Institut besteht seit 1991. Jean-Charles ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Er lebt in Alle (Jura).