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Von einem speziellen Sternsingerspiel

Die Kulisse der Rapperswiler Schlosstreppe und die Zirkustiere vom Circus Knie inspirierten den damaligen Autor Pius Rickenmann zum Text. Bruno Felix Saladin, Musikdirektor der Caecilia Musikgesellschaft, schrieb die Musik. Die Spielerinnen und Spieler, Sängerinnen und Sänger rekrutierten sich damals aus der dramatischen Gesellschaft sowie der katholischen Musikgesellschaft Caecilia.  Heute sind die Darsteller nicht nur aus Rapperswil-Jona, sondern aus der ganzen Region.

Eine eigene Weihnachtsgeschichte

Krippenspiele gibt es landauf und landab sehr viele. Das Rapperswiler Sternsingen zählt hier zu etwas Besonderem, denn der Text des Krippenspiels ist speziell für Rapperswil geschrieben worden. Im Grundsatz unterscheidet sich dasRapperswiler Sternsingen, immer  am 4. Adventssonntag um 18 Uhr, nicht von anderen Krippenspielen. Im Zentrum stehen immer die Geburt Jesu und die Verweigerung der Herberge sowie der Besuch der drei Könige und der Hirten.

Trotz oder gerade wegen der Kulisse mit dem Burgaufstieg war das Rapperswiler Sternsingerspiel schweizweit ein Novum. Nicht verwunderlich, dass es jedes Jahr weit über 1000 Zuschauer in die Altstadt lockt. Denn das Mysterium der Geburt Jesu, dargestellt von über 100 Laienschauspielern, ist einzigartig.

Betteln für Gutes

Am 5. Januar 1958 begannen engagierte und einflussreiche Leute in Rapperswil mit diesem Heischebrauch (heischen = betteln) – doch wurde er professionell aufgezogen.Schnell entwickelte er sich in eine  eigene Richtung. Der zweite Umzug fand nicht mehr im Januar, sondern am vierten Adventssonntag 1959 statt. Das hat Programm: Nicht die drei Könige, sondern das Krippenspiel steht im Mittelpunkt und soll auf Weihnachten einstimmen. Seither – sofern dieser Tag nicht auf den 24. Dezember fällt – findet das Sternsingen am vierten Adventssonntag statt. Ursprünglich zogen sich die Sternsinger in den Hallen des Circus Knie um. «Da ist immer alles voller Sägemehl gewesen », erinnert sich Regisseur Peppi Mächler. Er hatte beim dritten Umzug erstmals mitgemacht und ist seit 1989 für die Regie zuständig. Als die Bahnbarriere beim Bahnhof durch eine Unterführung ersetzt wurde, musste ein neuer Weg gesucht werden – die edlen Könige, hoch zu Ross, wären nicht mehrdurchgekommen.Seither ziehen sich die Sternsinger im Kapuzinerkloster um und laufen von da durch die Gassen der Altstadt zum Hauptplatz und Burgaufstieg.

Jesus spricht nicht Mundart

Das Rapperswiler Sternsingerspiel ist in Hochdeutsch geschrieben. Die Lieder des Hirtenchors sind 4-stimmige Gesänge, die von den wenigen Chormitgliedern viel abverlangen. Die Lieder der Engel sind 2-stimmig, was für die 20 kleinen Engel – es sind vornehmlich Fünftklässler – sowie die 14 grossen Engel – junge Damen im Alter von 18 bis 30 Jahren – anspruchsvoll ist.

Die Sprache des Spiels sollte einmal geändert werden: Mundart statt Hochdeutsch, doch dies wurde sofort wieder verworfen. Dialekt statt Schriftsprache, die Texte würden ihre ureigene, spezifisch für Rapperswil geschriebene Erzählung der Geburt Jesu verlieren.  Auch heute weisen alle Sternsinger eine inhaltliche und sprachliche Änderung weit von sich. An der guten Tradition soll nicht gerüttelt werden.

Verdiente Schauspieler

Othmar Büchel war an jedem Rapperswiler Sternsingen dabei. Eigentlich sei ja sein Vater als Trossknecht angefragt worden. Dieser habe aber auf seinen Sohn verwiesen. Darum ist Büchel mit 17 Jahren erstmals als grüner Trossknecht mitgezogen. Und so blieb es bis heute.

Einige Kleidungsstücke waren ursprünglich aus bemaltem Kunstledergefertigt. «Haben wir  geschwitzt!», erinnert sich Büchel. Später wurden diese Gewänder durch baumwollene Kleider ersetzt. Entworfen wurden die Kleider von Hedwig Eberle-Giger. Sie entwarf unter anderem auch die Kostüme zum Bundesfeierspiel und zum Welttheater in Einsiedeln.

Die Säulen des Sternsingens

Sternsinger nehmen zwei Aufgaben wahr. Sie bringen den Leuten biblische Geschichten näher und vertiefen damit das Verständnis der christlichen Heilsgeschichte. Im Mittelalter konnte auf diese Weise auch leseunkundigen Menschen die Weihnachtsgeschichte vermittelt werden.

Die Tradition wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch neu entstandene Sternsingen (z.B. Wettingen) und Krippendarstellungen (z.B. Panorama in Einsiedeln) aufgegriffen. «Das Ganze hat einen tiefen Sinn», ist Othmar Büchel überzeugt. Das Sternsingen stellt die biblische Geschichte dar, wie man sie in der Schule gelernt habe.

Zweitens wird mit dem Sternsingen Geld für Soziales gesammelt. «Seit 20 Jahren geht jeder Rappen weiter», sagt Vereinspräsidentin Hildegard Bucher. Vorher wurde vom gesammelten Geld auch einiges für die Kosten des Sternsingens aufgewendet.

Klosterestrich als Lagerraum

Die Sternsinger sammeln jedes Jahr für ein anderes Projekt – alternierend für ein inländisches und für ein ausländisches Werk. Die Empfänger des Geldes werden personenbezogen ausgesucht. So wurde auch schon zweimal für die sozialen Aufgaben des Kapuzinerklosters gesammelt.

Überhaupt hat das Rapperswiler Kapuzinerkloster eine ganz besondere Bedeutung für die Sternsinger. Im Estrich der Kapuziner dürfen die Sternsinger ihre Gewänder und Utensilien lagern. Die Sternsinger sind im Klösterli gern gesehen. Insbesondere die drei Frauen, die für die Kostüme zuständig sind, werden jeweils vonden Brüdern mit Kaffee und feinem Gebäck verwöhnt.

Der Umzug

Wenn die Sternsinger am Sonntagabend um 18 Uhr das Klösterli verlassen, herrscht eine speziell mystische Stimmung. Entlang der Gassenin der  Altstadt stehen Kinder und Erwachsene und lassen sich durch die Sternsinger auf die heiligen Tage einstimmen. Besonders eindrücklich wird diese Stimmung, wenn just um 18 Uhr Schneeflocken vom Himmel fallen.

Angeführt wird der Zug von den kleinen und grossen singenden Engeln. Danach folgen Maria und Josef samt Eselein. Es folgen die Hirten mit ihren Schafen. Hoch zu Ross ziehen zwei der drei Königeeinher, der Mohrenkönig  ist jeweils auf einem Kamel unterwegs. Durch die Altstadt bewegt sich der Tross zum Hauptplatz und schliesslich zum Burgaufstieg.

Die Weihnachtsgeschichte

Das traditionelle Krippenspiel wird in diesem Jahr zum 55. Mal durchgeführt. Auf dem Hauptplatz zum Burgaufstieg können die Zuschauer mitverfolgen, wie Maria und Josef mit ihrem Esel eine Herberge suchen. Die Wirtin lässt sich nicht erbarmen und weist die Familie ab. Sie findet schliesslich Unterschlupf in einem Stall.

Die drei Könige folgen dem Weihnachtsstern bis an die Burgtreppe und erweisen dem Neugeborenen mit ihren Gaben die Ehre. Der Gesandte von König Herodes hingegen kann das Jesuskind nicht finden und zieht unverrichteter Dinge wieder ab. Dafür führen die Trossknechte der Könige voller Freude einen Tanz auf. Mit dem «Stille Nacht, heilige Nacht» und dem Glockengeläute der Stadtpfarrkirche wird das Spiel beendet.

Christoph Bachmann, Hirt seit 22 Jahren


Wie es in Rapperswil dazu kam

Das Rapperswiler Sternsingen ist einer Idee von Lehrer Konrad Bächinger zu verdanken. Er nahm mit dem Theaterfachmann und Regisseur Oscar Eberle Kontakt auf. Eberle war begeistert und formulierte seine Ideen – insbesondere den Einbezug des Circus Knie und die geeignete Kulisse der Stadt. Bächinger und weitere Leute begannen darauf mit der Umsetzung des Sternsingens.

Der Dichter Pius Rickenmann (Pseudonym von Karl Blöchlinger) schrieb das «Rapperswiler Sternsingen», und Bruno F. Saladin vertonte die Texte. Eberles Sohn Ambros übernahm die Regie, und viele Rapperswiler zogen begeistert mit. Die Menschen waren begeistert.

Rapperswiler Sternsingen 2012: Sonntag, 23. Dezember, 18 Uhr.