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Denkmal für Landminenopfer
Denkmal für Landminenopfer

Über die Arbeit von Franciscans International

Franciscans International (FI) arbeitet seit 25 Jahren an der UNO, zunächst am Hauptsitz in New York und seit 1997 auch in Genf. Wie lässt sich der Grundauftrag kurz umschreiben?

Wir machen Lobbyarbeit bei den UN, um 750000 franziskanischen Brüdern, Schwestern und Laien weltweit eine Stimme zu geben und die Entscheidungsträger für die Not von Benachteiligten aller Art zu sensibilisieren. Unsere politische Arbeit soll zugleich «Hilfe für Helfer» sein: für alle, die sich in konkreten Situationen für Arme aller Art einsetzen.

Euer Newsletter Franciscan Voice spricht aktuell von eurem Einsatz für die Rechte der Kinder und der indigenen Völker, gegen Menschenhandel und extreme Armut und neu für «Sozial- und Umwelt- Gerechtigkeit». Was sollen wir uns unter dieser vorstellen?

Ein Hauptthema von Sozial- und Umweltgerechtigkeit ist der Bergbau in Südamerika, Afrika und Asien. Der Profit geht ins Ausland. Genf und Zug sind Drehscheiben des profitablen Ressourcenhandels. Oft wird dabei der Lebensraum von Urvölkern zerstört und Elend oder gewalttätige Konflikte sind die Folge. FI bringt das Problem am Beispiel des Kongo in die UNO ein. Wir lassen einen einheimischen Kapuzinerbischof während der Tagung des Menschenrechtsrats sprechen, unterstützt durch westliche UN-Diplomaten und Sachverständige der EU, die wir mit ins Boot geholt haben. Ziel sind Gesetze und Konventionen, welche die Menschenrechte verbindlich schützen und Staaten verpflichten, der Wirtschaft strenge Auflagen zu machen.

Welche Chancen kann eine Nichtregierungsorganisation (NRO / Englisch: NGO = nongovernmentalorganization) im weltpolitischen Konzert der Nationen nutzen?

Franciscans International (FI) kann konkrete Nöte von Menschen weltweit hier in Genf zur Sprache bringen. Das wichtigste Instrument ist die periodische Überprüfung der UNO-Mitgliedstaaten, die alle vier Jahre auf die Menschenrechtslage durchleuchtet werden: Das überprüfte Land liefert einen Bericht, alle Staaten schauen hin und der dritte Bericht kommt von der UNO. Dieser speist sich unter anderem aus NGO-Stimmen. Franciscans International (FI) lässt die eigene Basis sprechen. Anders als UNDiplomaten, die Problemzonen besuchen, leben unsere Schwestern und Brüder dort vor Ort. Sie bekommen erschütternde Szenen wie die eingangs geschilderte direkt mit.

Du bist seit vier Jahren in Genf und seit 2013 Leiter der Franciscans International (FI). Wie weit hat dich dein franziskanisches Leben für deine Arbeit hier vorbereitet?

Seit ich Franziskaner bin, setze ich mich in der Bewegung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (GFS) ein. In Frankfurt habe ich in einem sozialen Brennpunkt als Arbeiterpriester gewirkt und mit Brüdern in einer Hochhaus-Siedlung gelebt, wo wir AIDSHilfe, Gefängnisseelsorge und freie Jugendarbeit unter Immigranten leisteten. Das sensibilisierte mich für Fragen der Gerechtigkeit im eigenen Land. Sechs Jahre war ich dann im Vorstand von Franciscans International (FI). Das brachte mich in Länder der südlichen Welt mit ihren Formen von Armut und Ungerechtigkeit.

Du strahlst Ruhe und zugleich Leidenschaft aus: Wofür kämpfst du in Genf am liebsten?

Eine meiner Hauptaufgaben ist Teambildung. Die Advocacy-Arbeit macht das Team, und ich sorge dafür, dass es gute Facharbeitmacht. Ich pflege zudem die Kontakte zur franziskanischen Welt: Dazu müssen die Anliegen der Franciscans International (FI) in die Sprache der Brüder und Schwestern übersetzt werden.

Lobbyarbeit für GFS kennt bestimmt auch Unverständnis und Widerstand. Wo drohen dir Enttäuschungen und vielleicht auch Wut, den inneren Frieden zu verlieren?

National und global, aber auch in unseren Gemeinschaften hat das Ökonomische oft zu viel Raum. Wo setzen wir unsere Mittel ein? Engagementfür Gerechtigkeit kann an der Frage scheitern, wie viel es finanziell kostet.

Der neue Papst Franziskus fällt durch sein politisch mutiges und sozial sensibles Amtsverständnis auf. Macht das die Arbeit vonFranciscans International (FI) in Genf leichter?

Auch wir spüren den «Franziskus-Effekt», den die Weltpresse feststellt. Die katholische Kirche hatte nach den Missbrauchskandalen jahrelang einen schweren Stand an der UNO. Sie gewinnt seit einem Jahr wieder ein positives Image. Der Papst überzeugt in Wort und Tat. Er verkörpert franziskanischeWerte verständlich.

Du lebst hier als Bruder mit weiten Horizonten in einer internationalen Welt und als deutscher Franziskaner in der Schweiz. Was rätst du deinem Gastland, das seine Grenzen gegenüber «Fremden» dichter macht?

Ich wünsche einem reichen Land wie der Schweiz, dass es den Reichtum des anderen Menschen entdeckt und den Schatz des Fremden wertschätzt.

Interview: Niklaus Kuster


 

Hexenkinder

Franciscans International (FI) brachte als erste das Töten von «Hexenkindern» in die Menschenrechtsarbeit der UNO ein. Workshops in Afrika deckten die Ausmasse des Problems auf: In Benin und Nachbarländern werden Kinder getötet, wenn sie ein Handicap haben oder mit den Füssen voran zur Welt kommen. Seelsorger, Schwestern und Brüder retten einzelne Kinder und bringen sie in Heime.

2008 wurde Benin von der UNO auf die Menschenrechtslage überprüft. FI nutzte die Chance und illustrierte das Problem durch Zeugenberichte. Da die Regierung Benins es hartnäckig tabuisierte, machte Franciscans International (FI) daraufhin Lobbyarbeit in UN-Kreisen. Bei der Überprüfung Benins 2012 bewegten 14 Länder die Regierung zur Anerkennung des Problems und zum Handeln.

Aktuell berät Benins Parlament Gesetze, welche jede Kindstötung bestrafen. Zugleich gehen Kampagnen zusammen mit der UNICEF gegen den Aberglauben an. Round Tables mit Medien, Politik, Spitälern und Seelsorge treffen sich institutionalisiert. Dabei geht es um Prävention (Registrierung Neugeborener, Bildung), Repression (Kindstötung wird kriminalisiert) und Protektion (Gefährdete finden ausserhalb des Stammes Schutz).

Um Kinder weltweit besser zu schützen, kämpft Franciscans International (FI) in einer UN-Arbeitsgruppe für die obligatorische Geburtenregistrierung in allen Ländern. Registrierte Kinder werden als Staatsbürger anerkannt, was Tötung, Menschenhandel oder Kinderprostitution erschwert und Schulbildung besser garantiert.


Schweizer Kapuziner unterstützen FI

WLu. Die Schweizer Kapuziner gehören zu den wichtigsten «Sponsoren» von Franciscans International/FI. Es begann im Jahr 1997 mit einem verhältnismässig bescheidenen Beitrag von 1000 Franken. In den nächsten Jahren folgten mehrere Beiträge von insgesamt 70000 Franken.

Als der damalige Provinzial Mauro Jöhri bei einem Besuch in Genf Franciscans International aus der Nähe kennenlernte, war er von der dort geleisteten Arbeit so begeistert, dass er mit seinem Provinzrat beschloss, ab 2002 die Büromiete von jährlich 80000 durch die Provinz