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Noch vor wenigen Jahren sass er im Gefängnis. Doch dann wurde Nelson Mandela Staatspräsident des freien Südafrika – das weisse Apartheid-Regime war gescheitert. Entscheidend dazu beigetragen hat der Boykott des südafrikanischen Finanzsystems. Unzählige Einzelpersonen, Organisationen, Verbände, Gemeinden, Pensionskassen und Firmen auf der ganzen Welt haben durch die Umverteilung ihrer Kapitalien zum Umschwung im Südlichen Afrika beigetragen.

Weder Waffen noch Alkohol

Gezielte Geldanlage nach ethischen Richtlinien hat eine lange Tradition. Bereits im 18. Jahrhundert beschlossen religiöse Gemeinschaften in Nordamerika, ihr Geld nicht mehr mit Tabak, Alkohol oder Glücksspiel zu verdienen. Die Negativlisten von damals sind mittlerweile aktualisiert. Kein Geld für Waffen, Gen-Food oder Umweltzerstörung heisst heute die Devise. Doch auch positive Kriterien spielen eine Rolle. Um die Kreditnot des Gewerbes zu lindern, entstanden einst etwa die Raiffeisenbanken. Sie investieren auch heute noch ihre lokalen Spargelder primär in die lokale Wirtschaft, statt dass es in globale Profitzentren abwandert. In jüngster Zeit sorgen Geldinstitute wie die Alternative Bank Schweiz (Gründung 1990) oder die anthroposophische Freie Gemeinschaftsbank BCL (1984) dafür, dass ihre Kundinnen und Kunden gezielt Sonnenenergie, Biolandwirtschaft, Baubiologie und ungewöhnliche Sozialeinrichtungen fördern können.

Der Markt boomt

Der Erfolg „grüner“ Geldanlagen motivierte selbst die Grossbanken Credit Suisse und UBS, die Moral als Business zu entdecken. Beide wegen ihrer Geschäftspraktiken oft kritisierten Finanzinstitute betreiben Fonds und Beteiligungsgesellschaften, die vorwiegend in ökoeffiziente Grosskonzerne investieren. Eine echte Pionierin ist die Bank Sarasin, deren sorgfältig geführter OekoSar-Fonds (seit 1994) nicht nur in der Schweiz Erfolg hat. Mit der Anlagestiftung Ethos haben 25 Pensionskassen 1997 eine Anlagestiftung geschaffen, um ein ethischen Akienportefeuille aufzubauen und fortschrittliche Firmen zu unterstützen. Die Kantonalbanken spannen mit dem WWF zusammen (Swissca Green Invest), die Migrosbank mit dem VCS (Eco-Fonds) und die Versicherungs-Treuhand Zürich (VTZ) wirbt für „green money for the blue planet“. Bereits 1998 führte die entwicklungspolitische Organisation Erklärung von Bern in einer kleinen Broschüre („Grünes Geld?“) 18 verschiedene Anbieter auf.

Zwischen Profit und Solidarität

Diese Fonds kaufen meist Aktien oder Obligationen gemäss ethischen Kriterien und stützen so eine ökosoziale Firmenpolitik. Sie versprechen eine „sustainable performance“ mit guten Erträgen. Dagegen kann die Ökumenische Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit (früher EDCS) nur eine maximale Dividende von zwei Prozent anbieten. Denn ihre fairen Kredite fliessen direkt in wirtschaftlich benachteiligte Regionen und nicht „börsenkompatible“ Projekte. Oikocredit hilft Kaffeebauern-Genossenschaften in Guatemala ebenso wie einer Frauenbank auf den Philippinen, einer Molkerei in der Slowakei oder den T-Shirt-Druckern von Zimbabwe. Investiert wird in Arbeitsplätze von Menschen, die sonst als „nicht-bankfähig“ gelten. Deshalb arbeiten viele Hilfswerke und Ordensgemeinschaften mit Oikocredit zusammen. Allein aus der Schweiz haben bisher rund 1000 Einzelpersonen Anteilscheine von Oikocredit gekauft. Auch Kirchgemeinden sind herausgefordert, differenzierter nach dem Profit von Kapitalanlagen zu fragen: Geht es um hohe Sicherheit und maximalen Ertrag oder kann Geld noch anderen Herren dienen?

Karl Johannes Rechsteiner

 

Grünes Geld? Dokumentation 1/98 der Erklärung von Bern, Postfach, 8031 Zürich, Tel. 01/271 64 34, Broschüre A5, 24 Seiten, Einzelexemplare gratis
Oikocredit, Postfach, 3672 Oberdiessbach/Bern, Tel. 031/772 00 42, Fax 031/772 00 44, swiss.sa@oikocredit.org

 

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