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Franziskanische Spiritualität im Frauenkloster

Was heisst für Sie und Ihre Mitschwestern franziskanische Spiritualität leben?

Franziskanische Spiritualität heisst «nach dem Evangelium leben». Die franziskanische Lebensweise sehen und erleben wir als eine auf Christus hin zentrierte Spiritualität. Ein einfaches Leben in Zufriedenheit, Achten der Würde aller Menschen und eine echte Beziehung zur Schöpfung Gottes gehören zu unseren zentralen Anliegen. Die Geschwisterlichkeit ist uns wichtig. Im Sinne von Franziskus sind wir alle Schwestern und Brüder. Dazu gehört, dass wir miteinander teilen, was uns freut und stärkt auf unserem Weg – und auch, dass wir miteinander anschauen, was wir im gemeinsamen Leben als schwierig erfahren. Zum Stichwort «Geschwisterlichkeit »: Wir pflegen freundschaftliche und geschwisterliche Kontakte zu Gemeinschaften  innerhalb und ausserhalb der franziskanischen Familie.

Wie wird diese Spiritualität im kontemplativen Kloster gelebt?

Im gemeinsamen Gebet, in der persönlichen Meditation und der Eucharistiefeier, in den Beziehungen untereinander und mit andern Menschen, in der Arbeit und im Umgang mit der Schöpfung kommt diese Spiritualität zum Ausdruck.

Wie wird die Mitwelt auf diesen Weg mitgenommen?

Wir pflegen eine offene Gastfreundschaft. Frauen kommen, beten und leben mit uns. Diese Form von Gastfreundschaft erleben wir als ein «Geben und Nehmen».

Am Sonntag, Montag und am Donnerstag laden wir zur Eucharistiefeier ein. Jeden dritten Sonntag im Monat bietet sich Gelegenheit für alle, an der Vesper (Abendgebet) teilzunehmen. Und am vierten Dienstag im Monat können Menschen am abendlichen «Innehalten» mit Musik und Meditation in der Klosterkirche teilnehmen. Wir sind mit vielen Menschen verbunden, die ihre Sorgen und Nöte unserem Gebet anvertrauen. So wird eine tragfähige Brücke zum Leben draussen hergestellt. Viele Schwestern pflegen wertvolle Kontakte mit Menschen, die ein Gegenüber suchen, das Zeit hat und zuhören kann. Dazu kommen weitere Angebote: Wochenende für Frauen, geistliche Begleitung und neu auch Exerzitien, Mitarbeit in der Berufungspastoral usw. Hin und wieder gestalten Schwestern Pfarreiangebote mit.

Was bedeutet Ihnen das mehrmals am Tag gehaltene Stundengebet?

Das Gebet ist die Quelle, die mit der Zeit das ganze Leben durchdringen soll. Das mehrmalige, bewusste Gehen zur Quelle lenkt den Blick auf das Wesentliche und befruchtet den Tag. Wir beten das kirchliche Stundengebet. In Laudes (Morgengebet), Vesper (Abendgebet) und Komplet (Nachtgebet) singen und beten wir Psalmen und vertiefen uns in biblische Texte. Das Mittagsgebet gestalten wir freier, es soll bewusst mehr Stille vor Gott ermöglichen. Die Zeit der eucharistischen Anbetung am Nachmittag lässt uns gemeinsam in Stille bei Gott sein, der uns «Brot» und «Quelle» ist.

Können diese Gebetsformen Aussenstehenden vermittelt werden?

Frauen, die als Gäste mitleben oder an Wochenenden teilnehmen, sind hineingenommen in unser gemeinsames Beten. Das kann viel auslösen – auch Fragen und Unsicherheiten. Im Gespräch versuchen wir einen Zugang zum Gebet z.B. der Psalmen oder zur Meditation zu öffnen. Manche möchten sich auch vergewissern, wie das im Kloster Erfahrene im persönlichen Alltag gelebt werden kann. Auch Musik ist für uns eine Weise der Verkündigung. Viele Besucher schätzen die musikalisch gestalteten Gottesdienste und nehmen gerne und regelmässig daran teil.

Wieweit spielt der Gedanke, dass Christen Mystiker sind oder sonst keine Christen sind (K. Rahner), in Ihrem Alltag eine Rolle?

Im Tiefsten trägt jeder Mensch die Sehnsucht nach Gotteserfahrung in sich. Das «Aufleuchten Gottes» ist ein Geschenk. Wir können dazu den «Boden bereiten». Sich auf das Wort Gottes einlassen, ihm Raum geben, hilft uns «geerdete Menschen» zu werden, die sich nach dem «Himmel» ausstrecken und es zu bleiben. Das im Bewusstsein, dass wir immer von Gott getragen werden.

Leben, Gebet, Arbeit, was sagen Ihnen diese Stichworte am Ende des Gesprächs?

Das Gebet ist der Pulsschlag durch den Tag. Es hält uns in der Beziehung zu Gott und gibt uns «Raum zum Atmen».

In der Gemeinschaft sind die Aufgaben verteilt. So trägt jede Schwester zum gemeinsamen Ganzen bei. Die Kräfte und Möglichkeiten sind allerdings verschieden. Jeder Beitrag ist wichtig für die Gemeinschaft und ist wertvolles Wirken für das, was wir «Reich Gottes» nennen. Schwestern pflegen auch Aufgabenbereiche, in denen sie ihre Begabungen einbringen und entfalten können.

Die Arbeit soll auch kreativ und schöpferisch sein. Gesundes und ausgeglichenes Menschsein ist wichtig. So gehören zu unserem Leben  auch Erholungszeiten wie ein freier Tag im Monat oder die jährliche Ferienzeit.

Schwester Susanna-Maria und Schwester Sabine, besten  Dank für das Gespräch.

Karl F. Odermatt

 

Aus der Klostergeschichte

In der Klostergeschichte von Marita Haller-Dirr lesen wir: «Die Landsgemeinde bewilligte erst 1618 eine klösterliche Gemeinschaft und zwar nur von sechs bis acht Nonnen. Der Andrang war so gross, dass 1621 diese Einschränkung fallen gelassen werden musste.» Nach vielen politischen und ökologischen Wirren begann zur Mitte des 17. Jahrhunderts die erste Blütezeit des Klosters St. Klara. Den Stanser Dorfbrand 1713 überstand das Kloster ohne Schaden. In der Zwischenzeit haben die benachbarten Kapuziner vom päpstlichen Nuntius das Amt der Visitation übernommen. Beim Einfall der Franzosen in Nidwalden erlebten die Schwestern des Klosters schreckliche Tage. Die helvetische Regierung  ollte das Kloster gar aufheben. Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts erlebte die Schwesterngemeinschaft eine richtiggehende Blütezeit mit über 60 Nonnen. 1968 wurde das Kloster gründlich restauriert. Und auch das geistliche Leben erhielt neuen Schwung.

 

ite2009-3

Franziskanisches Leben in der Schweiz

ite 2009/3

Frauenleben im Klosterkreis
Typisch franziskanisch
Kapuzinerinnen in Stans