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«Ich möchte etwas Sinnvolles und Gutes machen im Leben»   

Ziele und Wünsche von Kindern

Viel wird über Kinder geschrieben, Weniges lesen wir von Kindern selbst. Das hat wohl auch damit zu tun, dass Kinder sich Erwachsenen und auch Eltern gegenüber sehr zurückhaltend äussern. Wir haben es trotzdem versucht und drei Nachbarskinder nach ihren Wünschen und Zielen gefragt.

Verschmitzte, neugierige und aufgeweckte Kinder im Gespräch | © Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de

Die beiden Mädchen und der Junge leben in unserer Nachbarschaft in einer 5-Zimmerwohnung und gehen alle noch in die Schule. Sie sind aufgeweckt, neugierig, verschmitzt, aber doch mit einer gesunden Dosis Distanz gegenüber mir. Wir sitzen am Esstisch und ich frage sie bei einem Glas Süssmost und Keksen nach ihren Lebensentwürfen.

Jael: wunschlos glücklich

«Ich bin 2005 geboren und in Ebikon aufgewachsen, gehe heute in die 5. Primarklasse. Doch, ich gehe gerne zur Schule. Am liebsten habe ich die Fächer Turnen und Musik, konkret Singen und Gitarre.

Nach der Primarschule werde ich die Sek besuchen. Später möchte ich gerne etwas Medizinisches machen – zum Beispiel Tier- oder Kinderärztin – oder dann etwas mit Sport. Ich glaube, ich habe so gerne Sport, weil mein Pappi das auch sehr mag.

Ich habe viele Freundinnen, mit denen ich mich manchmal treffe. Aber Mami ist mir immer noch am liebsten. Auch die beiden Grossmamis habe ich lieb. Jene von Mami ist manchmal etwas strenger. Wenn ich bei ihr bin, sagt sie dann jeweils am Abend, wann ich ins Bett gehen muss.

Ich würde mega-gerne Tiere haben, am liebsten Gold- oder Zwerghamster. Doch meine Schwester hat schon Nager und ich selber darf keine Katze haben wegen meiner Allergie. Wenn ich mal gross bin, werde ich ganz viele Nager haben. Wenn ich mal ausziehe später, werde ich meine ganze Wohnung voller Terrarien haben.

Geld ist mir nicht so wichtig. Ich kriege Sackgeld, aber bin sehr sparsam. Ich kaufe nicht alles sofort, wenn ich es sehe. Ich überlege gut und warte, vielleicht finde ich es am ersten Tag cool aber später schon nicht mehr.

Fernsehen schaue ich wenig. Zur Erstkommunion habe ich ein Smartphone bekommen, das ich zum Chatten brauche. Dann stelle ich kleine Videos her mit dem App Musical.ly. Damit kannst Musik abspielen lassen und dich dazu bewegen und es aufnehmen und 'posten'. Ich habe schon 50 Follower.

Mein grösster Wunsch für die Zukunft? Nun ja, wenn ich länger überlege, ich bin sehr zufrieden und habe gar keinen Wunsch.»

Zoe: in der Trachtengruppe

«Ich bin dreizehn Jahre alt. Nach der Primarschule bin ich direkt ans Gymnasium nach Luzern gegangen. Ich möchte gerne studieren, irgendetwas mit Medizin, Kindern oder Tieren.

Es gefällt mir am Gymi sehr. Ich lerne gerne. Es ist schon sehr anstrengend, aber ich werde es schaffen. Sprachen gefallen mir, aber auch Naturlehre oder Geographie. Ich finde es auch cool, dass ich am Gymi mehr Freiheiten habe, z.B. wo ich am Mittag essen gehe oder am Nachmittag, wenn ich mir nach den Lektionen die Zeit frei einteilen kann.

In der Freizeit spiele ich Gitarre, snowboarde oder fahre Kanu. Das hat mir mein Vater gezeigt. Ich bin aber auch – wie meine Geschwister –  in der Trachtengruppe. Am Anfang der Primarschule wollte ich ein Hobby haben. Meine Mami ging mit mir zur Trachtengruppe und ich fand das schon damals cool.

Heimat? – Das ist dort, wo ich zu Hause bin und mich wohl fühle. Zum Beispiel in meinem Zimmer. Dort habe ich nun in einem Terrarium Mäuse.

Nein, Buben interessieren mich noch nicht. Ich habe viele Mädchen als Freundinnen. Wir chatten zusammen über WhatsApp. Alle in unserer Klasse haben ein Smartphone, nicht zum Telefonieren, sondern zum Chatten oder für Instagram und Snapchat. Ja, alle, die in meiner WhatsApp-Liste sind, kenne ich persönlich und treffe sie.

Doch, das Sackgeld reicht. Klar könnte es mehr sein, aber mir reicht es.

Mir ist wichtig, dass ich nach draussen gehen und mich frei bewegen kann. Grosse Pläne für die Zukunft habe ich nicht. Ich möchte einfach mal etwas Gutes und Sinnvolles machen im Leben.»

Erik: Zukunft als Mediamatiker

«Ich bin 2001 geboren und lebte die ersten Jahre in Kriens. Aber eigentlich kann ich mich nur an Ebikon erinnern, wo wir schon lange wohnen – das ist meine Heimat. Nach Ende der Sekundarschule beginne ich nächsten Herbst eine Lehre als Mediamatiker in einem Industriebetrieb. Ich habe diese Lehre gewählt, weil ich Mediamatiker extrem interessant finde. Man kann viel gestalterisch machen, Videos, Flyer usw. Dann ist auch Informatik wichtig, was ich gerne habe.

Ich bin mit dem PC aufgewachsen, mein Papi, der Informatiker ist, brachte immer wieder mal eine Kiste nach Hause. Auch das Smartphone gehört zu meinem Alltag. Ich chatte damit, game und höre Musik. Aber in der Nacht bleibt das Handy in der Stube und nicht auf dem Nachttisch neben meinem Bett. Mit den Kopfhörern laufe ich nie herum. Das würde mich stören. Und ich schaue auch nicht jeden Morgen nach dem Aufstehen aufs Handy. Lesen tue ich fast nie, selten mal fernsehen, zum Beispiel '10 vor 10' oder am Freitagabend.

Wie meine Geschwister gehe ich drei Mal die Woche in die Läuferriege. Sport ist in unserer Familie sehr wichtig. Alle, ausser Mami, sind sehr sportlich. Mein Wunsch wäre, wenn ich mal Geld verdiene, eine grosse Weltreise zu machen, wie sie meine Eltern früher mehrmals machten. Gut, nicht gerade nach Syrien, aber in zivilisierte Länder. Zuerst gehen wir jetzt mal mit den Eltern im Sommer in die USA. Gespannt bin ich insbesondere auch auf New York, wovon man immer die tollen Bilder sieht. Amerika ist ein Land, in dem man sehr viele Freiheiten geniesst.

Meine Zukunft? Als Mediamatiker arbeiten und Geld verdienen, eine Familie gründen, sportlich bleiben. Bis dahin ist noch ein weiter Weg. Im Moment aber ist meine Woche doch sehr ausgebucht und verplant.»

Beat Baumgartner


Mediamatiker

Mediamatiker sind kreative Gestalter von Informationen. So bearbeiten sie beispielsweise die vielen Informationen, die man im Internet findet. Das erforderliche Bildmaterial, Filme, Musik, Texte sowie Tondokumente binden sie ziel- und fachgerecht ins Internet ein.