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Informationen sind das Öl der Zukunft   

Neuer Rohstoff

Arm ist nicht nur, wer hungert oder unter einer Plastikplane am Strassenrand schlafen muss. Arm ist auch, wer von Informationen abgeschnitten lebt. Informationen und Daten sind darum das Öl, die Rohstoffe der Zukunft, sagt Michael Unland, Geschäftsführer von CAMECO.

Traditionelle Medien› haben an Bedeutung verloren zugunsten des Internets.

Derjenige, der keinen Zugang zu Informationen habe, der nicht lesen und schreiben könne, gehöre zu den Verlierern. Ihm bleibe die Chance verwehrt, im «globalen Dorf», zu dem die Welt aufgrund neuer Kommunikationsmöglichkeiten geworden ist, seine Meinung kundzutun und sich mit anderen auszutauschen.

Der Schlüssel für Entwicklung

«Es wird zu wenig erkannt, wie stark das Internet Identitäten und Gemeinschaften beeinflusst und welche Schlüsselfunktion Medien und Informationstechnologien für entwicklungspolitische Ziele haben», sagt Michael Unland. Das Internet konfrontiere uns mit sehr unterschiedlichen Weltanschauungen. Es beeinflusse unsere Gemeinschaften, Machtverhältnisse, ganze Gesellschaften und politische Systeme.

Was sind die wichtigsten Entwicklungen im Bereich der Kommunikation? Womit müssen sich Medien-Macher, Nutzer und Organisationen wie die Kirche auseinandersetzen, um angemessen zu reagieren? Zunächst einmal: «»Traditionelle Medien’ wie Zeitungen, Radio und Fernsehen haben an Bedeutung verloren zugunsten des Internets. Damit einher geht ein Machtverlust von Journalisten und Herausgebern.»

In einem abgelegenen afrikanischen Dorf, in dem die einzige Informationsquelle das Radio ist, hören alle das gleiche Programm. Gefällt es nicht, gibt es eine einzige Option: das Gerät auszuschalten. Dort, wo Internet verfügbar ist, sind dagegen unendliche Informations- und Unterhaltungsmöglichkeiten nur einen Mausklick entfernt. Der Nutzer entscheidet, was er liest, hört und anschaut.

Den Nutzern bietet das Internet auch die Möglichkeit, relativ einfach selbst Beiträge zu publizieren. Sie schlüpfen in die Rolle, die vorher Journalisten vorbehalten war. Das birgt Chancen. Etwa, wenn sich gesellschaftliche Randgruppen wie Indigene in Südamerika mit Hilfe der sozialen Medien erstmals eine Stimme in der Öffentlichkeit verschaffen. Protestbewegungen gegen unliebsame Staudammprojekte oder Umsiedlungsmassnahmen finden so weit über die Region hinaus Beachtung und Unterstützung.

Andererseits fordern Falschinformationen, Hassreden, Mobbing, Pornografie und polarisierende Darstellungen, die im Internet häufig sind, den mündigen Nutzer. Bildung und medienpädagogische Aufklärungsarbeit spielen daher zukünftig eine grössere Rolle.

Kommunikation bedeutet heute vor allem, mit und in Netzwerken zu kommunizieren. Darin ist  jeder mit jedem verbunden und es gibt überall Rückmeldemöglichkeiten. Das heisst: Es ist nicht mehr unbedingt notwendig, dass alle Mitglieder einer Gemeinde oder einer Organisation an einem Ort zusammenleben und als gemeinschaftsstützendes Medium etwa die gleiche Zeitung lesen.

Früher dominierten solch örtlich verankerte Gemeinschaften: die Kirche als Zentrum des Ortes, die Gemeindemitglieder, die um die Kirche herum leben, sich beim Sonntagsgottesdienst treffen und Neuigkeiten austauschen. Heute werden sie durch Gemeinschaften ergänzt, die sich in globalen Netzwerken verbinden:  Menschen, die wegen ihrer Arbeit häufig umziehen müssen, Ordensgemeinschaften, deren Mitglieder über den Globus verteilt leben oder Flüchtlinge, die gezwungenermassen ihre Heimat verlassen.

Klar ist: Gemeinschaft empfinden wir nicht mehr nur als örtliches Beisammensein, sondern durch Vernetzung entlang gemeinsamer Identität, Interessen, Werte. Einige junge philippinische Bischöfe nutzten in vorbildlicher Weise Facebook und Twitter, um in einer mobilen Welt nah bei «ihren» Gläubigen zu sein, sagt Michael Unland. Ihre Gemeinde treffe sich nicht (mehr nur) im Gottesdienst, sie sei nun auch eine Netzgemeinde.

Die «digitale Kluft» spaltet die Welt

Vergleicht man das Wachstum des Internets mit dem anderer Medieninnovationen in der Vergangenheit, fegt die Internet-Welle zwar deutlich schneller über die Welt hinweg, aber leider auch, genauso wie die vorhergehenden Innovationen, an so manchen Gegenden vorbei.

Immer noch haben 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu elektrischem Strom und damit oft auch keinen Zugang zum Internet. Über 50% dieser Menschen leben in den Ländern Afrikas südlich der Sahara. Ländliche Gebiete dort sind sogar nur zu 17% ans Stromnetz angeschlossen. Experten sprechen von einer «digitalen Kluft», die die Welt spaltet. Es gibt nicht nur riesige Unterschiede in der Mediennutzung zwischen entwickelten und sogenannten Entwicklungsländern. Die Kluft zwischen Stadt- und Landbewohnern in den armen Ländern ist auch immens, ebenso wie die zwischen jüngeren und älteren Generationen.

Während das Internet in den Grossstädten auch vieler armer Länder längst angekommen ist, haben viele ihrer Landbewohner noch nie einen Laptop oder ein Smartphone benutzt.  Das Radio spielt in Afrika die grösste Rolle bei der Informationsverbreitung. Und das wird wohl auch noch lange so bleiben, prognostiziert Michael»«Unland.

Was bedeutet all das für die Medienarbeit der Kirche? Die Frage, wie man die Möglichkeiten neuer Informationstechnologien nutzen kann, müsste oberste Priorität  haben, meint Michael Unland. Für Milliarden Menschen sei das Netz schon jetzt gemeinschaftsbildend. Wenn die Kirche gemäss ihrem Auftrag den Menschen nahe sein wolle, müsse sie im Internet anzutreffen sein.

Mit neuen Kommunikationsformen experimentieren

Es sei wichtig, eine starke Präsenz im Internet zu entwickeln, mit neuen Formen der Kommunikation zu experimentieren, von Innovationen aus Entwicklungsländern zu lernen.

«Warum verbreiten sich Gewaltbotschaften im Netz so schnell? Wie erreichen wir, dass die Frohe Botschaft im Netz mehr geteilt und als relevant erlebt wird?», fragt Unland. Auf diese Frage müsse die Kirche Antworten finden. «Noch sind wir Getriebene der Entwicklung», sagt der Medienexperte. «Wir müssen mehr darauf hinarbeiten, dass sie nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Chance wahrgenommen wird. Dass wir sie im guten Sinne mitgestalten.»

Eva Maria Werner


CAMECO

Das Catholic Media Council (CAMECO) ist ein Beratungsbüro für Medien- und Kommunikation in Afrika, Asien, Lateinamerika, Zentral- und Osteuropa, dem Nahen Osten und Ozeanien.

Zentrales Anliegen CAMECOs ist die Stärkung von entwicklungs- und bürgerorientierten Medieninitiativen, die kirchliche Medienpräsenz und die innerkirchliche Sensibilisierung für Kommunikationsarbeit.

Link: http://www.cameco.org