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Kunst fördert Demokratie und Menschrechte   

Über das Friedenswerk von Father Saveri

«Mit Kunst Menschenrechte und Demokratie fördern» – das ist das Ziel des «Center for Performing Arts» (CPA), das vor 53 Jahren vom charismatischen Priester Nicholapillai Maria Saveri gegründet worden ist. Wir konnten in Jaffna eine eindrückliche Aufführung mit tamilischen und singalesischen Tänzen besuchen und auch kurz mit dem – leider schwer erkrankten – Gründer der Organisation sprechen.

Tanz der Pfauen | © © Stefan Rüde
Diese Gruppe junger Frauen führt singhalesische Tänze in einer Vorstellung am «Center for Performing Arts» in Jaffna auf. | © © Stefan Rüde

Das «Centre for Performing Arts» mit seinen über 20 Ablegern überall in Sri Lanka und auch im Ausland ist die am längsten existierende Organisation im Land, die mit Hilfe von darstellender Kunst Friedensprozesse fördert. Auch während des Bürgerkriegs von 1983 ­ 2009 war es Father Saveri und seinen Künstlern immer möglich, über die Fronten hinweg unbehelligt in alle Gebiete Sri Lankas und sogar ins Ausland zu reisen.

Das CPA gilt bis heute als «neutral und unvoreingenommen». Sein Geheimnis: Das Centre versucht, unterschiedliche ethnische und religiöse Interessen auszusöhnen ohne anzuklagen.

Höchste Anerkennung durch den Staat

Gerade aus diesem Grund wird die Arbeit des CPA landesweit, aber auch international, akzeptiert und geschätzt. Ein Zeichen dafür ist der «Excellence Award in the Arts for Reconciliation». Father Saveri erhielt die Auszeichnung am 13. November 2016 in Colombo für seine langjährige Versöhnungs- und Friedensarbeit aus den Händen von Staatspräsident Maithripala Sirisena. Und im Dezember 2016 eröffnete das CPA ebenfalls die erste Kunstgalerie Jaffnas, in der Rakkah Lane.

Father Saveri ist zutiefst überzeugt, dass die verschiedenen Religionen und Ethnien in Frieden und Harmonie – ja sogar in gegenseitiger kultureller Befruchtung – zusammenleben können: «Mein Ziel war es immer, eine bessere Welt zu schaffen und die Menschen durch die Kunst zusammenzubringen», betont der Gründer des CPA in seinem kleinen Haus in Jaffna. Sein Ansatz sei weniger ein theoretischer denn ein praktischer, basierend «auf den universalen Werten des Humanismus». Und diese humanistischen Werte wie «Brüderlichkeit, Frieden und Versöhnung», davon ist Father Saveri zutiefst überzeugt, seien in allen Religionen zu finden.

Wer verstehen will, warum Father Saveri der Kunst einen derart hohen Stellenwert in der Friedens- und Versöhnungsarbeit beimisst, muss seine Biographie kennen: 1939 in Ilavalai an der Nordküste geboren, ging der junge Tamile bereits mit zwölf auf Wunsch seiner Eltern ins katholische Seminar in Jaffna, um Priester zu werden. Nach dem Ende der Kolonialepoche (1948) wurde Saveri Zeuge von unzähligen, religiös und ethnisch bedingten, Konflikten entlang der Kastengrenzen.

Zuerst studierte er in Jaffna, dann in Kandy Philosophie. Schliesslich machte er den Bachelor und Master in Theologie in Rom und wurde mit 23 Jahren zum Priester ordiniert. In der italienischen Metropole wurde in ihm die Liebe zur Kunst geweckt. Er entwickelte eine grosse Leidenschaft für Theater, Film und Musik, wie er später immer wieder betonte. Anfangs der 60er-Jahre, kaum zurück in Sri Lanka, initiierte er als junger Priester am St. Patricks Kollege in Jaffna Theaterexperimente mit Studenten und organisierte anschliessend als Priester in Mannar mit Jugendlichen Kunstperformances, in denen soziale Botschaften vermittelt wurden.

Brücken schlagen zwischen den Ethnien

Saveri gründete 1965 «Thirumarai Kalamanram», die Vorgänger-Organisation des CPA, ging dann aber etwas später nach England und Deutschland, wo er in Geschichte und Hindu-Philosophie doktorierte. 1988 kam Father Saveri zurück nach Jaffna. Der Bürgerkrieg war voll im Gange «und es war für mich das Gebot der Stunde, Brücken zu schlagen zwischen den drei grossen Ethnien des Landes».

Die Organisation bekam ihren heutigen Namen CPA und verbreitete sich über ganz Sri Lanka: Tamilische, singalesische und muslimische Künstler stellten sich ganz in den Dienst als Botschafter des Brückenbaus in Kunst und Kultur.

Heute hat sich der Schwerpunkt des Centre of Performing Arts verschoben. Neben der Versöhnungsarbeit geht es, neun Jahre nach Kriegsende, vor allem um «Healing», Heilung. In einer ihrer Broschüren beschreibt die CPA ihre Arbeit so: «Das Zentrum verfügt über verschiedene Programme zur Friedensförderung, zugeschnitten auf unterschiedliche Altersgruppen. Diese Programme befassen sich mit den Hauptproblemen der verschiedenen Gruppen. Sie ermutigen zum Beispiel Frauen, in einer Performance ihre einzigartigen Konflikterfahrungen auszudrücken. Bei Kindern werden Spiele und Musik eingesetzt, um sie mit anderen Kindern unterschiedlicher ethnischer und religiöser Herkunft zusammenzubringen.

Das Zentrum nutzt Musik, Tanz und Drama, um Menschen zu unterstützen, ihre Konflikte auszudrücken, damit Heilung zu ermöglichen und die Menschen zu ermutigen, einander zuzuhören. Ein anderer Ansatz erzählt neu historische Geschichten in einem aktuellen Kontext: «Zum Beispiel die alten Epen wie Ashoka oder Ramayana, mit denen in Sri Lanka alle vertraut sind. Die Epen werden auf eine Art und Weise erzählt, die die Zerstörung durch Krieg und das Leid der Menschen aufzeigt, das alle trifft, unabhängig von ihrer Religion oder Ethnie. Das Zentrum fördert Menschenrechte und Demokratie durch praktische Arbeit.»

Father Saveri kann auf eine lange, fruchtbare Tätigkeit im Dienste des Friedens und der Versöhnung zurückblicken. Trotzdem befindet sich das «Centre for Performing Arts» seit Jahren in einer angespannten Finanzsituation, wie uns Father Saveri beim Gespräch in Jaffna erklärt: «Der Staat Sri Lanka anerkennt zwar unsere Arbeit. Aber er hat kein Geld, uns finanziell zu unterstützen. Früher, während und nach dem Bürgerkrieg, erhielten wir von den kirchlichen Hilfswerken aus der Schweiz und Deutschland grosszügige Unterstützung. Jetzt, da Sri Lanka aus den Medien verschwunden ist, ist es schwieriger, für unsere Arbeit Gelder zu erhalten. Wir können nur langfristig überleben, wenn die Finanzierung auf eine nachhaltige Basis gestellt ist.»


Arul Mathesupillai – Die Ordensschwester

In Jaffna, ganz in der Nähe des Centre of Performing Arts haben wir auch die engagierte Sister Arul getroffen, die dem Orden der Holy Family Sisters angehört.

«Ich arbeite bei den Holy Family Sisters in Jaffna, vorwiegend in der Erziehungsarbeit und als Beraterin unserer Schwesterngemeinschaften. Darum reise ich auch viel in der Provinz herum, aber immer mit dem Bus. Wir sind im Norden 240, im Süden Sri Lankas 200 Schwestern. Doch die Berufungen werden weniger. Das ist nicht erstaunlich, denn auch die Kinderzahl pro Familie nimmt in Sri Lanka ab. Unser Generalat war früher in Bordeaux, heute in Rom. Bis 1960 hatten wir eigene Schulen. Doch dann verbot sie die Regierung, wir gingen daraufhin in die staatlichen Schulen und lehrten dort. Das war nicht schlecht für den Orden. Denn wir wurden unabhängig. Heute führen wir zwölf Frauenhäuser, fünf Waisenhäuser und drei Behindertenheime sowie einige Sozialprojekte für junge und alleinstehende Frauen. Der Staat gibt der katholischen Kirche kein Geld. Er meint, wir erhielten genug vom Westen. Hindus und Buddhisten werden aber finanziell unterstützt.»